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Messerstiche im Regionalexpress: Täter in Psychiatrie eingewiesen

Messerstiche im Regionalexpress : Täter in Psychiatrie eingewiesen

Nach der Messerattacke in einer Regionalbahn in Herzogenrath gehen die Ermittler davon aus, dass die Tat auf ein „psychotisches Erleben“ zurückzuführen ist. Es war wohl keine Terrorattacke.

Der 31 Jahre alte Mann, der am Freitagmorgen in einem Regionalzug in Herzogenrath plötzlich auf mehrere Mitreisende eingestochen hat, wird vorläufig in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Es gebe keine Hinweise auf einen Terrorhintergrund oder eine religiöse Radikalisierung des Verdächtigen, betonte die Staatsanwaltschaft Aachen am Samstag. Vielmehr sei als Ursache nach jetzigem Erkenntnisstand mit großer Wahrscheinlichkeit ein psychotisches Erleben des Beschuldigten anzunehmen.

Der 31-Jährige ist Iraker und 2015 als Flüchtling nach Deutschland gekommen. Nach einem Hinweis aus dem Flüchtlingsheim, in dem er damals lebte, war er 2017 vorübergehend als ein „Prüffall Islamismus“ eingestuft worden. In der Einrichtung sei aufgefallen, dass er sich zunehmend isoliert habe und plötzlich einen langen Bart trug, hieß es aus Sicherheitskreisen. Der Verdacht habe sich aber nicht bestätigt. Der Mann habe als anerkannter Flüchtling eine befristete Aufenthaltserlaubnis, hieß es aus den Kreisen.

In dem Nahverkehrszug von Düsseldorf nach Aachen sei der Mann am Freitag gegen 7.38 Uhr kurz nach der Weiterfahrt des Zuges in Herzogenrath plötzlich aufgesprungen und habe versucht, den Türöffner zu betätigen, berichtete die Staatsanwaltschaft. Als das unmöglich war, habe er einem Mitreisenden ins Gesicht geschlagen und dann ein Küchenmesser gezogen. Zunächst habe er ziellos und dann gezielt auf mehrere Mitreisende eingestochen.

Am Ende wurden fünf Menschen und der Angreifer selbst verletzt. Einem aus Nigeria stammenden Zeugen, der selbst durch den Beschuldigten verletzt wurde, gelang es, den Angreifer zu Boden zu bringen und zu entwaffnen. Ihm kamen weitere Passagiere – unter anderem ein auf seinem Dienstweg befindlicher Beamter der Bundespolizei – zu Hilfe und fixierten den sich zunächst noch wehrenden Beschuldigten bis zum Eintreffen der herbeigerufenen Beamten.

Ermittelt werde wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung und des versuchten heimtückischen Mordes in drei Fällen, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Bei einer Registrierung bei den Behörden hatte der Iraker angegeben, er sei Muslim schiitischen Glaubens. Zum Zeitpunkt der Tat waren 270 Menschen in dem Zug.

(red)