Aachen: Templergraben: Es wird wieder aufgeforstet

Aachen: Templergraben: Es wird wieder aufgeforstet

Am helllichten Tag wurde am Dienstag aufgeforstet, was vor rund einem Jahr bei Nacht und Nebel abgeholzt wurde. Neun Dachplatanen ließ der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) am Templergraben einpflanzen. Das sind allerdings immer noch 23 weniger, als in einer Februarnacht des Jahres 2012 gefällt wurden.

Für sie soll es an anderen Stellen in der Stadt Ersatz geben, verspricht Baudezernentin Gisela Nacken. Immerhin neun Bäumchen der Sorte „Platanus acerifolia“ begrünen nun wieder jenes seinerzeit heiß umkämpfte Karree oberhalb des Kármán-Auditoriums. Ihre Vorgänger hatten damals der Umgestaltung des Platzes vor dem RWTH-Hauptgebäude weichen müssen. Das Vorhaben firmierte vor einiger Zeit noch als „Shared Space“, bis die Verwaltung den neudeutschen Begriff aus dem Vokabelheft strich.

Derart gemeinsam genutzte Räume sieht die deutsche Straßenverkehrsordnung nicht vor, aber die Planer hoffen, dass die bauliche Gestaltung dazu führt, Verkehrsteilnehmer aller Disziplinen zum vernünftigen Umgang miteinander anzuhalten. „Der Platz soll dazu beitragen, dass Autofahrer, Radler, Busse oder Fußgänger sich hier gleichberechtigt bewegen“, wünscht sich Ute Willems, die stellvertretende Leiterin der Aachener BLB-Niederlassung.

Das war nicht ganz der Plan der RWTH, die ursprünglich gerne den Templergraben zwischen ihrem Hauptgebäude und dem Kármán-Auditorium dichtgemacht hätte, um den Studentenwechsel von einer Straßenseite zur anderen sicherer zu machen. Weil die Stadt allerdings keinen Gefallen an der Vorstellung fand, sich einen Teil aus dem Grabenring herausschneiden zu lassen, traf man sich quasi auf halbem Weg: Der Templergraben bleibt Straße, soll aber nicht mehr direkt danach aussehen.

Mehr „Aufenthaltsqualität“

Und diesem Zweck dienen nun auch die neun neuen Platanen. Ute Willems traut den Bäumchen zu, „die Aufenthaltsqualität für die Studierenden zu erhöhen und eine Verbindung zwischen dem Hauptgebäude und der Stadt zu schaffen“. Die jungen Platanen sind drei Meter hoch und haben einen Stammumfang von 35 Zentimetern, besonders angetan sind die Planer von ihren Kronen. Mit dem richtigen Schnitt lassen die sich zu einer Art Dach umfrisieren.

Weil dieses „grüne Dach“ nicht allzu hoch angesetzt ist, bleibt der Blick vom Hauptgebäude hinüber zu Dom und Rathaus frei. Das sei bei den Vorgänger-Bäumen an dieser Stelle nicht mehr der Fall gewesen, erklärt Gisela Nacken. Die waren zu hoch gewachsen und störten die Sichtbeziehungen, vor allem aber mussten sie einer ebenen Wegeführung weichen. Ihre Nachfolger gelten als robust. „Das sind Stadtbäume, die vertragen Stress“, meint Beigeordnete Nacken. Immerhin prägen solche Platanen das Bild in vielen Städten des Südens, nun sollen sie auch in Aachen für mediterranes Flair sorgen.

Dennoch bleibt für Gabriele Golubowitsch ein Wermutstropfen. Die Baudezernentin der RWTH stört, „dass der Verkehr hier ungebremst durchfließen soll“. Denn auch nach dem Umbau gilt der Platz nicht offiziell als verkehrsberuhigter Bereich. Gegen die Ausweisung einer solchen Zone — landläufig auch als „Spielstraße“ bekannt — spricht nicht zuletzt das Verkehrsaufkommen auf diesem Teil des Grabenrings. Laut Straßenverkehrsordnung wäre hier Tempo 50 erlaubt. Die Planer setzen allerdings darauf, dass Autofahrer angesichts von Platzanlage, Fußgängerströmen, Aufenthaltsqualität, Flair usw. automatisch den Gasfuß lupfen.

Dennoch hat die Hochschule die Stadt gebeten, noch einmal über ein paar bremsende Eingriffe nachzudenken. Gisela Nacken schließt das nicht grundsätzlich aus. „Wir gucken uns erst einmal an, wie das ankommt.“ Sollten die Kraftfahrer auf diesem Streckenabschnitt trotz aller baulichen Veränderungen noch zu flott unterwegs sein, könne man sich dann immer noch „temporeduzierende Maßnahmen“ ausdenken. Möglich wäre zum Beispiel eine Beschränkung auf 30 Kilometer pro Stunde.

Man wird sehen — und hat dafür noch etwas Zeit. Gisela Nacken geht davon aus, dass der Platz pünktlich zum Studentenansturm im Herbst fertig wird.

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