Aachen: Steinmetze sind Bildhauer, Gestalter, Restauratoren

Aachen: Steinmetze sind Bildhauer, Gestalter, Restauratoren

Pflegebefreite Grabstätten, die dennoch Raum lassen für individuelle Gestaltung sind laut Jörg Frechen, stellvertretender Obermeister der Aachener Steinmetz- und Bildhauerinnung, die Zukunft auf unseren Friedhöfen. Doch neben Grabsteinen und Stelen hat das Steinmetzgewerk noch eine Menge mehr zu bieten.

Eine Ausstellung der Innung zeigt derzeit in der Sparkasse am Elisenbrunnen, was alles aus der Hand der Steinmetze und Bildhauer entstehen kann. Beeindruckend dabei ist nicht nur das lebensgroße Krokodil im Kreativbereich. Auch in der Innenausstattung kommt Naturstein gut zur Geltung, und als Fassadenstein bietet er weitere Gestaltungsmöglichkeiten. Und dann ist der Steinmetz natürlich auch Restaurator alter Kunstschätze. Gezeigt wird hier unter anderem eine Fischblase, eine geschwungene Ornamentform, aus einem alten Kirchenfenster.

„Wir wollen das Leistungsspektrum des Gewerks zeigen“, meint Bundesinnungsmeister Gustav Treulieb. Von den Veränderungen der Bestattungskultur auf den Friedhöfen seien alle Betriebe betroffen. Von Blankenheim bis Erkelenz sind in der Innung Aachen 34 Betriebe vertreten. Die meisten haben weniger als zehn Mitarbeiter. Vor allem im Bereich der Grabmale müssen sie sich an den Wünschen der Hinterbliebenen orientieren, um den Anschluss nicht zu verlieren. Dies ist laut Innungsmitglied Karl Goffart die große Herausforderung für die Zukunft. Und so hat sich in Sachen Grabgestaltung in der Vergangenheit bereits einiges getan. „Verdetomba“ heißt eine Grabstätte, die die Möglichkeit bietet, einen Stein und Dekoration zu platzieren, das Grab aber ansonsten als Rasenfläche zu belassen, die dann von der Stadt gepflegt wird. Nach Meinung von Jörg Frechen ist ein „Verdetomba“ die ideale Lösung: Es stille das Bedürfnis nach einer individuellen Grabstätte, sei dabei aber mit einer Befreiung von der Pflege verbunden.

Unter dem Titel „Ruhe sanft, aber wo denn bitte?“ lädt die Innung am Donnerstag, 6. Februar, um 18 Uhr in den Terrassensaal der Erholungsgesellschaft, Reihstraße 13, zu einer Podiumsdiskussion ein. Die Innung geht davon aus, dass es eine sehr kontroverse Veranstaltung werden wird. „Denn so mannigfaltig wir im Leben geworden sind, so mannigfaltig sind wir im Tod“, meint Goffart.

Die Ausstellung in der Sparkasse am Elisenbrunnen kann noch bis zum 6. Februar besucht werden. Sie findet im Rahmen der Obermeistertagung des Bundesverbandes des Deutschen Steinmetzhandwerks statt.