Aachen: Tanzen gegen die Unterdrückung und Gewalt gegen Frauen

Aachen: Tanzen gegen die Unterdrückung und Gewalt gegen Frauen

„Für viele Frauen ist der gefährlichste Ort noch immer das eigene Zuhause“, sagt Angelika Gey. Sie ist Beraterin bei der Interventionsstelle für häusliche Gewalt beim Verein „Frauen helfen Frauen“ und durchkreuzt mit diesem Befund die gängige Vorstellung, Gewalt gegen Frauen sei ein längst bewältigtes Problem.

Tatsächlich aber sei die Zahl der Übergriffe in den eigenen vier Wänden konstant hoch geblieben. Das merkt man auch dort, wo Frauen in Notsituationen oft Schutz suchen: in den Frauenhäusern. Diese seien fast durchgehend zu 90 Prozent belegt, und man gelange regelmäßig an die Belastungsgrenzen, wie Renate Wallraff sagt, die stellvertretende Vorsitzende des Frauennetzwerks der Städteregion Aachen. Weltweit, rechnet sie vor, erfahre etwa jede dritte Frau in ihrem Leben Schläge, sexualisierte Gewalt, Zwangsheirat oder Ausbeutung.

Kampagne gegen Gewalt

Gegen Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen hat sich 2012 die Kampagne „One Billion Rising“ („Eine Milliarde steht auf“) gegründet, an der sich auch das Frauennetzwerk und eine Reihe von Unterstützern beteiligt. Um auf die noch immer vorhandenen Missstände aufmerksam zu machen, werden sie am 14. Februar um 17 Uhr in Aachen am Elisenbrunnen und auf der ganzen Welt gleichzeitig gemeinsam tanzen.

Schon im vergangenen Jahr hatte die Aktion mit vielen Beteiligten für Aufsehen gesorgt — und diesmal sollen es noch mehr werden, wie Christian Walter von der Linksjugend sagt. „Man muss das als Teil einer internationalen Bewegung verstehen, die durchaus schon etwas bewirkt hat. Etwa als in Polen das Gesetz zum Verbot von Abtreibungen durch Massenproteste verhindert wurde.“

Gleichzeitig sei aber zu beobachten, dass gerade rechte Parteien in Deutschland versuchten, sexualisierte Gewalt insbesondere als Problem von Migranten politisch zu instrumentalisieren. „Das ist falsch. Gewalt gegen Frauen gibt es erwiesenermaßen in allen Schichten der Gesellschaft — egal welcher Herkunft“, betont Walter.

Auf ein weiteres Problem macht der 18. März aufmerksam. Dann ist in diesem Jahr „Equal Pay Day“, also jener Tag, bis zu dem Frauen theoretisch hätten weiterarbeiten müssen, um auf dasselbe Vorjahresgehalt wie ihre männlichen Kollegen zu kommen. „Man sollte sich dabei nicht nur auf Lohntransparenz konzentrieren, sondern auch überlegen, welche Strukturen dazu führen, dass Frauen so oft in prekären Arbeitsverhältnissen landen und schlechter bezahlt werden“, fordert Ann-Katrin Seibert vom Deutschen Gewerkschaftsbund.

Immerhin rechtlich habe sich die Situation mit der Reform des Sexualstrafrechts verbessert, wie Agnes Zilligen vom Frauennotruf konstatiert. „Vor Gericht haben wir damit noch kaum Erfahrungen machen können, aber die Zahl der Anklagen ist gestiegen, weil sich die Frauen jetzt nicht mehr mit Gewalt wehren müssen, um ungewollte sexuelle Handlungen zur Anzeige zu bringen.“ In diesem Licht sei auch die aktuelle öffentliche Debatte über sexualisierte Gewalt zu begrüßen und auch, dass sie sich erfreulicherweise weiterentwickle.

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