Aachen: Straßentheater-Projekt: „Unser täglich Brot...für die Tonne?”

Aachen : Straßentheater-Projekt: „Unser täglich Brot...für die Tonne?”

Der Gipfel der Verschwendung ist an diesem Nachmittag relativ schnell erreicht: Innerhalb weniger Minuten führt eine Theatergruppe Passanten inmitten der Fußgängerzonen und auf dem Markt vor Augen, wie viele Lebensmittel leichtfertig in die Tonne fliegen.

Die Laienschauspieler zeigen die Szene mit dem Titel „Unser täglich Brot... für die Tonne?” als Straßentheater-Projekt im Rahmen der Kampagne des Bistums Aachen gegen Lebensmittelverschwendung.

Die Schauspielerinnen Christiane Sodermanns, Irmgard Vogel, Brigitte Palm, Petra Jollet und Insa Hollermann unter der Leitung der erfahrenen Regisseurin Ingrid Wiederhold punkten zunächst mit eindrucksvollen Zahlen: Allein rund 500.000 Tonnen Brot werden jährlich in Deutschland weggeworfen. Am ehesten auf dem Müll landen Obst und Gemüse, insgesamt sind es jährlich elf Millionen Tonnen Lebensmittel.

Achtsamer Umgang

Publikumswirksam beginnt der Zug durch die Straßen auf dem Markt, wo spontan viele Passanten stehenbleiben und sich einige Minuten Zeit nehmen. Mit einer Kochmütze behütet verdeutlicht Sodermanns, was ein Rezept für eine besonders delikate Suppe mit Zutaten frisch vom Markt für Folgen hat: „Kartoffeln mit Augen“, elastische Möhrchen, Orangen, die nicht orange genug sind oder Kohlrabis mit welken Blättern landen all zu oft in der Tonne. Im schlimmsten Fall eines „kulinarischen Missgeschicks“, wie Sodermanns es ausdrückt, ist auch noch die ganze fertige Suppe reif für den Müll. „Aber mit Essen spielt man nicht“, sagen die Frauen im Chor. Eine ironische Satire soll die kurze Szene sein, wie Wiedergold erklärt. Ein erhobener Zeigefinger ist dennoch erlaubt.

Weiter geht der Zug der Schauspieler zum Münsterplatz, zum Kugelbrunnen, zum Holzgraben und vor die Citykirche St. Nikolaus. Überall das gleiche zehnminütige Schauspiel mit zwei Tonnen und einer Menge verschwendeter Lebensmittel. Akkordeonspieler Constantin Stoican untermalt die Szenerie musikalisch.

„Wir möchten für einen achtsamen Umgang mit Lebensmitteln werben und dazu anregen, sich zu fragen, wann man das letzte Mal Lebensmittel weggeworfen hat, ob man sie noch hätte essen können und wie man planvoller einkaufen kann“, erklärt Wiederhold. Auf die Verschwendung von Lebensmitteln hat im vergangenen Jahr bereits die bistumsweite Aktion „Zu Tisch — mit Gott und der Welt“ aufmerksam gemacht.