Aachen: Suchthilfe sieht Gefahr für sozialen Frieden

Aachen : Suchthilfe sieht Gefahr für sozialen Frieden

Die Suchthilfe Aachen und ihre Kollegen in der Städteregion müssen wegen der Deckelung der Zuschüsse auf Vorjahresniveau ihre Arbeit offenbar deutlich einschränken. Die Auswirkungen würden nicht nur Suchtkranke spüren, sondern auch Schüler und die Allgemeinbevölkerung, warnt Gudrun Jelich, Leiterin der Aachener Suchthilfe.

Insgesamt geht es um Einsparungen von rund 136.000 Euro, die sich die Städteregion von der Deckelung erhofft und über die am 6. Mai der Sozialausschuss der Städteregion informiert wurde. Die Kürzungen schlagen nun auf die psychosoziale Betreuung von Substituierten, auf den Sozialdienst in der Grundversorgung Schwerstabhängiger am Kaiserplatz, auf Angebote der Fachstelle Suchtprävention und auf den Bereich Streetwork durch. 90 von 300 substituierten Klienten könnten nicht weiter betreut werden, teilte Jelich am Dienstag per Pressemitteilung mit. Experten fürchten nun eine weitere Verelendung dieser Menschen, die sich häufig auch auf öffentlichen Plätzen niederlassen und dort oft genug als störend wahrgenommen werden. Wegen der Mittelkürzungen könnten sie allerdings nun auch seltener von Streetworkern aufgesucht werden. Auch das Spritzensammlerprojekt und die intensive Betreuung Schwerstabhängiger in den Einrichtungen am Kaiserplatz werden eingeschränkt. All dies könne auch zu einer zusätzlichen Belastung des sozialen Friedens in der Aachener Innenstadt führen.

Weniger Klassenbesuche

„Für die wichtige und zukunftsweisende Arbeit der Fachstelle für Suchtprävention bedeuten die finanziellen Engpässe rund die Hälfte weniger Klassenbesuche, eine Einschränkung im Bereich der Weiterbildung von Multiplikatoren sowie in der Koordination der Suchtvorbeugung in den einzelnen Kommunen“, führt Jelich weiter aus. Dies betreffe mindestens 20 Schulklassen mit rund 500 bis 600 Schülern, gut 300 Fachkräfte aus Grund- und weiterführenden Schulen, Kindertageseinrichtungen, der Jugendarbeit und —hilfe sowie die Unterstützung in fünf Arbeitskreisen.

„Die von uns in allen Bereichen angestrebten Multiplikatoreneffekte, die durch reduzierte Angebote nicht mehr in dem Umfang erreichbar sind, haben langfristig negative Auswirkungen“, ist Jelich überzeugt. „Grundsätzlich spricht man hier vom ‚vier zu eins Prinzip’: Das heißt, jeder in die Prävention investierte Euro zahlt sich vierfach in der späteren Investition in Hilfe, Beratung und Therapie aus.“ Ihr Kollege Kalle Wilms ergänzt: „Die kurzzeitigen Folgen und langfristigen Effekte dieser Kürzungen sind selbst für uns als Fachleute nicht wirklich umfassend abzuschätzen, geben aber Anlass zu großer Sorge.“

Mehr von Aachener Nachrichten