Stolberger Arndt Kohn will Platz im Europaparlament verteidigen

Europawahl am 26. Mai : „Wir müssen weiter für Europa kämpfen“

Ein perfektes Beispiel dafür, wie Europa bei den Menschen Wirklichkeit wird? Das sei der Vichter Dorfladen. Dieser Meinung ist zumindest Arndt Kohn. Seit 2017 ist er für die SPD Mitglied des Europäischen Parlaments und will das nach der Wahl auch bleiben.

Warum er sich für Europa engagiert? Und was ihn an der EU so bewegt? Dazu später mehr. Zunächst einmal zurück zum Vichter Dorfladen.

Dass der Stolberger dort in einer Pause während des Wahlkampfes eine Tasse Kaffee und ein Brötchen genießen kann, sei nur wegen der EU möglich. Angefangen hatte damals alles mit einer Bürgerbefragung, in der sich die Menschen aus dem Stolberger Stadtteil für den Dorfladen aussprachen. Finanziert wurde dieser dann unter anderem von EU-Geldern. „Ohne Förderung würde es den Dorfladen heute nicht geben“, sagt Kohn.

Europa liegt dem 38-Jährigen am Herzen – und das nicht erst seit gestern. „Wir in der Euregio haben Europa einfach im Blut. Wir können nach Belgien fahren, um dort Fritten zu essen, oder in den Niederlanden einkaufen“, sagt er. Doch es habe auch andere Zeiten gegeben. Das weiß Kohn, der selbst Verwandtschaft in der Wallonie hat, vor allem aus Erzählungen seines Vaters. „Wenn er bei seinem Vetter gespielt hat, ist er noch beschimpft worden. Inzwischen interessiert es nicht mehr, wer im Dreiländereck mit wem im Sandkasten spielt.“

Wahlbeteiligung wichtiger denn je

Heute sei man viel sensibler, was das Thema Europa angehe. Das stellt Kohn vor allem bei jungen Menschen immer wieder fest. Dennoch: „Europa ist für viele Menschen selbstverständlich. Es ist selbstverständlich geworden, dass wir mit nur einer Währung zahlen. Aber das, was die Demokratie mit sich bringt, müssen wir auch in Anspruch nehmen. Dafür wurde in der Vergangenheit gekämpft, und dafür müssen wir auch in Zukunft weiterkämpfen“, sagt Kohn und spielt damit auch auf den Urnengang am 26. Mai an.

Die Beteiligung an der Wahl sei wichtiger denn je, denn die Gefahr, dass rechtspopulistische Regierungen an die Macht kämen, sei größer geworden. „Wir müssen uns aber die Frage stellen, ob uns Nationalisten und Populisten wirklich weiterbringen, oder ob es nicht besser wäre, gemeinsam Lösungen zu erzielen“, meint der 38-Jährige.

Seit zwei Jahren ist Kohn als Europaabgeordneter tätig – als Nachrücker für Martin Schulz. Von montags bis donnerstags arbeitet er in Brüssel, freitags bis sonntags ist Kohn dann in seinem Wahlkreis – dem Regierungsbezirk Köln – unterwegs. „Das ist mehr als ein Full-Time-Job“, sagt er und lacht. Auch in der Stolberger Politik hat er Aufgaben übernommen, ist Mitglied des Stadtrats und Vorsitzender des Kinder- und Jugendausschusses.

„Ausführlich informieren“

Sollte er erneut gewählt werden, will sich Arndt Kohn dafür einsetzen, dass die Menschen in der Euregio noch näher zusammenrücken – beispielsweise in Sachen Wirtschaftsförderung oder im Bereich der Hochschulen. „Wir müssen aufhören mit dem Kirchturmdenken“, fordert der Stolberger.

„Europa nicht nach vorne zu bringen, kann nicht das sein, was wir wollen“, ist er sicher und legt jedem nahe, sich vor der Stimmabgabe ausführlich über die Parteien und ihre Vorhaben zu informieren. Denn: „Wer nicht wählt, kann sich sicher sein, dass sein Willen nicht bedacht wird“, sagt Arndt Kohn.

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