Aachen: Tagesmütter: Ausfallzeiten als Zankapfel

Aachen : Tagesmütter: Ausfallzeiten als Zankapfel

Am 1. August soll die überarbeitete Förderrichtlinie zur Entlohnung der Kindertagespflege in Kraft treten. Der Kinder- und Jugendausschuss hat jetzt einstimmig die Weichen gestellt. Den Beschluss fasst nächste Woche der Stadtrat.

Im Grundsatz wird die bestehende Richtlinie um weitere Förderaspekte ergänzt. Eine zentrale Forderung von Tagesmüttern und -vätern wird allerdings auch durch die neue Richtlinie nicht erfüllt: die Weiterbezahlung von Ausfallzeiten, etwa, wenn die Tagesmutter selbst Urlaub macht oder krank ist.

Die Neuerungen: Tagesmütter und -väter, die vor ihrem Einsatz eine 300-stündige Qualifizierung absolviert haben, erhalten künftig 50 Cent mehr pro Kind und Stunde. Damit steigt der Anerkennungsbetrag auf 3,50 Euro und der gezahlte Stundensatz auf 5,62 Euro.

Neu ist auch eine Eingewöhnungspauschale von 300 Euro. Gezahlt werden soll sie unabhängig davon, wie lange ein Kind braucht, um sich an die neue Tagesmutter zu gewöhnen. Als Mindeststandard für die Eingewöhnung sollen weiterhin fünf Tage zugrundegelegt werden.

Mietzuschuss

Der Aufbau weiterer Großtagespflegestellen soll stärker gefördert werden. In diesem Modell betreuen mindestens zwei Tagesmütter oder-väter gemeinsam mehrere Kinder in angemieteten Räumen. Hier können Tagesmütter künftig einen pauschalen Mietzuschuss erhalten. Bisher wird dieser Zuschuss nur gezahlt, wenn mit einer Großtagespflegestelle auch neue Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren geschaffen werden. Die Nachfrage war entsprechend gering. Zwei Großtagespflegestellen in der Annastraße und der Stromgasse, die tatsächlich neue U3-Plätze geschaffen haben, bekommen nach den alten Vorgaben bereits einen Zuschuss und sollen das Geld nach dem Vorschlag des Ausschusses auch bis Sommer 2021 erhalten.

Nach der alten Richtlinie werden Tagesmütter insgesamt vier Wochen im Jahr auch bezahlt, wenn das Pflegekind nicht in die Betreuung kommt. Künftig sollen fünf Wochen weitergezahlt werden. Denn die Erfahrung zeige, dass Familien außerhalb des „normalen“ Urlaubs gerne auch Brückentage für ein verlängertes Wochenende nutzen, hatte auch die Verwaltung argumentiert. Tagesmütter könnten dadurch im Einzelfall doch erheblich draufzahlen.

IG schreibt an die Fraktionen

Manchen Tagesmüttern und -vätern dürften diese Verbesserungen nicht weit genug gehen. Die Interessengemeinschaft Kindertagespflege hatte sich vor der Sitzung noch einmal in einem Brief an die Fraktionen gewandt. Darin fordern die Tagesmütter einen höheren Anerkennungsbetrag für alle Tagespflegepersonen und nicht nur für diejenigen mit einer 300-Stunden-Qualifikation. Die IG Tagesmütter fordert ferner, alle Ausfallzeiten der Kinder weiterzuzahlen. Schließlich könne ein Betreuungsplatz an den Fehltagen nicht anderweitig vergeben werden.

Und keinerlei Annäherung gibt es beim Thema Fehlzeiten der Tagesmütter. Denn für jeden Tag, den sie nicht arbeitet, muss die Tagesmutter das von der Stadt erhaltene Geld zurückzahlen. Nach der Evaluation der Stadt hat das dazu geführt, dass an die 40 Tagespflegepersonen ein Jahr lang keinen Tag frei gemacht haben. Die Stadt argumentiert, dass in dem Betrag, den sie den Tagesmüttern und -vätern zahlt, Ausfalltage — 30 Arbeitstage oder 53 Kalendertage — bereits einkalkuliert sind. Die IG hatte in ihrem Schreiben appelliert, den Tagesmüttern die durchschnittlichen Urlaubs- bzw. Krankheitstage weiter zu bezahlen.

Aktuell sind rund 30 Klagen von Tagespflegepersonen gegen die Förderrichtlinie Stadt Aachen vor dem Verwaltungsgericht anhängig. Mit einer Verhandlung ist frühestens in der zweiten Jahreshälfte zu rechnen.

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