Strafprozess gegen jungen Mann aus Aachen

Nach Ausfällen muss er in die Psychiatrie : Randalierer funktioniert Spraydosen zu Brandsätzen um

Arne K. (32) musste sich am Mittwoch einer Entscheidung der 8. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht beugen: Für den Vorsitzenden der Kammer, Richter Hans-Günter Görgen, gehört der Beschuldigte, dem versuchte gefährlicher Köperverletzung und versuchte schwere Brandstiftung sowie Widerstand gegen Polizeibeamte vorgeworfen wird, nicht zu der Klientel, mit der sich eine Große Strafkammer des Landgerichts üblicherweise zu befassen hat.

Trotzdem: Arne K. muss vorerst in einer psychiatrischen Klinik verbleiben. Der Antrag seiner Verteidigerin, ihn auf Bewährung zu entlassen und in einem betreuten Wohnen unterzubringen, sah das Gericht als verfrüht an. Der Schutz der Allgemeinheit habe zweifellos Vorrang, stellte Richter Görgen fest.

Was war geschehen? Der 32-Jährige rastete am 14. September des vergangenen Jahrs auf dem Balkon seiner Wohnung an der Amyastraße völlig aus. Schuld sei eine Psychose, hatten Gutachter im Prozessverlauf bestätigt. Damit gilt der Täter als schuldunfähig und vorerst behandlungsbedürftig.

Doch der junge Mann war im September 2018 nicht zu ersten Mal unschön aufgefallen. Schon zuvor war er öfter pöbelnd durch die Stadt gezogen und hatte Passanten belästigt. Entsprechende Verfahren sind noch anhängig. Doch im September war seine Psychose völlig aus dem Ruder gelaufen.

Zunächst soll er, so hieß es in der Anklageschrift, vom Balkon aus obszöne Worte in Richtung einer Gartenanlage gerufen haben, in der Kinder spielten. Zwei Mädchen seien entsetzt gewesen, als K. laut Staatsanwaltschaft vom Balkon aus sein Geschlechtsteil gezeigt haben soll. Im Prozess wurde dieser Punkt außer Acht gelassen, da der Beschuldigte diese Tat leugnete und die Richter die Kinder durch Befragungen nicht weiter belasten wollten.

Doch das, was dann anschließend an dem 14. September passierte, war eine handfeste Auseinandersetzung mit der Polizei. Als die Beamten in die Wohnung des Mannes eindrangen, hatte dieser sich drei Spraydosen mit Reinigungsflüssigkeiten zu recht gelegt und sie mit einem Küchenmesser aufgeschlitzt. Er warf die zischenden Dosen in Richtung der Polizisten. Die zu Brandsätzen umfunktionierten Dosen habe er mit einem brennenden Taschentuch entflammt. Das Feuer breitete sich im Flur des Appartements aus, die Tapete fing Feuer.

Er habe zwischen sich und den Polizeikräften „eine Flammenwand“ errichten wollen, hatte K. anschließend erklärt. Bereits nach kurzer Zeit seien Wohnung und Hausflur völlig verraucht gewesen, die oberen Geschosse mussten von der Polizei geräumt werden. Die löschte mit Hilfe ihrer Feuerlöscher aus den Einsatzwagen den Brand schnell selber. Am Ende konnten sechs Beamte den Randalierer auf seinem Balkon festnehmen. Er wird nun behandelt und kann bei einer Besserung seiner Krankheit auch wieder entlassen werden.

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