Aachen: Steine in der Ursulinerstraße sind Steine des Anstoßes

Aachen: Steine in der Ursulinerstraße sind Steine des Anstoßes

„Was sind das für komische Klötze?” Ein junger Mann stellte seiner Begleiterin Ecke Münsterplatz verwundert diese Frage. Ein paar Meter weiter und er wusste Bescheid. Auf den merkwürdigen Klötzen in der neuen Ursulinerstraße saßen Passanten und genossen die erste wärmende Sonne und das Auf und Ab des Menschenstroms.

Zum Sitzen sind die in Gruppen oder einzeln postierten Klötze denn auch da. Aber kaum platziert, sind die Steine schon Steine des Anstoßes - in des Wortes doppelter Bedeutung.

Die neue Flaniermeile Ursulinerstraße ist entlang der Geschäfte von der Ecke Buchkremerstraße bis zum Münsterplatz mit 15 grau-blauen Granit-Würfeln ausstaffiert. Ob die 30 Zentimeter hohen Dinger Zierde oder gar Kunst sind, mag jeder für sich ausmachen. Fußgänger jedenfalls nehmen sie als Sitzsteine an und genießen von dort den schönen Blick auf den Elisengarten oder den Dom. Es gibt aber auch schon Proteste.

So fordert die SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung Aachen-Mitte, die Steinwürfel „unverzüglich zu entfernen”. Die SPD begründet ihren Antrag mit den Richtlinien zum „Barrierefreien Bauen”. Vor zwei Wochen erst hatte sich die Bezirksvertretung damit beschäftigt. Die Richtlinien befassen sich auch mit den „Hindernissen auf Gehwegen”. Gerade erst schlau gemacht, ist für die SPD klar: „Die Steinwürfel im Fußgängerbereich stehen eindeutig im Widerspruch zu den Ausführungen zum barrierefreien Bauen.” Die Stadt müsse „schnellstens handeln” und die Hindernisse „sofort entfernen”.

In den zuständigen Gremien des Stadtrats waren die Ausbaupläne für die neue Fußgängerzone Ursulinerstraße einstimmig über die Bühne gegangen. Auch die „steinernen Sitzwürfel ohne jegliche Größenangabe” (SPD) hatte niemand beanstandet. Das aber, so die SPD, bedeute nicht, dass die Steine nun aufgestellt bleiben müssten, wenn es neue Erkenntnisse zum barrierefreien Bauen gebe. Sollte die Verwaltung die Würfel lediglich platziert haben, um in der neuen Fußgängerzone das illegale Parken zu verhindern, seien die Steine dafür ungeeignet.

Der RWTH schenken

Die SPD präsentiert auch eine Idee, wo die Granithocker ihren Zweck besser erfüllen könnten als in der Ursulinerstraße. „Man könnte sie der RWTH schenken, um sie auf dem großen Vorplatz vor dem Super C als zusätzliche Sitzgelegenheit für die Studierenden aufzustellen”, schlagen Fraktionssprecherin Marlies Diepelt und der stellvertretende Bezirksvorsteher Heiner März vor.

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