Aachen: Strom, der aus dem Abwasser kommt

Aachen : Strom, der aus dem Abwasser kommt

Abwasser erzeugt Strom - zumindest unterm Hohenzollernplatz. Ein im Durchmesser 5,5 Meter großes Wasserrad, über das im Schnitt 60 Liter in der Sekunde fließen, soll zukünftig den durchschnittlichen Jahresverbrauch an Strom von zehn vierköpfigen Familien zur Verfügung stellen - 45.000 bis 50.000 Kilowattstunden.

Am Mittwoch wurde die Demonstrationsanlage offiziell in Betrieb genommen.

Um Wasserkraft zu nutzen, kommen normalerweise Turbinen zum Einsatz, doch bei Abwasser ist das nicht möglich. „Im Abwasser schwimmen eine Menge Feststoffe, manchmal sogar Bauholz. Turbinen sind dafür zu empfindlich”, erklärte Friedrich-Wilhelm Bolle, Geschäftsführer des Forschungsinstituts für Wasser- und Abfallwirtschaft an der RWTH Aachen.

Das Institut hatte im Rahmen einer vom nordrhein-westfälischen Umweltministerium finanzierten Studie das Wasserrad unterm Hohenzollernplatz entwickelt. „Eigentlich ist es ja eine alte Technologie, die wir jetzt wieder belebt haben”, meinte Bolle.

Zunächst hatten die Wissenschaftler nach ungenutzten Energiepotenzialen gesucht und wurden in den Abwasserkanälen der Stadt fündig. Unterm Hohenzollernplatz gibt es ein so genanntes Absturzbauwerk.

Dort fällt das Abwasser 13,5 Meter tief. Mit dem Wasserrad werden jetzt 3,5 Meter davon zur Stromgewinnung genutzt. „Das ist energietechnisch noch nicht optimal, aber politisch der richtige Weg. Jeder Baustein, der die Klimaentwicklung positiv beeinflusst, spielt eine Rolle”, sagte Gisela Nacken, Umweltdezernentin der Stadt.

Das Aachener Wasserrad ist weltweit das erste, das mit Hilfe von Abwasser Strom erzeugt. Es kann Abflussspitzen bis 150 Liter pro Sekunde ebenso nutzen wie das Nachtminimum von 30 Litern pro Sekunde. „Es ist aber trotzdem noch die Sicherheitslösung. Die Zusatzkammer mit dem Wasserrad kann mit einem Schieber geschlossen werden, wenn zu viel Wasser durch die Kanalisation fließt”, berichtete Bolle.

Die Aachener Anlage soll Forschungsergebnisse für weitere Entwicklungen liefern, die dann auf diese Absicherung verzichten und auch größere Fallhöhen nutzen können sollen.

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