Aachen: Stiftung sichert die Zukunft von St. Ursula

Aachen: Stiftung sichert die Zukunft von St. Ursula

1848, im Jahr der bürgerlich-revolutionären Erhebungen in Europa, gründeten die Ursulinen vom Calvarienberg eine Armen-Bewahrschule und eine Fabrikschule in Aachen. Bildung für die Kinder armer Leute, besonders für Mädchen, war ihr Ziel. Aus diesen Anfängen entstand das private Mädchen-Gymnasium St. Ursula. 166 Jahre später wird am Bergdriesch ein neues Kapitel in der Schulgeschichte aufgeschlagen.

Zum 1. Januar 2014 hat die Ursulinenkongregation Calvarienberg-Ahrweiler die Schule an die neu gegründete „Schulstiftung St. Ursula Aachen“ übertragen. Die Stiftung ist nun Trägerin der Schule.

Am Freitag stellten sich Kuratorium und Vorstand der Schulstiftung vor und erläuterten Hintergründe dieses ungewöhnlichen Schritts. Schulleiter Patrick Biemans und seine Vorgängerin Josefine Marsden bilden den Vorstand der Stiftung. „Wir sind eine katholische Mädchenschule“, betonte Biemans, „und daran wird sich nichts ändern.“ Auch das Profil der Schule bleibe erhalten. Die neue Stiftung sei aber Garant für den Erhalt des einzigen Mädchen-Gymnasiums in Aachen und Umgebung. So könne die Tradition der Mädchenbildung, für die die Ursulinen stets sehr gekämpft haben, langfristig fortgeführt werden.

Nur noch 43 Schwestern

Wie alle Ordensgemeinschaften leidet auch die Ursulinenkongregation unter Nachwuchsmangel. Nur noch 43 Schwestern leben aktuell in den drei Häusern des Ordens. „Das rechtliche Gebilde einer Trägerstiftung ermöglicht es, das Leitbild der Schule weiterzutragen, selbst wenn es den Orden irgendwann nicht mehr gibt“, erläuterte Rechtsanwalt Edgar Stein.

Er gehört als juristischer Beirat dem Kuratorium an, zusammen mit Sr. Maria Monheim, der Generaloberin des Ordens, der Schulbeauftragten Sr. Veritas Albers, Generalprokuratorin Sr. Irmgard Carduck sowie Benedict Borggreve als wirtschaftlichem Beirat. Der Orden habe sich zu einer Zeit zur Umstrukturierung entschieden, in der die Schwestern diesen Prozess noch personell begleiten können, erklärte Stein anerkennend.

„Diese Entscheidung des Ordens für den Erhalt der Schule ist ein echtes Geschenk“, freute sich Vorstandsmitglied Josefine Marsden. „Wir sind dankbar, dass die Schule einer Stiftung übertragen wurde. Die Ursulinen geben Besitz ab, und wir übernehmen jetzt Verantwortung für die Schülerinnen.“ Rund 630 Mädchen besuchen derzeit das Gymnasium.

Alle notwendigen Genehmigungen für den offiziellen Trägerwechsel liegen längst vor, versicherte Schulleiter Biemans. Vom Bistum Aachen und von der Stadt Aachen erfahre man große Zustimmung.

Der „operative Geschäftsbetrieb“, erläuterte Wirtschaftsfachmann Benedict Borggreve, sei in Trägerschaft der Stiftung zu 100 Prozent gesichert. 94 Prozent werden vom Land refinanziert, den sechsprozentigen Eigenanteil des Trägers übernimmt, wie schon seit 2002, auch weiterhin die Stadt Aachen. Investitionen in die Schule, sagt Borggreve, müsse künftig die Schulstiftung stemmen. Deshalb sind jetzt und auch in Zukunft Zustiftungen sehr willkommen.

Die Übergabe der Schule an eine Stiftung sei ein „Pilotprojekt“, hieß es. Die Ursulinenkongregation betreibt noch vier weitere Schulen, zwei Gymnasien und zwei Realschulen. Wenn der Testlauf in Aachen so erfolgreich bleibt, wie er gestartet ist, seien auch für die anderen Schulen Stiftungsmodelle denkbar, sagt die Generaloberin.

Schwester Veritas Albers nutzte das Pressegespräch auch für eine kleine Reise durch die Schulgeschichte. „Unsere Schule in Aachen hat für die Frauenbildung enorm viel geleistet. Wir hoffen, dass diese Tradition mit der Trägerstiftung weitergeht.“ Als die Ursulinen erstmals nach Aachen kamen, erinnerte sie, sei das der Stadt so wichtig gewesen, dass man dem Orden Haus und Hof zur Verfügung stellte. „Und jetzt machen wir eine große Geste und geben der Stadt etwas zurück.“ Auch Sr. Irmgard Carduck, immerhin die „Finanzministerin“ des Ordens, ist zuversichtlich. Die Stiftung sei eine Ewigkeitsanlage, hieß es.