Aachen: Suche nach Rombey-Nachfolger wird zu politischem Gezerre

Aachen: Suche nach Rombey-Nachfolger wird zu politischem Gezerre

Eine Top-Personalie wird zum Politikum: Auf der Suche nach einem Nachfolger für den im Juli aus dem Amt scheidenden Dezernenten Wolfgang Rombey, zuständig für die Bereiche Bildung, Kultur, Jugend und Sport, wird Schwarz-Grün so bald wohl nicht fündig.

Nicht zuletzt die völlig unklare Linie der schwer zerstrittenen CDU hat den ursprünglichen Plan zunichte gemacht, schon in der April-Sitzung des Rates die Spitzenposition innerhalb der Verwaltung neu zu besetzen. Die Entscheidung soll auf Ende Mai vertagt werden. Doch niemand weiß, wie handlungsfähig die Ratsmehrheit überhaupt noch ist.

Nun ist auch noch mitten im Bewerbungsverfahren der Name eines aussichtsreichen grünen Kandidaten publiziert worden, der damit nach allen Erfahrungen als „verbrannt“ gilt und kaum noch Hoffnung haben kann, den Posten zu ergattern: Reiner Daams, Lebenspartner von Schulministerin Sylvia Löhrmann, hatte aus Sicht der Grünen, die das Vorschlagsrecht für die Rombey-Nachfolge haben, den besten Eindruck unter den insgesamt 73 Bewerbern hinterlassen, von denen zuletzt nur noch zwei im Rennen waren — neben dem Solinger Daams noch eine Remscheiderin.

Dass der Name ausgerechnet jetzt an die Öffentlichkeit gelangt, ist kein Zufall, sind Vertreter aller Fraktionen überzeugt. So entscheidet die CDU am Montag über einen Abwahlantrag gegen ihren Fraktionsvorsitzenden Harald Baal, was einer politischen Richtungsentscheidung gleichkommt. Nicht wenigen der Baal-Gegner geht der Einfluss der Grünen schon jetzt zu weit. Kaum denkbar also, dass sie Daams mittragen würden. Und auch Harald Baal selbst, aber auch Kollegen aus SPD und FDP äußerten bereits ihre Bedenken: Daams sei eingeschränkt geeignet, heißt es. Wirklich überzeugend soll seine Bewerbung nicht gewesen sein.

„Das Rennen ist vollkommen offen. Es gibt keine Festlegung“, betont Baal. Auch Grünen-Sprecherin Ulla Griepentrog spricht von einem „völlig offenen“, vor allem aber „sehr transparenten Verfahren“. Wäre Daams kein Grüner, hätten ihn alle gewählt, vermutet sie. Dass er nun voraussichtlich nicht mehr mehrheitsfähig ist, nimmt sie gelassen: „Dann ist das so.“

So wird bereits überlegt, wie es nun weitergehen kann: Das Ausschreibungsverfahren wiederholen oder Headhunter einschalten? Es scheint jedenfalls schwer, die richtige Person zu finden. Rombeys Dezernat gilt als „sehr kompliziert“, weil es groß ist und viele unterschiedliche Fachbereiche umfasst. So zeichnet sich derzeit als wahrscheinlichste Variante eine befristete Verlängerung des Rombey-Vertrags ab. Rombey selbst, der dann auch noch das von ihm vorbereitete Karlsjahr 2014 im Amt begleiten könnte, will dazu keinen Kommentar abgeben.

Charme hätte die Verlängerung seiner Amtszeit vor allem für die SPD, die infolge des heftigen CDU-Zerwürfnisses darauf spekuliert, dass die Karten neu gemischt werden und sie schon bald wieder eine Mehrheitsposition im Rat einnehmen könnte und damit auch wieder größeren Einfluss auf die Besetzung politisch wichtiger Ämter hätte. In Frage kämen als Partner sowohl CDU als auch Grüne.

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