Aachen: Straße wird beim „Lothringair“-Festival zum alternativen Partyhotspot

Aachen : Straße wird beim „Lothringair“-Festival zum alternativen Partyhotspot

Vivien hat sich getraut. Und damit war sie nicht alleine. Ganz spontan und aus einer Festival-Laune heraus hat sie sich bei „Kaattoo Tattoo“ einen Grashalm auf ihren Unterarm tätowieren lassen. „Mir gefiel das Motiv auf den ersten Blick. Es hat keine besondere Bedeutung, es ist einfach schön“, sagte sie und schaute auf die surrende Nadel, mit der Tätowiererin Katharina das kleine Kunstwerk vollendete.

Dass Tätowierungen und Festivals irgendwie eng miteinander verknüpft sind, war nur eine Sache, die beim 5. „Lothringair“-Straßenfestival am Samstag deutlich wurde. Denn Katharina hatte in ihrem Tattoo-Shop kaum eine ruhige Minute.

Kleine Künstler von morgen: Sam — anderhalb Jahre jung — hatte beim Verein „Hirschgrün“ offensichtlich jede Menge Spaß mit Pinsel und Farbe. Foto: Heike Lachmann

Vielfalt und Weltoffenheit

Bleibende Erinnerung: Vivien hat jetzt ein „Lothringair“-Tattoo in Form eines Grashalmes. Foto: Heike Lachmann

Viele Feierwütige entschieden sich spontan zu einem Erinnerungsstück, das unter die Haut ging. Aber nicht nur Köperschmuck und die vielen Bands lockten ungezählte Besucher in die abgesperrte Lothringer Straße, vor allem das breit gefächerte Kulturerlebnis, das Jung und Alt etwas bot, kam erneut richtig gut an.

Dass in diesem Jahr am Tag des Festivals gleichzeitig der Tag der offenen Gesellschaft stattfand, war ein perfekter Zufall, der dem Verständnis für Vielfalt und Weltoffenheit einen idealen Rahmen gab. 18 ansässige Ladenlokale und Ateliers öffneten ihre Türen. In den Häusern, auf drei Open-Air-Bühnen und spontanen Aktionen an unvorhergesehen Orten war ebenso Teil des Konzeptes, wie ein vielseitiges künstlerisches und musikalisches Programm.

Organisiert wird das alternative „Lothringair-Festival“ seit Jahren von dem gemeinnützigen „Lothringair e.V.“ und vielen freiwilligen Helfern, die auch dieses Mal wieder den richtigen Riecher hatten, was die Gesamtgestaltung betraf. Alte und neue Aussteller kamen zusammen und stellten sich und ihre Arbeit oder Kunstwerke vor.

So wie „Freie Maker e.V.“, die in der Raststätte Besucher einluden, das Spiel von Licht und Schatten selbst zu gestalten. In einem abgedunkelten Raum konnten sie ihrer Kreativität freien Lauf lassen und vergängliche Kunstwerke mit Hilfe von Technik in Form von Lichtstiften und Lichtpinseln erschaffen. „Unser Ziel ist es, das Technikverständnis von Menschen zu fördern und ihnen so zu ermöglichen, kreativ mit Technik ihr Umfeld zu gestalten“, erklärte Vereinsmitglied Jan Thar.

Ebenfalls kreativ ging es in den vielen Ateliers zu, in denen Kunstwerke aller Art gezeigt wurden. Die „Poebelei“ — eine Pop-up- Galerie, die an den skurrilsten Orten der Stadt auftaucht, machte ebenfalls Station in der Lothringer Straße und zeigte Werke verschiedener Künstler.

Musikalische Begleitung gab es von den DJ- Koryphäen vom Kulturverein „The Base“, die mit experimentellen Sounds der Hinterhof-Galerie ordentlich einheizten. Zugegeben: Coolness- und Hipster-Faktor waren kaum zu überbieten. Da durfte das Angebot an veganen Dönern oder anderen Speisen genauso wenig fehlen, wie Soja-Latte-Macchiatos und grüne Gemüse Smoothies.

Das studentische Improvisationstheater „UN!MPRO“ unterhielt die Zuschauer unterdessen mit lustigen Showeinlagen, bei denen manch einer von den Publikumsrängen auf die Bühne geholt und kurzerhand selbst Teil der Show wurde. Während bis zum frühen Abend Familien über die Lothringer Straße flanierten und zwischen Kinder Secondhandmode und Spielplatzaktionen hin und her liefen, dominierten zu spätere Stunde vor allem junge Erwachsene das Bild.

Musikgruppen wie die elektronische Live- Band „Waking Up in Stereo“ aus Köln oder auch „Jai D´Or“ animierten zum Tanzen. „Wir kommen jedes Jahr hier hin und mögen einfach die Atmosphäre und die Leute. Auf einer Straße erlebt man zig verschiedene Sachen und Bands. Das ist echt selten“, sagte Leonie. Viel Zeit zum Reden hatten ihre Freundinnen und sie nicht. Denn während Leonie sich noch schnell etwas zu Essen holte, begannt der Autor Tobi Katze mit seiner Leseshow „Immer schön die Ballons halten“.

Auch er freute sich — wie alle Aussteller, Musiker und Künstler — über konstant viel Publikum den ganzen Tag hindurch. Spricht also alles dafür, dass auch das fünfte „Lothringair“ wirklich ein voller Erfolg war.