Aachen: Testgebiet auf Campus Melaten: Autonomes Fahren in freier Wildbahn

Aachen : Testgebiet auf Campus Melaten: Autonomes Fahren in freier Wildbahn

Die ersten Fahrzeuge in Aachen, die ohne Hände am Steuer fahren, sollen auf dem Campus Melaten kreisen. Und kreisen kommt der Strecke — sie steht bereits fest — sehr nahe. Auch wenn Campus-Boulevard, Forckenbeckstraße und die infrastrukturellen Innereien dazwischen keine wirklich kreisrunde Strecke ergeben, sondern anderes geometrisches Format haben — es ist ein Anfang für das autonome Fahren in „freier Wildbahn“.

Aachen will damit eine Vorreiterrolle in Deutschland einnehmen und Anschluss halten an technologische Entwicklungen, die auch in den USA oder in China vorangetrieben werden.

„Neue Mobilitätslösungen für den Stadtverkehr der Zukunft entwickeln sich in rasantem Tempo und Aachen gehört mit seinen Forschungs- und Entwicklungstreibern im Bereich autonomer E-Fahrzeuge bereits heute zu den Vorreitern“, heißt es in einer Beschlussvorlage, mit denen sich sowohl der Ausschuss für Arbeit, Wirtschaft und Wissenschaft, wie auch der Mobilitätsausschuss in dieser Woche beschäftigt haben.

Experten der Hochschule und Unternehmen wie e.GO Mobile, Streetscooter, Ford Forschungszentrum, FEV, Lumileds/Philips, Ericsson und PEM haben sich unter dem Label „Erlebniswelt Mobilität Aachen“ zusammengefunden, um zunächst mindestens einen Teil der Stadt in ein „Demonstrationslabor für autonomes Fahren“ zu verwandeln. Die Unterstützung der Verwaltung und der Beifall der Politik sind ihnen sicher, wie sich in den Ausschüssen zeigte.

Neben Lesestoff gab es dort einen eindrucksvollen Lagebericht von Isabelle Pitre (vom Fachbereich Wirtschaftsförderung) und Walter Pijls (im Innovationsmanagement bei Ford). Gemeinsam stellten sie erstmals das Projekt vor, mit dem autonomes Fahren ganz „praxisnah im öffentlichen Raum“ erprobt werden soll.

Impulsgeber für E-Mobilität

Die Ausweisung eines solchen Testgebiets geht zurück auf einen Wunsch des Aachener Professors Günther Schuh, der längst zu einem der wichtigsten Impulsgeber für die Elektromobilität in Aachen geworden ist und aktuell daran arbeitet, den Elektrokleinwagen e.GO Life auf die Straße zu bringen. Wie autonomes Fahren funktioniert und welche Auswirkungen es hat, soll zunächst auf Hochschulgebiet getestet werden und später möglicherweise auch auf ein Wohngebiet ausgeweitet werden. Der Campus Melaten sei dafür ideal, heißt es seitens der Stadt: es gibt Haupt- und Nebenstraßen, Kreisverkehre, wenig Fußgänger, einige Radfahrer und Busse. Alles also, was für den Test der Alltagstauglichkeit benötigt wird.

Um Ängste gar nicht erst aufkommen zu lassen, betont Pitre, dass Fahrten ohne Fahrer nicht vor 2030 zu erwarten seien. Und selbst dann werde man ihrer Meinung nach die Fahrzeuge nie völlig unbegleitet auf die Reise schicken. Sogenannte Lotsen werden wohl auch immer in den fahrerlosen Bussen an Bord sein, die man in Aachen ebenfalls auf die Reise schicken und testen will.

Noch sind die rechtlichen Voraussetzungen für das Testgebiet nicht geschaffen, doch am 14. Mai soll es mit der Unterzeichnung eines „Memorandum of Under­standing“ den offiziellen Startschuss für das Testlabor in der Stadt geben. Die Verkehrspolitiker äußerten sich einhellig begeistert. „Eine Supersache für Aachen“, schwärmte CDU-Fachpolitikerin Gaby Breuer. Der Trend sei nicht aufzuhalten, daher sei es gut, dass Aachen von Anfang an dabei ist. Sie hält es zugleich für „absolut wichtig, frühzeitig die Bürger einzubeziehen“.

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