Aachen: Tag der offenen Moschee: Muslimische Gotteshäuser öffnen ihre Pforten

Aachen : Tag der offenen Moschee: Muslimische Gotteshäuser öffnen ihre Pforten

Gleich nach der Familie ist die Nachbarschaft eine der wichtigsten Einheiten des Zusammenlebens. Dazu gehören freundliche Einladungen, gegenseitige Hilfsbereitschaft — und manchmal gibt es vielleicht auch Streit. Das ist im Islam nicht anders als im Christentum, in dessen Traditionen die Nachbarschaft einen besonders herausragenden Stellenwert besitzt.

Am Mittwoch öffneten darum die Aachener Moscheen ihrerseits die Türen und stellten sich bei Führungen und Gesprächsrunden den Fragen der Besucher. „Gute Nachbarschaft — bessere Gesellschaft“ war denn auch das passende Thema des Tags der offenen Moschee, an dem sich deutschlandweit etwa 1000 islamische Gebetshäuser beteiligten.

Noch ist die Yunus-Emre-Moschee an der Stolberger Straße eine Baustelle. Gucken durfte man am Dienstag aber trotzdem schon einmal. Foto: Ralf Roeger

Nachbarn helfen sich gegenseitig

„In der heutigen, globalisierten Welt muss man den Begriff der Nachbarschaft viel weiter fassen. Wenn alle ihre Nachbarn gut behandeln würden, gäbe es schließlich auch keine Kriege mehr“, erklärt Sara Mousa, ehrenamtliche Helferin in der Aachener Bilal-Moschee, im Gespräch mit den „Nachrichten“. So sagen die Überlieferungen etwa, dass man seine Nachbarn besuchen sollte, wenn sie krank seien, oder ihnen Geld leihen sollte, wenn sie in Not seien.

Oder auch — ganz praktisch — dass man sein Haus nicht höher bauen solle als jenes des Nachbarn, um dessen Sicht nicht zu versperren. In familiärer Atmosphäre erläuterten die Gläubigen in den Moscheen auch die Gebetsriten und das Leben der Muslime im Alltag, der teilweise stark von der Religion geprägt ist.

Weil aber die wenigsten Besucher die Gebetshäuser schon einmal von innen gesehen haben, ging es auch um die Predigten und deren Inhalte, die dort stattfinden.

„Bei teilweise mehr als 30 Nationalitäten, die hier beispielsweise beim Freitagsgebet versammelt sind, ist Deutsch natürlich die verbindende Sprache. Die Gebete selbst sind jedoch meist auf Arabisch, dann aber mit deutscher Übersetzung“, erklärte der ehrenamtliche Helfer Ibrahim El-Khawankey. Ebenso gebe es in den Moscheen Islamunterricht, wo bereits Kinder die Gebets-Suren lernen und auch in Ethik und Arabisch unterrichtet werden, um die Suren auch zu verstehen.

Wachsen als Teil der Gesellschaft

Wie bei anderen Religionsgemeinschaften lebten aber auch die Muslime ihren Glauben unterschiedlich streng aus und passten sich ihrem Umfeld an, betonte El-Khawankey. „Wir sind jetzt schon die zweite oder dritte Generation von Muslimen und haben deutsche Kindergärten und Grundschulen besucht — wir wollen schließlich nicht als Aliens aufwachsen, sondern als Teil der Gesellschaft.“

Dazu hat dieser Tag sicherlich einen Teil beigetragen, an dem nicht nur die Moscheen die Türen, sondern auch die Aachener Besucher ihren Geist geöffnet haben. Die gut besuchten Führungen boten so Einblicke in eine Welt, über die ansonsten viel Geraune und Halbwissen im Umlauf ist.

Und bei der fast fertigen Yunus-Emre-Moschee im Ostviertel konnten die Anwohner und die anderen Besucher ebenfalls den aktuellen Baufortschritt begutachten und ganz nebenbei feststellen: Bis auf das Minarett überragt auch dieses Gebäude jene in seiner direkten Nachbarschaft nicht — aus gutem Grund.

Reger Zulauf an der Stolberger Straße

Über regen Zulauf freute sich auch die Aachener Ditib-Gemeinde, die am Dienstag die Türen der fast fertigen Yunus-Emre-Moschee an der Stolberger Straße geöffnet haben. Viele Aachener zeigten sich neugierig, wie es in dem auffälligen Bauwerk wohl aussieht.

„Wir sind wirklich sehr froh, dass so viele Menschen sich für unsere Moschee interessieren“, sagte Abdurrahman Kol, Vorsitzender der Ditib-Gemeinde. Für die organisierten Führungen durch die Moschee mussten sogar noch spontan Helfer hinzugerufen werden, weil die Gruppen sonst zu groß geworden wären.

Seit 2011 befindet sich die Moschee im Bau. „Uns war es wichtig, dass die Glaubensarbeit der Muslime aus den Hinterhöfen herauskommt und einen Platz in der Mitte der Gesellschaft findet.“ Neben den Gebetsräumen befinden sich auch eine Bibliothek, Sozialräume und Studentenwohnungen im Gebäude.

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