Aachen: Terrasse am Forsthaus Weiden bleibt vorerst geschlossen

Aachen : Terrasse am Forsthaus Weiden bleibt vorerst geschlossen

Die Sonne lacht, die Vögel zwitschern, und auf der großen Terrasse des Forsthauses Weiden sind noch alle Plätze frei. Dennoch schickt Gastronom Markus Hirtz die Kundin wieder nach drinnen. Wegen behördlicher Auflagen könne sie ihren Kaffee leider nicht draußen genießen. „Schade“, sagt die Dame. Hirtz findet das auch.

Die 120 Plätze auf der Terrasse hinter dem beliebten Ausflugslokal bei Verlautenheide kann Hirtz schon seit Monaten nicht nutzen. „Wir haben schon zig Hochzeitsgesellschaften absagen müssen“, berichtet der Gastronom, der wirtschaftliche Schaden sei enorm. Doch die Stadt erlaubt den Außenausschank hinter dem Haus nicht, weil eine Genehmigung fehlt. Mindestens eine.

Durchkommen ist unmöglich: Auch für den befestigten Weg zur Rollstuhlrampe auf der Rückseite des Forsthauses Weiden fehlt der behördliche Segen. Foto: Heike Lachmann

„Da kommt einiges zusammen“, sagt Harald Beckers vom städtischen Presseamt. Gleich mehrere Abteilungen der Stadtverwaltung seien mit der Causa Forsthaus Weiden befasst. Das Ausflugslokal im Würselener Wald liege „im Außenbereich im Landschaftsschutzgebiet und im Wasserschutzgebiet“, sagt Beckers. Bei Kennern der Materie läuten dann schon die Glocken: In solchen Bereichen sind bauliche Veränderungen extrem kompliziert, der Paragraf 35 des Baugesetzbuches ist da pingelig.

Das war der Vater von Markus Hirtz wohl nicht. Die Immobilie habe der 2010 gekauft und erst einmal herrichten müssen, erzählt der Sohn. Um Hygieneauflagen zu erfüllen oder barrierefreie Zugänge zu schaffen, sei allerhand investiert worden. Im Außenbereich. „Mein Vater war sich wohl nicht darüber klar, was das bedeutet“, überlegt Markus Hirtz heute. Ihm fallen die baulichen Veränderungen des Seniors jetzt auf die Füße, nachdem er zu Jahresbeginn den Betrieb übernommen hat.

Für die neue Konzession wurde alles überprüft, und die ganzen baulichen Veränderungen der Vergangenheit kamen aufs Tapet. Der befestigte Weg ums Haus herum zum Beispiel. Der führt zu einer Rampe, über die auch Rollstuhlfahrer die hintere Terrasse erreichen können. „Aber die Barrierefreiheit gehört zu den Auflagen, die wir erfüllen müssen“, erklärt Markus Hirtz. Gefordert werden ebenso neue Kühlhäuser, für die ein Anbau errichtet wurde. Hinzugekommen sind außerdem noch ein Gartenhäuschen für Gerätschaften der Außengastronomie, ein stabiler Zaun, eine blickdichte Hecke... bei einem Ortstermin hatte ein Verwaltungsvertreter allerhand zu notieren.

Auf der Liste steht auch die große Terrasse, obwohl die inzwischen den behördlichen Segen hat. „Die ist aber erst nachträglich legalisiert worden“, erklärt Presseamtsvertreter Beckers. Keine Genehmigung gibt es bislang für die Zeltdachkonstruktion darüber, die wie bei einem Cabrio geöffnet werden kann. Aus Sicht der Stadt erweitert das Forsthaus damit seine bewirtschaftete Fläche auch außerhalb der warmen Jahreszeit. Und damit erhöht sich auch die Zahl der geforderten Parkplätze. 20 mehr müssten es laut Beckers sein, doch auch dafür fehlt noch die Genehmigung.

So hadert denn Betreiber Hirtz mit einem Gesetzgeber, der ihm einerseits Auflagen mache und ihm bei deren Erfüllung andererseits Steine in den Weg lege. Inzwischen hat der Gastronom nach eigenem Bekunden rund 3000 Unterschriften von Gästen oder auch vorbeikommenden Spaziergängern gesammelt, die ihm beim Ringen um seine Terrasse den Rücken stärken.

Doch die bleibt einstweilen weiter geschlossen. „Es gibt Spielregeln, an die sich jeder halten muss“, sagt Harald Beckers. Es hätte zu den heutigen Problemen vielleicht gar nicht kommen müssen, wenn in der Vergangenheit zuerst Genehmigungen beantragt worden wären, statt schon vorher Fakten zu schaffen. Jetzt aber ist das Kind in den Brunnen gefallen? Wohl nicht ganz: „Wir suchen nach Wegen“, sagt Harald Beckers.

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