Aachen: Tagespflege geht in die Betriebe

Aachen: Tagespflege geht in die Betriebe

In Aachen sind künftig auch „betriebliche Großtagespflegestellen“ möglich. Mit einem einstimmigen Beschluss hat der Kinder- und Jugendausschuss den Weg dafür freigemacht. Im Kita-Jahr 2013/14 können zunächst bis zu drei solcher „Großtagespflegestellen für betriebliche Kinderbetreuung“ eingerichtet werden.

Hinter dem Wortungetüm verbirgt sich eine Form der Kinderbetreuung, bei der mindestens zwei qualifizierte Tagesmütter oder —väter bis zu neun Kinder im Alter unter drei Jahren betreuen, in enger Anbindung an ein Unternehmen.

Die Firmen stellen für die Betreuung unter anderem die Räume zur Verfügung. Mit dem Beschluss sind nun offiziell die Weichen gestellt, dass in diesen Großtagespflegestellen auch Kinder betreut werden können, die nicht in Aachen leben, deren Eltern aber bei einer Aachener Firma arbeiten. Bisher darf der Verein Familiäre Tagesbetreuung, der Tagesmütter qualifiziert und vermittelt, nur Betreuungsplätze für Kinder vermitteln, die in Aachen wohnen.

Aachener Sonderweg

Mit dem Beschluss der Jugendpolitiker wird die Tagespflege auch im Bereich betriebliche Kinderbetreuung an die Kita-Betreuung angeglichen. Auch für die Betriebskitas musste die Politik bereits einen Sonderweg finden, damit auch „Einpendlerkinder“ aufgenommen werden können. In der Betriebskita im Gewerbegebiet Eilendorf-Süd etwa werden sich die beteiligten Unternehmen zu 50 Prozent an den entstehenden Nettokosten beteiligen.

„Die Nachfrage nach betrieblicher Kinderbetreuung steigt weiter an“, stellte Jugendamtschefin Elke Münich im Ausschuss fest. „Es gibt keinen Betriebsbesuch des Oberbürgermeisters, bei dem das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht thematisiert wird.“ Viele Betriebe wollen nicht gleich eine Kindertagesstätte bauen, weiß Münich. „Aber eine Großtagespflegestelle könnte gut helfen.“

„Die Unternehmen bemühen sich mittlerweile aktiv darum, dass Familien eine Kinderbetreuung bekommen“, freute sich Hilde Scheidt (Grüne). Und Martin Künzer (SPD) hofft, dass die nächste Revision des Kinderbildungsgesetzes (Kibiz) auch ein Modell für die betriebliche Kinderbetreuung enthalten wird. Dann seien die Aachener Sonderregelungen nicht mehr nötig.

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