Aachen: Studentenwohnheime: Mietpreis steigt, Toleranz der Mieter sinkt

Aachen : Studentenwohnheime: Mietpreis steigt, Toleranz der Mieter sinkt

Die Klingelanlage war, erzählen Bewohner, mehrere Monate lang defekt. Der Aufzug zwar nur über ein verlängertes Wochenende, was in einem Hochhaus allerdings — die Rede ist von einem der Studententürme in der Rütscher Straße — schon unangenehm sein kann. Zum Beispiel für Bewohner oder Gäste mit Behinderung.

In das Gebäude hineingeregnet habe es auch, zumindest in den Turm mit der Hausnummer 155. Viele der dort wohnenden Studenten finden, sie haben Geduld bewiesen und — wenn manchmal auch zähneknirschend — eine Reaktion der Wohnheimverwaltung abgewartet.

Die sieht die Sache ihrerseits ein wenig anders, sagt, sie habe immer wieder das Gespräch mit den Bewohnern gesucht und kommuniziert, was, wie, wann repariert, saniert oder gebaut werde. Mit einer Erhöhung der Mieten für alle Studentenwohnheime, die gerade vom Studierendenwerk ausgerufen wurde, ist für viele der Bewohner nun aber Schluss mit Reden. Sie gehen auf die Straße.

Eine Monatsmiete zusätzlich

Zum 1. Juli hat das Studierendenwerk die Mietpreise in allen 23 Studentenwohnheimen für Neuverträge und Verlängerungen angehoben. Mieter mit alten Verträgen müssen zu Beginn des kommenden Jahres tiefer in die Tasche greifen. Bis zu 37 Prozent kann die Erhöhung ausmachen, hat eine Bewohnerin ausgerechnet, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte.

Die Wohnheimverwaltung bestätigt die Zahl in einer Mitteilung, die am Freitag an alle Bewohner ging. Diese hohe Zahl gelte jedoch nur für „Langzeitbewohner, bei denen die letzte Mietanpassung im September 2013 noch nicht zum Tragen gekommen ist.“ Insgesamt würde die Erhöhung „je nach Wohnform zwischen neun und 16 Prozent betragen. Diese Mieterhöhung bezieht sich jedoch auf die AII-lnclusive-Miete, welche alle Betriebskosten und anteilig einen Möblierungszuschlag fur das zur Verfügung gestellte Mobiliar wie auch die Küchen enthält.

Somit liegt die Mieterhöhung unter 15 Prozent bezogen auf die Nettokaltmiete, die auch beim freien Wohnungsmarkt möglich ist.“ Ein Bewohner des Wohnheims in der Hainbuchenstraße erklärt, er müsse nun etwa eine Monatsmiete pro Jahr drauflegen. Für 25 Quadratmeter mit Balkon zahle er derzeit 365 Euro, nach der Erhöhung 397 Euro.

„Diese Mieterhöhung wollen die Studierenden nicht hinnehmen und haben versucht, mit dem Studierendenwerk gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten. Jedoch konnte keine befriedigende Lösung erzielt werden“, schreiben einige Bewohner. Deshalb werden sie demonstrieren (siehe Box). Aufgebracht sind die Bewohner vor allem, weil die Wohnungen mit einer Mietpreisgarantie beworben wurden, die nun über Bord gehe. Und weil sie nun aus ihrer Sicht mehr zahlen sollen, ohne entsprechende Gegenleistung.

Miete rauf, weil das Land nix zahlt

Die bisherige Mietpreisgarantie sei nicht mehr haltbar, sagt die Wohnheimverwaltung. Es sei nicht zu vermitteln, warum benachbarte Mieter im selben Wohnheim gravierend unterschiedliche Mieten für gleichwertigen Wohnraum zahlen. „Wir arbeiten auf Basis eines Solidaritätsprinzips, da ist es nicht nachvollziehbar, warum Altmieter besser gestellt werden sollten oder einzelne Wohnanlagen von der Mieterhöhung ausgeschlossen werden sollten“, erklärt Birgit Anhalt, Gruppenleiterin der Wohnheimverwaltung, auf „Nachrichten“-Anfrage.

Der Grund für die Mietpreiserhöhung liege unter anderem darin, dass man keine Landeszuschüsse mehr erhalte. Die Konsequenz aus sinkenden Subventionen für die soziale Infrastruktur seien demnach Mieterhöhungen. Anhalt: „Studierendenwerke arbeiten kostendeckend. Das heißt, die Mieten in den Wohnanlagen werden so festgesetzt, dass alle Bewirtschaftungskosten daraus gedeckt werden und ausreichende Rücklagen für eine substanzerhaltende Bewirtschaftung der Häuser gebildet werden können.“

Ein Knackpunkt aus Sicht vieler Bewohner. Denn die beäugen genau diese substanzerhaltende Bewirtschaftung kritisch — Beispiele Klingelanlage, Aufzug, Undichtigkeit oder auch die Sanierung der Türme, die sich laut Bewohnern immer wieder verzögert, über Jahre. Auch dazu ging die Nachfrage an die Wohnheimverwaltung. Dringende, sicherheitsrelevante und energetisch sinnvolle Maßnahmen, hieß es, führe man kontinuierlich durch.

„Allein in unseren Studententürmen wurden von 2012 bis 2015 rund 1,3 Millionen Euro in die Instandhaltung und Sanierung gesteckt.“ Investitionen in Dinge wie Warmwasseraufbereitungsanlagen, Schließanlagen oder Sicherheitsbeleuchtungen, „die die Bewohner zum Teil nicht unmittelbar sehen.“ Mittelfristig sollen Ver- und Entsorgungsleitungen aller vier Türme saniert werden. „Zudem gibt es Überlegungen, die Fassade und die Außenanlagen zu erneuern.“ Dringenden Handlungsbedarf sieht die Verwaltung allerdings nicht.

Und die übrigen Vorwürfe? Die Klingelanlage habe man zunächst versucht, günstig zu reparieren. Als das nicht geklappt habe, sei sie ausgetauscht worden. Eine Undichtigkeit gibt es laut Verwaltung nur außerhalb des Gebäudes. Und was die Aufzugpanne angeht: Sogar zwei seien in der Hausnummer 155 in Betrieb. In diesem einen Ausnahmefall seien beide ausgefallen. Ersatzteile seien umgehend bestellt und nach Erhalt eingebaut worden. Die Bewohner habe man über den aktuellen Sachstand auf dem Laufenden gehalten.

An der Mietpreiserhöhung wird die Demonstration in der kommenden Woche nichts ändern. Das bestätigte Jochen Kühn, Leiter des Gebäudemanagements beim Studierendenwerk gegenüber den „Nachrichten“. Damit rechnen die Bewohner nach eigener Aussage auch nicht wirklich. Aber zumindest, so hoffen sie, passiere danach etwas in Sachen Instandhaltung.

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