"Tant Hazzor" bekommt den Aachener Thouet-Mundartpreis

Aachener Thouet-Mundartpreis für Elfriede Schultz : Ein Abend voller Hazz(or) för Oche

Humor, Herz und Heimatliebe: Seit Sonntagabend ist die Künstlerin Elfriede Schultz, Alter Ego von „Tant Hazzor“, amtierende Trägerin des Thouet-Mundartpreises 2019 der Stadt Aachen.

„Freude, Dankbarkeit, Glück, Stolz: Meine Gefühle tanzen Samba. Vöölmoels Merssi!“, sagte eine sichtlich bewegte frisch gekürte Thouet-Preisträgerin Elfriede Schultz vor dem versammelten Publikum im Krönungssaal des Rathauses, kurz bevor sie sich hinter den Vorhang begab, um von dort aus mit ihrer Stabpuppe Tant Hazzor den Krippekratz ordentlich zu verdreschen. Es war ein Moment, der dem Laudator Karl Allgaier nur allzu recht gab: Bei Tant Hazzor findet man alles von geballter Grobheit eines Öcher Marktweibs bis zur Herzensgüte – die sie mit ihrem Alter Ego Elfriede Schultz teilt. Ein Moment, der den krönenden Abschluss eines humorvollen, sentimentalen Abends voller Musik bildete, eines Abends für Lokalpatrioten.

Elfriede Schultz und Tant Hazzor seien untrennbar miteinander verbunden wie Sean Connery und James Bond, befand Allgaier. Beide seien Öcherinnen durch und durch. Schultz habe es geschafft, der manchmal so hart daherkommenden Mundart Anmut, Kraft und Würde zu verleihen.

Da wäre die sensationelle Öcher Variante des Silvester-Klassikers „Dinner for One“, im Original von und mit Freddie Frinton, bei der Ina Gröbner als „Frollein Söff“, Markus Krings als trinkfester Diener Schang und Guido Kempen als auf dem Boden liegendes Bahkauv brillierten. „Derselve Hantier wie im letzte Johr, Frollein Söff?“ „Derselve Hantier wie jeddes Johr, Schang!“

Hart und herzlich: Resi Schumacher und Albert Henrotte zeigen einen Streit an den Weihnachtstagen. Foto: Andreas Herrmann

Da wäre der sympathische Auftritt des amtierenden Oberbürgermeisters Marcel Philipp und seines Vorgängers im Amt, Jürgen Linden, die sich selbst und gegenseitig aufs Korn nahmen: „Was hast du jemals für die Stadt getan?“, fragt Linden. „Ganz einfach: dich abgelöst“, kontert Philipp.

Eine kleine Zeitreise zurück in die Weihnachtstage des vergangenen Jahres erlaubt man gerne, wenn sich zwei so liebevoll um Lichterketten und Perlenketten und Schwiegermütter zoffen wie Resi Schumacher und Albert Henrotte.

Nehmen sich selbst und sich gegenseitig aufs Korn: Oberbürgermeister Marcel Philipp und sein Vorgänger Jürgen Linden. Foto: Andreas Herrmann

Sehr emotional dann die Verneigung vor Manfred Birmans, der im Oktober des vergangenen Jahres so plötzlich und völlig unerwartet gestorben war. Statt des eigentlich für den Abend geplanten „De Keäz“-Sketches zündeten die „Jonge va der Vörstand“ um Ägid Lennartz eine Keäz für uns Manni an und sagten gemeinsam mit dem Publikum „Adieda, leijve Frönd“. Tränen und Standing Ovations folgten.

Für den „richtig schönen Abend“, wie Preisträgerin Elfriede Schultz sagte, durfte natürlich viel Öcher Musik nicht fehlen. Ob die Kombo „Bloes mich jät“ des Karnevalsvereins Pöllebetzjere, die Kinder der Domsingschule mit dem Öcher Rap aus dem Musical „Claras Traum“ oder Vorjahrespreisträger Dieter Böse & Frönde mit ihrem schmissigen „D’r Könnek vajjen Promenad“ oder Dirk von Pezold, der mit Capella a Capella den Lennet Kann aufleben ließ: Dem Publikum gefiel’s.

Wer feststellen wollte, dass in Sachen Platt noch Luft nach oben ist, musste sich nur den Vortrag „Et Examen“ von Leo Bardenheuer anhören. „Da waren einige Wörter dabei, die hab’ ich noch nie gehört“, gestand Moderator Thomas Muckel. Er wird nicht der Einzige gewesen sein. Bis zur nächsten Thouet-Preisverleihung kann man ja noch üben.

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