Aachen: Stimmung am Neumarkt: „Der liebe Gott ist Frankenberger!“

Aachen: Stimmung am Neumarkt: „Der liebe Gott ist Frankenberger!“

„Der liebe Gott ist Frankenberger!“ ertönt es aus den Lautsprechern am Neumarkt. Auf der Bühne steht Hans-Dieter Jurewicz, Sprecher der Frankenberger Interessengemeinschaft und Mitorganisator der traditionellen Karnevalsfete im Viertel. Jurewicz strahlt bis über beide Ohren — denn das Wetter spielt mit. Auf dem Neumarkt versammeln sich immer mehr jecke Schaulustige, unter ihnen auch Bewohner des Vinzenz-Heims, „für sie lassen wir immer vorne etwas mehr Platz“, erklärt Jurewicz.

Zusammen mit den K.K. Oecher Storm veranstaltet die IG Frankenberger-Aachen.de schon im 20. Jahr die Open-Air-Karnevalssitzung. Das Programm ist vielfältig: vom Königlichen Spielmannszug Walhorn/Belgien über das Dreigestirn aus Lichtenbusch bis hin zum Öcher Prinzen Thomas II. mit Hofstaat und Prinzengarde.

Oecher Storm auf dem Neumarkt

Und dennoch: Jurewiczs Highlight des Karnevalssamstags ist ein ganz anderes. „Dass man mit allen Frankenbergern schön zusammen feiern kann! So richtig mit dem Viertel feiern!“, schwärmt der IG-Sprecher. Unter den vielen Gästen ist auch Wilhelm Leymann — ganz unscheinbar und ohne Kostüm. Den Leymann kennt hier jeder, nicht zuletzt, weil er Ehrenkommandant des Oecher Storm ist und vor Jahren einst zum Öcher Karnevalsprinzen gekürt wurde. Der 71-Jährige steht ganz vorne an der Bühne und schaut sich stolz den Aufmarsch des Oecher Storm und des Königlichen Spielmannszugs an. „Da kommt ja der Leymann-Clan“ grinst er und zeigt auf seine Tochter, seinen Schwiegersohn und seinen Enkel. „Fast jeder aus meiner Familie macht aktiv beim Karneval mit“, erzählt Leymann.

Jecke Tön im Frankenberger Viertel: Die Oecher Troubadoure sorgen für Stimmung auf dem Neumarkt. Foto: Heike Lachmann

Gegen 14 Uhr neigt sich das Programm dem Ende zu — doch echte Neumarkt-Karnevalisten feiern auch dann noch weiter: „Wir haben ja eine sehr gesunde Kneipenkultur im Frankenberger Viertel“ grinst Jurewicz in vorbildlich gelassener Feierlaune.

Jeckes Programm bei Minusgraden: Die Hooreter Jonge und ihre Tanzmarie sorgen für Stimmung auf dem Haa­rener Markt. Foto: Heike Lachmann

Kornelimünster knatschjeck

Gruppenbild mit viel karnevalistischem Nachwuchs: In Laurensberg schätzt man den Freiluftkarneval vor der eigenen Haustür. Foto: Martin Ratajczak

Es war einmal ein Narrenschiff, das im Jahr 1133 in Kornelimünster losfuhr. Es soll die Geburtsstunde des Karnevals gewesen sein — der soll nämlich hier seine Wurzeln haben. „Und das ist historisch bewiesen!“, erklärt Vereinspräsident Manfred Arnold am Karnevalssamstag auf dem Korneliusmarkt. Wir schreiben das Jahr 2013 — deshalb heißt es in dieser Saison: 11 x 80 Jahre Orjenel Mönster Jonge. Ob die Sage nun stimmt oder nicht — der Andrang spricht für sich. „Es ist immer erstaunlich, dass so viele Leute kommen — ob es regnet oder schneit — sie halten uns die Treue“, freut sich Arnold.

Unzählige Jecke füllen den Marktplatz, sie schlürfen Glühwein und Bier, essen Erbsensuppe und Würstchen, schunkeln sich warm — unter ihnen viele junge Leute. „Wir legen sehr viel Wert auf die Jugend“, erklärt Arnold. In Kooperation mit der Walheimer KG zählen die Mönster Jonge 65 Tänzerinnen, glänzen sowohl mit einer Bambini- als auch einer Kinder- und Jugendgarde.

