Aachen: Taschendiebe in der City auf dem Vormarsch

Aachen : Taschendiebe in der City auf dem Vormarsch

Oft ist es eine Frage von Sekunden: Beim Einsteigen in den Bus achtet man mehr darauf, wo man hintritt, nicht auf die Handtasche. Man wird angerempelt - und stellt erst Minuten später fest, dass das Portemonnaie gestohlen worden ist. Immer mehr Menschen werden in Aachen Opfer von Taschendiebstählen.

Alleine in diesem Jahr sind in der Stadt und der Städteregion 1000 Fälle zur Anzeige gebracht worden. Das sind zehn Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Hingegen ist die ohnehin schon sehr geringe Aufklärungsquote sogar rückläufig: sie liegt für dieses Jahr noch unter fünf Prozent. Darum hat die Polizei nun eine Kampagne gestartet, um die Bevölkerung auf das Thema aufmerksam zu machen.

Kriminalkommissarin Nicole Lennartz (rechts) informiert in der City darüber, wie man sich am besten vor Diebstählen schützt.

„Das Thema beschäftigt uns heute deutlich stärker als früher“, sagt Stephan Wey, Direktionsleiter Kriminalität, bei einer am Dienstag einberufenen Pressekonferenz. Die Diebstähle hätten landesweit, nicht nur in Aachen, mittlerweile eine Größenordnung angenommen, die bedrohlich sei. Auch wenn nur wenige Fälle aufgeklärt würden, ließen sich doch einige Muster erkennen: „Bei den Tätern handelt es sich in den allermeisten Fällen um Profis, und nicht etwa um Gelegenheitsdiebe.“

Und noch eine Aussage macht die Polizei über die Taschendiebe: 80 Prozent der wenigen Verdächtigen, die die Beamten aufgreifen, seien keine Deutschen. Wey: „Es handelt sich auf der einen Seite oft um junge nordafrikanische Männer im Alter von 15 bis 30 Jahren.“ Doch auch junge Osteuropäerinnen seien häufig unter den Tatverdächtigen. „Während es die Männer oft auf Handys oder Bargeld absehen, interessieren sich die Diebinnen neben dem Bargeld vor allem für Checkkarten“, sagt Wey.

Langfinger haben leichtes Spiel

Und hier hätten die Langfinger häufig zu leichtes Spiel: „Es gibt immer noch sehr viele Bürger, die die Pincodes für ihre Karten auf einem Zettel stehen haben, der im Portemonnaie steckt.“ Innerhalb von wenigen Minuten, oft sogar bevor der Diebstahl bemerkt würde, können die Diebe dann schon die erste Abhebung tätigen.

Dass alles so schnell geht bei einem Diebstahl ist nach Ausführungen von Wey auch ein wesentlicher Grund dafür, warum die Aufklärungsquote so gering ist: „Zum einen wissen die Geschädigten oft nicht ganz genau, wo sie bestohlen worden sind: im Bus etwa, oder an der Bushaltestelle? Vielleicht in einem Laden, oder auf der Straße?“ Hotspots für Taschendiebstahl in Aachen seien der Bushof und das Areal vor dem Elisenbrunnen. Generell sei die Innenstadt beliebtes Jagdrevier für die Kriminellen.

Kriminalhauptkommissarin Nicole Lennartz und Polizeihauptkommissar Franz-Josef Fuchs stehen am Dienstagvormittag an einem Infostand am Holzgraben. Das, was die Kollegen im Kommissariat der Presse erzählen, versuchen sie, Passanten zu vermitteln — vor allem denjenigen, die zum Einkaufen nach Aachen kommen. Einer Familie aus Belgien geben Sie als kleine Erinnerungshilfe ein Brillenputztuch mit der Nummer des Polizeinotrufs mit. „In einem Fall ist eine Bürgerin beim Schuhe kaufen im Laden selbst bestohlen worden“, berichtet Lennartz. Die Diebin sei mit Hilfe einer Überwachungskamera erkannt worden.

Generell hätten Überwachungskameras auf Taschendiebe nur geringe Auswirkung, sagt hingegen Stephan Wey. „Die Kameras am Bushof zum Beispiel helfen uns nicht gegen Taschendiebstahl“, erklärt er. Die Profis wüssten, wie sie sie sich dem Blick der Kameras entziehen müssen, um unbeobachtet zuschlagen zu können. Darum wolle man nun verstärkt mit „repressiven Maßnahmen“ gegen die Täter vorgehen, sagt Wey. Das heißt konkret, dass neben den Streifenpolizisten verstärkt Kollegen in Zivil zum Einsatz kommen sollen. Mehr will Wey aus taktischen Gründen nicht verraten.

Damit die Polizei aber erst gar nicht die mühsame Suche nach Tätern aufnehmen muss, bittet sie die Bürger um erhöhte Vorsicht. „Lassen Sie Ihre Tasche nicht aus den Augen“, rät Nicole Lennartz, „auch nicht für wenige Sekunden, während Sie Schuhe anprobieren.“ Es sei ratsam, Handys und Geldbörsen nah am Körper zu tragen, nicht aber in der Gesäßtasche. Gerade Frauen — die werden am häufigsten Opfer von Diebstählen — sollten auf ihre Handtaschen achten: Diese sollte man unter keinen Umständen irgendwo liegen lassen, auch am besten in Cafés nicht aus den Augen lassen. „Alles gut verschließen und die Tasche so tragen, dass der Verschluss zum eigenen Körper zeigt“, sagt Lennartz.

„Darüber hinaus ist es wichtig, dass wir Hinweise bekommen, wenn jemandem etwas Verdächtiges auffällt“, betont Stephan Wey. Innerhalb von wenigen Minuten könnten Einsatzwagen in der Innenstadt vorfahren, um diesen Hinweisen nachzugehen. „Man darf keine Scheu haben, die 110 zu wählen“, erklärt Wey.

Wer sich darüber hinaus bei der Polizei noch zum Thema Schutz vor Diebstahl beraten lassen möchte, kann morgen, Donnerstag, zum Informationsstand auf dem Münsterplatz kommen. „Ansonsten sind wir jederzeit auch im Kommissariat in der Jesuitenstraße ansprechbar“, sagt Nicole Lennartz.

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