Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen muss für mehr als ein Jahr schließen

Veraltete Klimatechnik : Suermondt-Ludwig-Museum muss für mehr als ein Jahr schließen

Es soll eine der bedeutendsten Ausstellungen im Suermondt-Ludwig-Museum werden: Ab Oktober 2020 sollen dort Werke Albrecht Dürers aus aller Welt zu sehen sein. Die Schau kann aber mit der veralteten Klimatechnik im Haus an der Wilhelmstraße gar nicht stattfinden. Jetzt sollen die Anlagen erneuert werden.

Jetzt sollen die Anlagen erneuert werden. Dazu muss das Museum ab März 2019 für mehr als ein Jahr geschlossen werden.

Die „Betenden Hände“ sind sicher eines der bekanntesten Werke von Albrecht Dürer. Manches Stoßgebet haben auch schon die Verantwortlichen des Aachener Kulturbetriebs und des Suermondt-Ludwig-Museums gen Himmel - und in Richtung Politik - geschickt, wenn es um das größte Ausstellungsprojekt der kommenden Jahre geht. Das befasst sich nämlich just mit dem Meister aus Nürnberg und seinem Schaffen. 2020 jährt es sich zum 500. Mal, dass Dürer in Aachen weilte. Damals ging es allerdings eher um weltliche Dinge, war der Künstler doch Karl V. nachgereist, der am 23. Oktober 1520 im Dom zum deutschen Kaiser gekrönt wurde. Schnöder Anlass von Dürers Besuch: Geld. Genauer: Die Fortzahlung von 100 Talern Apanage durch den Habsburger Herrscher. 500 Jahre später geht es auch ums Geld - um rund 2,4 Millionen Euro. Die nämlich werden benötigt, um das Museum an der Wilhelmstraße technisch so fit zu machen, dass die Dürer-Ausstellung, zu der mehr als 100.000 Besucher erwartet werden, ab 7. Oktober 2020 überhaupt stattfinden kann.

Am Donnerstag sollen die Kulturpolitiker im Betriebsausschuss dieses Geld in den städtischen Haushalt pinseln. Denn ohne dies bleibt Dürer in London, Antwerpen, New York, Florenz, Lissabon, Mailand. Unter anderem aus diesen Städten sollen die wertvollen Leihgaben für die Ausstellung in Aachen kommen. Besser gesagt: Ausstellungen. Denn flankierend soll es solche auch im Centre Charlemagne (zu Karl V.) und im Ludwig Forum (zum Thema „Künstlerreisen“) geben. Damit die Leihgeber ihre Schätze nach Aachen schicken, muss sich an der Wilhelmstraße manches grundlegend ändern. Vor allem ist es die Klimatechnik im Suermondt-Ludwig-Museum, die den hohen Anforderungen in keiner Weise standhält. Die Anlagen seien seit rund 24 Jahren in Betrieb und, so heißt es in der Vorlage in schönstem Verwaltungsdeutsch, „abgängig“. In den letzten Jahren komme es es immer häufiger zu Störungen, Ersatzteile seien kaum noch zu beschaffen. Unter anderem dürfe das verwendete Kühlmittel R22 nicht mehr benutzt werden. Die Funktionstüchtigkeit der Klimatechnik sei nur noch für einen „Übergangszeitraum“ zu gewährleisten.

Museumsleiter Peter van den Brink hatte vor einigen Monaten sozusagen gar den Teufel dergestalt an die Wand gemalt, dass das Museum mit dieser veralteten Technik auf lange Sicht gar nicht mehr zu betreiben sei. Es muss also eine völlig neue Anlage her. Zumal der Temperaturbereich der heutigen Anlagen von 20 bis 28 Grad und die Feuchtigkeitsregulierung von 45 bis 60 Prozent reicht. Benötigt werden aber Werte von 18 bis 22 Grad beziehungsweise 45 bis 55 Prozent.

Das ist allerdings nur der eine Aspekt. Hinzu kommen bauliche Missstände. Die heutigen Glasflächen im Dachbereich führen laut Vorlage dazu, dass es in Sommermonaten zu einer Hitzebelastung von bis zu 50 Grad Celsius kommt. Dieser „Wärmeeintrag“ könne durch eine neue Konstruktion um bis zu 80 Prozent verringert werden, hat das städtische Gebäudemanagement errechnet.

Insbesondere ein Faktor bereitet den Verantwortlichen großes Kopfzerbrechen: die Zeit. So heißt es in der Vorlage: „Die Zeitschiene erscheint theoretisch möglich, ist jedoch ausgesprochen knapp bemessen ohne Puffer für Unvorhergesehenes und somit mit Terminrisiken verbunden.“ Und: „Schnelles Handeln ist daher angezeigt.“ Auch der Einbau der Klimaanlage sei als „ausgesprochen zeitkritisch“ zu bewerten.

Ein weiterer Faktor ist besagtes Geld. Die neue Klimaanlage wird auf rund 1,7 Millionen Euro Kosten geschätzt, die flankierenden baulichen Maßnahmen sind grob auf rund 600.000 Euro taxiert. Das alles jedoch mit einer Unsicherheit von bis zu 20 Prozent, da es erstens noch keine Ausschreibung gegeben hat und zweitens die Baukosten allgemein weiter explodieren. Rund eine Million Euro soll aus dem Haushalt kommen, knapp 350.000 Euro aus Rücklagen des Kulturbetriebs und weitere Gelder aus Töpfen des Gebäudemanagements nebst 120.000 Euro Fördermittel für die modernere Klimatechnik.

Der Beginn der Arbeiten soll - oder muss - im März 2019 sein. Fertig sein soll das Ganze im April 2020, damit noch ausreichend Zeit für Testläufe und die Vorbereitung der Dürer-Ausstellung bleibt. Kunst wird es in dieser Zeit an der Wilhelmstraße nicht mehr zu sehen geben. Im laufenden Betrieb sei der Umbau nicht möglich, heißt es. Das Museum muss der Planung nach 13 Monate lang schließen. Diese Zeit wolle man auch dazu nutzen, das Haus „in neuem Glanz erstrahlen zu lassen“. Dazu gehöre, dass „die Sammlungskonzeption und die Präsentation im Hause insgesamt überdacht und überarbeitet werden“. Ob die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des „SLM“ in dieser Zeit in anderen Aachener Museen tätig sein werden, prüfe man derzeit.

Viel Aufwand also. Nun ist es also an der Politik. Klar sein dürfte: Ohne ein Ja zu den aufwändigen Maßnahmen wird Albrecht Dürer anders als vor rund 500 Jahren diesmal einen Bogen um Aachen machen. Da würde auch kein Beten helfen.

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