Aachen: Straftäter entflohen: Polizeieinsatz am Aachener Arbeitsamt

Aachen : Straftäter entflohen: Polizeieinsatz am Aachener Arbeitsamt

Ein großes Polizeiaufgebot hat am Dienstagvormittag vor der Arbeitsagentur an der Roermonder Straße für Aufsehen gesorgt. Ein 18-Jähriger hatte die Beamten auf den Plan gerufen. Denn der junge Mann, der wegen Diebstahls für zweieinhalb Jahre in der Justizvollzugsanstalt Heinsberg einsitzen sollte, nutzte einen Termin beim Arbeitsamt zur Flucht. Sie gelang ihm. Bei Redaktionsschluss war der Mann noch auf freiem Fuß.

Seit Februar 2016 war der Mann, der vom Niederrhein stammt, im Heinsberger Jugendgefängnis in Haft. Nach Auskunft des stellvertretenden Anstaltsleiters Franz-Josef Bischofs befand sich der 18-Jährige gemeinsam mit einem weiteren Insassen und einem Begleiter der Heinsberger JVA in Aachen, weil er in der Arbeitsagentur einen psychologischen Test zu einer möglichen Arbeitsvermittlung nach der Haft absolvieren sollte. Dieser Test sei Teil einer vollzugsöffnenden Maßnahme, die routinemäßig vor einer möglichen Entlassung vorgenommen werde, so Bischofs. Doch während der zweite Insasse seinen Termin wie vereinbart absolvierte, büxte der 18-Jährige aus.

Großes Polizeiaufgebot vor der Aachener Agentur für Arbeit: Ein 18-Jähriger Straftäter war dort während eines Tests entkommen. Foto: Harald Krömer

Um kurz nach 10 Uhr ging ein Zug einer Polizei-Hundertschaft sowie mehrere Streifenwagenbesatzungen vor der Arbeitsagentur in Stellung. Sie umstellten nach Auskunft von Andreas Müller von der Polizeipressestelle das Gebäude, suchten es ab und kontrollierten für knapp zweieinhalb Stunden die ein- und ausgehenden Personen. Ergebnislos. „Die weitere Fahndung übernimmt jetzt der Streifendienst“, sagte Müller.

Großes Polizeiaufgebot vor der Aachener Agentur für Arbeit: Ein 18-Jähriger Straftäter war dort während eines Tests entkommen. Foto: Harald Krömer

Von dem Mann gehe keine Gefahr aus, betonte Franz-Josef Bischofs gegenüber den „Nachrichten“. Seine Haftstrafe lief ursprünglich bis August 2018, doch wegen guter Führung sei geprüft worden, ob er vorzeitig aus der Haft entlassen werden könnte. „Das ist nun natürlich hinfällig“, sagte Franz-Josef Bischofs, der dem Begleiter der beiden Häftlinge keinen Vorwurf machte. „Im Gegenteil, er hat sich an seine Aufgabe gehalten“, erläuterte Bischofs. Die beiden hätten sich nämlich in einem lockeren Vollzug befunden, in dem sie schrittweise wieder in das selbstständige Leben herangeführt werden sollten. Der begleitende Beamte, der unbewaffnet gewesen sei, sollte lediglich den Häftlingen Hilfestellungen geben.

Bischofs erinnerte an die spektakuläre Flucht, die einem Aachener JVA-Insassen im Januar 2016 während einer Ausführung ins Kölner Brauhaus Früh gelang. Die begleitenden Beamten hätten den Häftling damals ständig und unmittelbar bewachen sollen, beispielsweise auch auf der Toilette. „Das war im vorliegenden Fall anders“, der Beamte sollte die Häftlinge nur begleiten. „Wenn wir der Meinung gewesen wären, dass von dem 18-Jährigen Gefahr ausginge, hätten wir die Maßnahme so nicht vorgenommen“, sagte Franz-Josef Bischofs.

Gleichwohl musste er einräumen, dass man sich in dem 18-Jährigen offenbar getäuscht habe. „Auch wir können den Menschen nur vor den Kopf schauen“, sagte der stellvertretende Anstaltsleiter.

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