Auf dem Korneliusmarkt findet man lauter Besonderheiten — so fängt die traditionelle Marktsitzung ganz untraditionell schon um halb elf Uhr morgens an. Beim Einmarsch werden die Mönster Jonge von Grün-Weiß Lichtenbusch begleitet; den ersten Gastauftritt haben die Schwarz-Blauen Funken, die von ihrer Präsidentin Trudi Hannappel angeführt werden und dank Gebärdensprache-Dolmetscher den Karneval auch für Gehörlose zugänglich machen. Fazit: Die Mönster Jonge bleiben mit ihrem bunten Programm definitiv ‚Orjenale’ — ganz gleich, ob seit 1133 oder 1971.

Haarener Markt in Grün

Der Haarener Markt erblüht in strahlendem Grün — und das trotz Schnee und Minustemperaturen. Zu verdanken haben es die Haarener Einwohner den Hooreter Jonge, die in ihren grün-schwarz-weißen Kostümen den Karnevalssamstag feiern und die jecken Anwohner einladen.

Doch wie kriegt man als Karnevalsverein jeden Saal und Platz voll? Die Hooreter Jonge kombinieren ganz einfach Tradition und Trend. Für die Tradition sorgen Vereinsmitglieder wie Vizepräsident Jürgen Pieper, der schon seit 17 Jahren dabei ist, oder Vorsitzender Hans Thoma, der sogar seit 28 Jahren zu den 35 aktiven Mitgliedern zählt. Für sie ist es wichtig, dass die Haarener „gemeinsam traditionell Karneval feiern“, betont Pieper am Karnevalssamstag auf dem Haarener Markt. „Am meisten macht es aber Spaß, wenn das Publikum mitmacht“, ergänzt Thoma.

Für den Trend sorgen die acht neun- bis 16-jährigen Mitglieder des Vereins mit dem angesagten Gangnam Style. Und wer glaubt, dass nur die Jugend mitmacht, der irrt gewaltig: „Wir tanzen alle den Gangnam Style!“, lacht Pieper, „So lange die Knochen mitspielen, werden wir ihn tanzen!“

Auf dem Haarener Markt beginnt um elf Uhr elf der Volkskarneval. Die Frauen verteilen Kaffee und Glühwein, die Gäste schunkeln zu der Musik der Hooreter Jecken. „Wenn man den ganzen Aufwand betrachtet, muss man gestehen: Das funktioniert nicht ohne die Frauen“, lobt Pieper die Helferinnen des Vereins. Unterdessen treten neben den Hooreter Sternchen auch Manuela I aus Richterich und Tanzmariechen Lorena Thoma auf. Das Männerbalett de Mösch und die Narren Gilde heizen die Stimmung auf, bis auch Prinz Thomas II die Bühne betritt.

„Tage wie diese“ in Laurensberg

Karneval vor der Haustür kommt gut an, so auch der Straßenkarneval in Laurensberg vor dem Bezirksamt an der Rathausstraße. Mit viel Schwung eröffnen die Grenzland-Trompeter Aachen traditionell den Vormittag. Moderator Peter Mehring begrüßt die Jecken vor dem Alten Rathaus. Von Minute zu Minute werden es mehr, denn plötzlich zeigt sich Petrus als Karnevalist und lässt die Sonne scheinen. Die KG Horbacher Freunde sind in voller Mannschaftsstärke nach Laurensberg gekommen, ebenso wie die KG Vaalserquartier. Auch Helga Efes, Vorsitzende der IG Laurensberger Vereine, und Bezirksbürgermeister Christian Krenkel schunkeln in den Reihen der Närrinnen und Narren mit.

Für viele Narren ist der Besuch der Aachener Tollität Prinz Thomas II. der besondere Höhepunkt — und der Narrenherrscher wird nicht ohne eine Zugabe entlassen. So richtig Schunkelstimmung verbreiten de Spetzbouve, bevor die strahlende Prinzessin Manuela I. mit der KG Koe Jonge Richterich einmarschiert. Die Gesellschaft präsentiert ihr ganzes rund halbstündiges Sessionsprogramm, das von den Liedern ihrer Lieblichkeit Manuela gekrönt wird. „An Tagen wie diesen“ singt sie, und manch ein Jeck wünschte sich, dass dieser schöne Tag noch länger dauert, aber nach rund vier Stunden geht der Straßenkarneval in die örtliche Kneipe über.

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