Aachen: Tariferhöhung bringt das Theater in Nöte

Aachen: Tariferhöhung bringt das Theater in Nöte

Das Feuer bei Alemannia ist noch nicht gelöscht, da lodert das nächste bereits im Aachener Stadttheater auf. Völlig ungeklärt ist derzeit, wer die jüngsten Tariferhöhungen für die Orchestermusiker bezahlt, die mit knapp einer halben Million Euro zu Buche schlagen.

Die Kämmerin der Stadt Aachen erwartet Einsparungen vom Theater, doch dessen Verantwortliche sehen dafür keinen Spielraum mehr. Am kommenden Montag wollen Politik, Verwaltung und Theaterleitung nach einem Ausweg suchen.

Verfahrene Lage

Die Zeit drängt, und die Lage ist ziemlich verfahren. In der Vergangenheit herrschte zwischen Stadtverwaltung und Theater Einigkeit darüber, dass Tarifsteigerungen durch den städtischen Haushalt gedeckt werden. Darauf hat sich auch Udo Rüber, Verwaltungschef am Theater, verlassen, der unmittelbar nach der Tarifeinigung im Dezember erklärt hatte, keine neuen Belastungen für sein Haus zu sehen.

Inzwischen aber hat die Kämmerin Annekathrin Grehling offenbar andere Signale ausgesandt. Angesichts der prekären Haushaltslage sollen dem Theater keine weiteren Zuschüsse gewährt werden. Weder Rüber noch Grehling waren am Freitag für eine Stellungnahme zu erreichen. „Es gibt einen Dissens zwischen dem Theater und der Kämmerin”, erklärte Hubert Bruynswyck (CDU), Vorsitzender des Theater-Betriebsausschusses, auf Anfrage. „Wie wir ihn aufklären, ist völlig offen.”

Das Problem: Die Stadt hat am vergangenen Mittwoch ihren Haushalt für 2010 bereits verabschiedet. Sie kann nun nicht nachträglich eine halbe Million Euro draufsatteln, ohne Ärger mit der Bezirksregierung als Aufsichtsbehörde zu riskieren.

Die Bereitschaft, den städtischen Theateretat aufzustocken, ist in Reihen der schwarz-grünen Ratsmehrheit allem Anschein nach ohnehin nicht sonderlich ausgeprägt. Dezidiert sprachen dies zuletzt die Grünen an. In seiner Haushaltsrede sagte Fraktionssprecher Michael Rau, dass man vom Theater gar einen Abbau von Defiziten erwartet: „Weitere Zuschusserhöhungen sind nicht möglich.”

Bereits im vergangenen Jahr sind dem mit jährlich rund 15 Millionen Euro subventionierten Haus die Kosten weggelaufen. Schon damals war den Politikern klar, dass ihnen eine Debatte darüber bevorsteht, wieviel sie sich ihr Theater künftig noch kosten lassen wollen. „Kürzungen werden Auswirkungen auf den Spielbetrieb haben”, ist Hermann Josef Pilgram überzeugt, der bei den Grünen für die Kultur und die Finanzen zuständig ist. Einsparungen sind ohne Personalabbau kaum denkbar.

Eigentlich sollen am nächsten Donnerstag im Betriebsausschuss für das Theater sowohl der Wirtschaftsplan als auch der Spielplan für die nächste Spielzeit verabschiedet werden. An beidem wird derzeit noch gearbeitet. Wenn am Montag keine Lösung gefunden wird, kann es nur eine Bekanntgabe unter Vorbehalt geben.

Schon jetzt gehen die Politiker davon aus, dass das Theater in der nächsten Spielzeit mindestens auf eine große Opernproduktion verzichten muss. Die Debatte über die Zukunft des Theaters Aachen hat damit jedoch erst begonnen.