Aachen: Straffälligenhilfe fürchtet um Betreuung der Ehrenamtler

Aachen: Straffälligenhilfe fürchtet um Betreuung der Ehrenamtler

Soziale Kompetenz, den Willen zu helfen und viel Zeit müssen die etwa 100 Mitarbeiter des Arbeitskreises Straffälligenhilfe haben, die als Ehrenamtler in der hiesigen Justizvollzugsanstalt tätig sind. Die Aktivitäten werden bereits seit 1996 durch die Straffälligenhilfe koordiniert.

Ihr Geschäftsführer Martin Czarnojan richtete jetzt allerdings einen dringenden Appell an die Landesregierung, die seit Jahren immer weniger werdenden Mittel gerade für das Ehrenamt nicht weiter zu beschneiden. Aktuell in die Bredouille bringt den Verein, wie vielleicht auch noch andere in NRW, die verzwickte Lage, dass der Haushalt des Landes „in einer prekären Situation”, wie Czarnojan das nett umschriebt, ist. Denn falls das Verfassungsgericht des Landes den Haushalt sperrt, komme der Verein in echte Probleme. „Unsere Mitarbeiterin für die Betreuung der Ehrenamtler, Catrin Brust, ist jetzt bereits auf einer halben Stelle. Angesichts der momentanen Situation müssten wir ihr eigentlich kündigen.”

Doch die Arbeit der Ehrenamtler wie Monika Frank, Stefan Poppe und Willi Souvignier, die bei der Pressekonferenz des Vereins anlässlich des „Europäischen Jahrs der Freiwilligentätigkeit” anwesend waren, sind unverzichtbar in der Haftanstalt, nicht umsonst, so Czarnojan, gebe es eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit des Vereins mit der Anstaltsleitung. Zum Beispiel betreut Monika Frank in der Abteilung der Untersuchungsgefangenen ein Spieleprojekt. „Es kommt auf die menschliche Begegnung an”, erklärt die Helferin den Sinn der alle 14 Tage stattfindenden Gruppen. In anderen Angeboten, bei denen etwa Willi Souvignier mitmacht, sollen Gefangene auf ihre anstehende Entlassung vorbereitet werden. Insbesondere bei den in Aachen in einer hohen Prozentzahl vertretenen Langhaftler ist das eine verdienstvolle Aufgabe.

Denn spätestens seit dem spektakulären Prozess um die Flucht der Häftlinge Heckhoff und Michalski wurde der Öffentlichkeit vor Augen geführt, dass Gefangene eine Perspektive brauchen, egal, wie lange sie noch zu sitzen haben. So machten die Ehrenamtler unmissverständlich klar, dass die sinnvolle Arbeit in der Justizvollzugsanstalt ohne eine fachfrauliche Koordination im Verein Schaden leiden werde.

Beratung und Rückendeckung

Catrin Brust: „Für die Ehrenamtler vor Ort ist es oftmals sehr wichtig, in brenzligen Fragen etwa Beratung und Rückendeckung durch den Verein zu bekommen.” Denn klar sei, dass die Klientel in der Anstalt die Helfer manches Mal für eigene Zwecke einzusetzen versuche, da müssten dann Grenzen beachtet werden. Andererseits wüssten die Gefangenen oftmals nichts über ihre Rechte wie über ihre Pflichten, da müsse dann beraten werden. Zu diesem Zweck stelle man jetzt in Aachen eine Checkliste für die Häftlinge zusammen, einen Aachener JVA-Führer sozusagen.

Damit das alles weitergehen kann, mahnt Czarnojan nicht nur beim Land ausreichende Mittel an: „Auch die Stadt und die Städteregion sind hier gefordert.”

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