Aachen: „Stricken gegen die Kälte“: Manche Spender bringen sogar fertige Socken

Aachen : „Stricken gegen die Kälte“: Manche Spender bringen sogar fertige Socken

Die einen kamen mit einem einzelnen Knäuel, andere schleppten große Tüten voll mit Wolle an — oder brachten gleich ganze Stapel fertig gestrickter Socken, Schals, Pullover und Decken vorbei. Die Wollsammlung in der Citykirche für das Strickcafé „Stricken gegen die Kälte“ war erneut ein großer Erfolg.

Durch die Aktion haben die Frauen, die sich jede Woche zum Stricken treffen und auch sonst in ihrer Freizeit die Nadeln bewegen, wieder reichlich Material zum Verarbeiten.

Eine Unterstützerin war eigens aus Eschweiler gekommen, um 18 Paar handgestrickte Socken zu überbringen. Bereits zum zweiten Mal kam auch eine große Spende fertiger Strickwaren aus dem niederländischen Sittard. Henny Prins und Joke van der Steen gehören dort zu einem rührigen Grüppchen, das die Aachener Aktion unterstützt. „Es ist schön, das miteinander zu machen“, sagt Joke von der Steen. Auch die Produktionsschule „triple-factory“, eine Einrichtung der beruflichen Integration in Zusammenarbeit mit dem Tuchwerk in der Soers, hatte gespendet und handgewickelte Schurwolle vorbeigebracht.

„Stricken gegen die Kälte“ ist ein Projekt der „Save me“-Kampagne, einer Initiative, die sich für die dauerhafte Aufnahme besonders schutzbedürftiger Flüchtlinge einsetzt. In Aachen wird „Save me“ getragen von Amnesty International und dem Büro der Regionaldekane.

Stricken und voneinander lernen

Im Strickcafé, das vor drei Jahren gestartet ist, kommen alteingesessene Aachenerinnen und geflüchtete Frauen zusammen, um gemeinsam zu stricken. Diese interkulturellen Treffen seien wichtig und wertvoll, betont Ingeborg Heck-Böckler von Amnesty. Mittlerweile gibt es vor der wöchentlichen Strickrunde jeweils auch eine Portion Deutschunterricht für die Flüchtlingsfrauen.

Wichtig und wertvoll sind auch all die wärmenden Strickwaren, die beim Strickcafé entstehen. Sie werden im Kampf gegen die Kälte eingesetzt, bisher in Afghanistan, dem Iran, im Libanon und in Roma-Siedlungen in Bulgarien. Mit der aktuellen Aktion wird ab sofort für Flüchtlinge in der Türkei gestrickt.

Die Türkei hat laut Amnesty 2015 weltweit die meisten Flüchtlinge aufgenommen, unter ihnen drei Millionen Syrer. Durch persönliche Kontakte in die Türkei werde gewährleistet, dass die Hilfsgüter in die richtigen Hände kommen, versichert Heck-Böckler.

Den ganzen Tag über saßen Vertreterinnen des Strickcafés in der Citykirche und strickten. Ute Berger war begeistert von den vielen Spenden. Stricken ist ihre große Leidenschaft. „Da wird man süchtig“, sagte sie und ließ die Nadeln nur so fliegen. Berger war über eine frühere Wollsammelaktion auf die Initiative aufmerksam geworden und geht seitdem regelmäßig zum Strickcafé.

Für Asmaa Soliman dagegen war der Strickzirkel in der Citykirche eine Premiere. „Ich stricke heute zum ersten Mal“, gestand die Amnesty-Unterstützerin und schaute ganz zufrieden auf die ersten Reihen, die sie gestrickt hatte. „Wahrscheinlich wird das hier ein Schal.“

Das Strickcafé trifft sich jeden Mittwoch (außer an Feiertagen) von 16 bis 18 Uhr im Welthaus, An der Schanz 1. Neue Teilnehmerinnen — mit und ohne Strickerfahrung — sind natürlich herzlich willkommen.

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