Aachen: Tanzbewegungen zwischen Ballett und alten Ritualen in der Artco Galerie

Aachen : Tanzbewegungen zwischen Ballett und alten Ritualen in der Artco Galerie

Immer wieder neu und aufregend anders interpretieren die in Europa lebenden, aus Afrika stammenden Künstler ihre Herkunftskulturen, um sie in neue Kontexte zu bringen und weitreichend zu kommunizieren.

Mittendrin in diesen höchst kreativen Entwicklungen und von Sammlern begehrten Ergebnissen stehen die Aachener Galeristen Jutta und Joachim Melchers, die in Südafrika, London und Paris auf großen Kunstmessen vertreten sind und nun in Aachen einige ihrer bereits renommierten wie aufkommenden Stars der afrikanischen Kunstszene in der Ausstellung „Bewegungen“ zeigen.

Bereits durch das Schaufenster kann man großformatige Arbeiten von Evans Mbungu sehen, der von Kenia nach Paris kam, um hier topaktuelle afrikanische Kunst zu machen. Er druckt Muster mit afrikanischem Flair vollflächig auf große Plexiglasplatten und bemalt die freie Seite mit jeweils einem Tänzer in Bewegung.

Die Figur besteht aus Rasterpunkten und punktet im wahrsten Sinne des Wortes mit Lifestyle-Accessoires wie auffälligen Sonnenbrillen, angesagter Kleidung und Schuhen. Afrikanische Kunst und modernes Design kommen hier einzigartig zusammen, zumal es jedes Motiv nur ein einziges Mal gibt.

Schlafende Menschlichkeit

Wie sehr afrikanische Kunst und europäische Kunstgeschichte aufeinander eingehen können, zeigen die Portraits von Ransome Stanley. Er setzt kleine kreisende Figuren in Beziehung zu afrikanischen Gesichtern — Oskar Schlemmer und die strengen Linien des Bauhaus lassen grüßen.

„Napping Humanity“ — schlafende Menschlichkeit — mahnt der in Paris lebende Maler Bruce Clarke an, der mit seinen Bildern „Phantomes de la Mer“ der toten Flüchtlinge im Mittelmeer gedachte. Auch Justin Dingwall feierte bereits Furore mit betörend schönen Fotoinszenierungen von Albino-Afrikanern und zeigt nun schwarzes Ballett in weißem Tüll.

Ein Newcomer ist der erst zwanzigjährige Fotograf Adeolu Osibodu. Er fotografierte sich in verschiedenen rituellen Gewändern bei Tanzszenen zum Tode seines Großvaters. „Losing Amos“ nennt sich die mehrteilige Serie, die Stationen des Lebens seines Großvaters aufgreift, Trost spenden soll und mit einem bedeutenden Preis ausgezeichnet wurde.

Weiterhin gibt es Arbeiten der deutschen Künstlerin Marion Böhm, die in Frankfurt und Johannesburg lebt. Sie schuf unter dem Titel „Black Paris“ eine Serie von Portraits lebender und verstorbener afrikanischer Künstler in Paris, unter anderem Josefine Baker, in traditionellen wie europäischen Roben, setzte ich aber auch mit Darstellungen afrikanischer Kindermädchen, Missionarinnen und „Hairitage“ auseinander.

Vor allem Lebensfreude, Authentizität und Sinnlichkeit kennzeichnen die afrikanischen Arbeiten rund um das Thema Tanz, die hierzulande ihresgleichen nicht finden.

Zu sehen ist die Ausstellung „Bewegungen“ in der Artco Galerie, Seilgraben 30, noch bis zum 19. Mai. Dienstags bis freitags ist die Galerie von 10 bis 12 Uhr und 15 bis 18 Uhr geöffnet, weiterhin nach Absprache unter Telefon 0241/ 40126750.

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