Aachen: Straßenbahndepot Talstraße: Sanierung teurer als geplant

Aachen : Straßenbahndepot Talstraße: Sanierung teurer als geplant

Schlechte Neuigkeiten bei der Sanierung des alten Straßenbahndepots Talstraße: Die bislang mit 9,4 Millionen Euro veranschlagten Baukosten werden nach neuen Kalkulationen um gut 1,37 Millionen Euro überschritten.

Zugleich wird sich die Bauzeit um voraussichtlich ein halbes Jahr verlängern. Die für das Frühjahr 2016 geplante Eröffnung wird somit nicht mehr zu halten sein.

Noch vor gut einem halben Jahr verkündete der Leiter des Fachbereichs Wirtschaftsförderung, dass man beim Umbau des alten Straßenbahndepots zum modernen Stadtteilzentrum voll im Kosten- und Zeitplan liege. Doch diese Aussage ist seit Mittwoch Makulatur. Das städtische Presseamt gab am Nachmittag einen „höheren Aufwand bei der Sanierung“ bekannt.

„Altbauten sind immer schwieriger zu kalkulieren als Neubauten, daher haben wir im Vorfeld ein Ingenieurbüro mit einer Voruntersuchung beauftragt, um den Sanierungsaufwand und das Kostenrisiko zu ermitteln“, erklärte Klaus Schavan, Leiter des Gebäudemanagements. Der Umfang der erforderlichen Erneuerung, der sich erst während der laufenden Bauarbeiten herausstellte, habe daher alle Beteiligten überrascht.

Grundsätzlich könne man vorab noch viel mehr Geld in die Hand nehmen, um über entsprechend aufwendige Gutachten eine größere Kostensicherheit zu erhalten, sagt Schavan. „Doch das ist eine Gratwanderung. Kosten und Nutzen stehen dann nicht immer im richtigen Verhältnis zueinander.“

Die laufenden Bauarbeiten förderten bei Bauteilen, die für die Statik des in den 1920er Jahren erbauten Gebäudes von großer Bedeutung sind, einen wesentlich schlechteren Zustand zutage als erwartet, teilt das Presseamt mit. Bei den Betonstützen sind sowohl Stützenköpfe als auch -füße von so schlechter Bausubstanz, dass sofort Notabstützungen angeordnet werden mussten.

Auch die Fundamente müssen stellenweise vertieft und erweitert werden, um die notwendige Tragfähigkeit zu gewährleisten. Bei den Betondecken war man von einer punktuellen Sanierung ausgegangen, jetzt stellte sich heraus, dass die Deckenkonstruktion großflächig erneuert werden muss. Das komplette Sanierungskonzept musste entsprechend angepasst und umgestellt werden.

Die mit insgesamt 1,37 Millionen Euro berechneten Mehrkosten können nach Angaben der Stadt aus dem laufenden Wirtschaftsplan des Gebäudemanagements und aus Vorhaben finanziert werden, bei denen Einsparungen erzielt werden konnten.

In den Kosten enthalten ist auch eine Steigerung von Baupreisen, die bisher nicht in vollem Umfang berücksichtigt wurden. Seit dem Haushalts- und Wirtschaftsjahr 2014 wird bei Bauvorhaben systematisch eine Preissteigerungsrate von 2,0 Prozent berücksichtigt. Für die Jahre 2012 und 2013 wurde dies nun nachgeholt.

In dem neuen Stadtteilzentrum, das Teil der Stadtteilerneuerung Aachen Nord ist, soll eine Reihe von Nutzern aus den Bereichen Bildung, Kultur, Soziales und Technik unterkommen, darunter die OT Talstraße, das Atelierhaus, die Designmetropole und der Kinderschutzbund. Geplant sind auch Gastronomie und ein Veranstaltungsraum für bis zu 800 Personen. Die Eröffnung ist nunmehr für Herbst 2016 geplant.

Das Thema wird unter anderem in der nächsten Sitzung des Betriebsausschusses Gebäudemanagement am 24. März auf der Tagesordnung stehen.

(gei)
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