Aachen: Technik, Kultur, Handwerk: Im Tuchwerk ist viel los

Aachen: Technik, Kultur, Handwerk: Im Tuchwerk ist viel los

Es tut sich was am Strüverweg. Vor gut einer Woche hat es dort an drei Abenden eine Rebellion gegeben. Und derzeit sind auf dem Gelände der Stockheider Mühle sogar Brandstifter am Werk. Doch weder Polizei noch Feuerwehr müssen anrücken. Denn bei der Rebellion und den Brandstiftern handelt es sich um die Stücke des Theaters K, das seit 2014 am Strüverweg 116 zumindest für die Sommermonate eine Spielstätte gefunden hat.

Doch das Theater K ist nur ein Baustein der ehemaligen Färberei und Tuchfabrik Rzehak (später Becker). Ein anderer ist der Verein Tuchwerk Aachen, der an dem Standort ein begehbares Ausstellungsdepot und ein Archiv zur Aachener Textilgeschichte betreibt. Mit Theater und Tuchwerkverein seien die Aktivitäten am Wildbach aber noch längst nicht erschöpft, betont Paul Bardenheuer.

Was sonst noch in der Soers geschieht, können interessierte Besucher unter anderem Tag des offenen Denkmals am kommenden Sonntag, 10. September, dort erleben. Und als Geschäftsführer der Tuchwerk Soers gGmbH kümmert sich Bardenheuer darum, dass sich am Ufer des Wildbachs schon bald noch mehr tut.

Industriebrache entwickeln

„Wir betreiben dieses Gelände seit 2012 mit dem Ziel, die denkmalgeschützte Industriebrache zu einem Denkmal der Aachener Textilindustrie zu entwickeln und darin eine kulturelle Nutzung zu ermöglichen“, sagt der 35-Jährige. Der gebürtige Aachener ist darin so etwas wie ein Experte. Denn sein Geographie-Studium in Köln schloss er mit einer Arbeit über die kulturelle Nutzung einer alten Gummifabrik ab. Den Weg zur Stockheider Mühle in der Soers fand er schließlich über einen persönlichen Kontakt zu Andreas Lorenz.

„Andreas Lorenz ist der Sohn einer Aachener Textilunternehmerfamilie“, erzählt Paul Bardenheuer. Aus dieser sei einst die gemeinnützige Margarete-Lorenz-Stiftung — benannt nach Andreas Lorenz’ Mutter — entstanden. Und die habe 2012 den gesamten ehemaligen Textilstandort Stockheider Mühle gekauft, erzählt Paul Bardenheuer. Um die rund 4500 Quadratmeter Nutzfläche zu betreiben, sei 2016 schließlich die Tuchwerk Soers gGmbH gegründet worden. Neben einem Hausmeister ist Paul Bardenheuer der einzige hauptamtlich Angestellte der ebenso wie die Stiftung gemeinnützigen Gesellschaft.

Es ist wieder Leben eingekehrt

Und die hat schon einiges bewegt in der Soers. „Als wir 2012 hier anfingen, herrschte hier das totale Chaos. Viele Gebäude waren baufällig bis sanierungsbedürftig“, erzählt Bardenheuer. Das habe sich zum Teil schon geändert. Und Leben sei auch wieder eingezogen in die ehemalige Fabrik. „Neben Theater und Verein haben sich hier bereits einige Künstler und Handwerker eingemietet, ebenso ein Galerist“, zählt Bardenheuer auf.

„Das Sozialwerk Aachener Christen betreibt hier gemeinsam dem Kolping-Werk und Picco Bella eine Produktionsschule für Jugendliche.“ Hinzu komme ein Flüchtlingsprojekt, für das das Sozialwerk alleine verantwortlich zeichnet. Außerdem sei das ehemalige Betreiber- und Hausmeisterwohnhaus kernsaniert worden. „Dort gibt es jetzt fünf Wohneinheiten. Vier Einzelapartements sind bereits an jugendliche Flüchtlinge vermietet“, so Bardenheuer. Inzwischen seien alle nutzbaren Flächen vermietet, und sei es nur als Lagerraum oder Abstellhalle für Fahrzeuge.

Doch mit dem Status quo alleine lasse sich das Gelände nicht betreiben, blickt der Geschäftsführer in die Zukunft. Eine Steigerung der Quantität und Qualität der Nutzungen werde angestrebt, um mit den steigenden Pachterlösen und Mieteinnahmen das Tuchwerk als öffentlichen Begegnungsort zu etablieren. „Deshalb möchten wir die sogenannte Bachhalle sanieren. Der Bauantrag ist bereits gestellt.“ Im Erdgeschoss sollen acht bis neun Ateliers für Künstler oder Handwerker entstehen, zum Teil gibt es schon Interessenten. Im Obergeschoss ist bereits das Theater K untergebracht. „Aber auch das wollen wir renovieren und unter anderem mit einer Heizung ausstatten“, sagt Paul Bardenheuer, „dann könnte das Theater die Spielstätte auch ganzjährig nutzen.“

Die Vision ist ein Museum

Finanziert werde das Vorhaben durch die bereits vorhandenen Mieteinnahmen, private Spenden und Kredite. „Und für einzelne Projekte gibt es auch Fördergelder.“ Daneben ist das Projekt auf viele ehrenamtliche Helfer angewiesen, auch die Teilnehmer der Sozialprojekte würden tatkräftig helfen, sagt Bardenheuer, dessen Vision es ist, in der Soers weitere Nutzungen zu etablieren, um schließlich im ältesten Teil des Gebäudeensembles, das parallel zum Strüverweg liegt, ein Textilmuseum mit wechselnden Ausstellungen einzurichten — komplett mit Gastronomie, Archiv und Lesesaal.

Bis dahin ist es sicher noch ein weiter Weg, aber es tut sich ja schon was am Strüverweg.

Mehr von Aachener Nachrichten