Aachen: „Start with a Friend“: Freunde finden, nicht bloß Fremden helfen

Aachen : „Start with a Friend“: Freunde finden, nicht bloß Fremden helfen

Eine Sprache lernen, die notwendigen Behördengänge erledigen und einen Job finden ist das eine. Freundschaften schließen, ein privates, soziales Netzwerk aufbauen und sich in einer neuen Stadt zuhause fühlen, etwas anderes. Ahmad Abdulhai aus Syrien, der seit Oktober 2015 in Deutschland ist, weiß das — und ist auch heute noch sehr froh darüber, dass er vor etwas über einem Jahr die Initiatoren von „Start with a Friend“ Aachen (Englisch für: Beginne mit einem Freund) kennengelernt hat.

Die junge Initiative will Geflüchtete und Einheimische, die sogenannten „Locals“ zusammenbringen, und zwar als sogenannte Tandems. Kurzum: Zwei Leute treffen sich immer dann, wenn sie Zeit haben, und unternehmen das, worauf sie Lust haben. Mehr als 100 Mal hat das in Aachen schon geklappt.

Ganz flexibel mithelfen

„Ich hatte mich unbedingt in der Flüchtlingsarbeit engagieren wollen“, erklärt Mona Plate, eine der Initiatorinnen von „Start with a Friend“ in Aachen. Sie habe auch in einer Flüchtlingsunterkunft mitgeholfen. Das habe aber von der Zeit her nicht wirklich gepasst, erklärt die dreifache Mutter. Dass man sich bei Start with a Friend ganz flexibel mit seinem Tandempartner treffen könne, habe sie überzeugt.

Das Prinzip, das die Initiative so erfolgreich umsetzt, ist ganz simpel: Sowohl Geflüchtete als auch „Locals“ füllen zunächst eine Art Fragebogen aus, in dem sie auf Freizeitaktivitäten und ihr Zeitbudget eingehen. „Wir schauen, wer zusammenpassen könnte, und arrangieren dann ein erstes Treffen“, sagt Mona Plate. Auch nach dem ersten Zusammentreffen der beiden Tandempartner stünde das Team weiterhin als Helfer zur Seite. Das Team — das ist eine rund zwölfköpfige Gruppe, zu der auch Ahmad Abdulhai inzwischen gehört: als interkultureller Vermittler.

„Viele der Einheimischen haben viele Fragen, wenn sie sich zum ersten Mal mit ihrem Tandempartner treffen“, sagt der junge Syrer. Beispielsweise würden sich Deutsche oft unwohl dabei fühlen, wenn ihr Tandempartner sie einladen wolle. Ahmad Abdulhai lacht: „Das ist in arabischen Kulturkreisen ganz normal und wird ohne Hintergedanken gemacht. Man kann sich ruhig einladen lassen.“ Aber auch andere Fragen stünden oft im Raum: „Muss“ ich meinen Tandempartner nach Hause einladen?

Mona Plate schüttelt den Kopf: „Für ein erstes Treffen empfehlen wir immer ein Café oder einen anderen öffentlichen Treffpunkt.“ Und wie es danach für ein Tandem weitergehe, sei ganz unterschiedlich. „Es sind wirklich enge Freundschaften entstanden“, sagt sie. Andere Bekanntschaften seien eher locker geblieben, und einige Tandems hätten sich auch, wenn es aus irgendwelchen Gründen nicht gepasst hat, irgendwann aufgelöst. Oft unternehme die ganze Gruppe auch etwas gemeinsam: Man trifft sich zum Kochen, im Sommer wird auch öfter mal der Grill ausgepackt.

Die Menschen, die sich über „Start with a Friend“ kennenlernen, seien in der Regel zwischen 18 und 38 Jahre alt, sagt Mona Plate. Viele seien Studenten — eine Gruppe, die ohnehin recht offen ist für neue Kontakte. Aber auch Berufstätige seien unter den Aktiven. „Wir freuen uns über jeden Local, der bei uns mitmachen möchte“, betont Mona Plate, nicht nur aus der Stadt Aachen, sondern auch aus der Städteregion, beispielsweise Eschweiler oder Stolberg. Wichtig seien Offenheit und ein wenig freie Zeit und natürlich Toleranz.

Die Geflüchteten, die sich melden, seien meistens schon „irgendwie angekommen“, sagt Mona Plate: „Das sind Menschen, die Anschluss suchen und sich zuhause fühlen wollen.“ Und „Start with a Friend“ ist dafür da. Das Konzept ist beliebt, es gibt sogar eine Warteliste. „Mir hat das unglaublich geholfen“, sagt Ahmad Abdulhai, seine Tandempartnerin hätte ihn sehr herzlich begrüßt und ihn in ihren Freundeskreis aufgenommen. „Mittlerweile kenne ich richtig viele Leute in Aachen, das ist großartig“, sagt er und lächelt.

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