Aachen: Start mit der Zentrale im Wohnzimmer

Aachen : Start mit der Zentrale im Wohnzimmer

Sabine Bielfeld hatte vor fünf Jahren eine Idee: Sie wollte sich professionell um alte Leute kümmern, Dinge tun, für die dem normalen Pflegedienst während seiner täglichen Arbeit keine Zeit bleibt.

Ihrer Idee gab Bielfeld den Namen „Seniorenhilfe im Alltag” und als Sitz ihres mobilen Betreuungsdienstes richtete sie im eigenen Wohnzimmer eine Zentrale ein. Doch seit 2005 ist das im Rahmen des EU gestützten Existenzgründungsprogramms „Next-AC” geförderte Kleinprojekt zu einer Firma mit drei festangestellten und zwei ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen angewachsen. Das heimische Wohnzimmer wich einer freundlich hellen Geschäftsstelle in der Verlautenheidener Straße, und der Kundenstamm hat sich auf jetzt zwölf alte Damen vergrößert.

Solche Erfolgsgeschichten hört Oberbürgermeister Marcel Philipp gerne und stattete der Unternehmerin einen Besuch ab: „Für uns als Stadt sind solche Unternehmen immer sehr interessant, wir erleben die Stimmungslage hautnah, können lernen, aber auch unterstützen, indem wir vorhandene Netzwerke anbieten und neue Kontakte herstellen.”

Darüber zeigte sich Bielfeld hoch erfreut, denn ihr Angebot werde im Raum Aachen zwar gut angenommen, sich gegen die Konkurrenz zu behaupten, sei dennoch nicht einfach. Gerne würde die mutige Existenzgründerin ihr Unternehmen etwas vergrößern, auch um in Zukunft vielleicht noch besser wirtschaften zu können. Der „sportlich kalkulierte Stundenlohn”, wie Philipp das Stundenhonorar nannte, reiche gerade, um kostendeckend zu arbeiten. Und arbeiten können die drei Halbtagskräfte, die, wie Bielfeld betont, alle über 40 Jahre alt sind.

Dieses Alter sei ein Einstellungskriterium gewesen, da die Frauen dann doch schon mehr Geduld und Erfahrung im Umgang mit alten Leuten mitbrächten. So hat jede Angestellte ihren festen Kundenstamm, hilft bei den täglichen Hygieneverrichtungen, liest vor, spielt Gesellschaftsspiele oder begleitet zum Arzt. „ Wir bieten auch einen Einkaufsdienst an, aber oft hören wir einfach nur zu, wenn die alten Leute erzählen”, weiß Sabine Fischer, die von Anfang an dabei ist. Daher kennt sie auch noch die Schwierigkeiten, die es anfänglich zu meistern galt: „Da haben wir nicht nur die alten Leute, sondern auch unsere Chefin wieder aufgebaut, wenn sie meinte, es geht nicht mehr weiter”.

Weiter gehen tut es bei der „Seniorenhilfe im Alltag” jedoch mittlerweile ständig. Bielfeld kämpft zur Zeit um eine Honorierung ihrer Tätigkeit bei den Krankenkassen, steht mit der Bezirksregierung in Düsseldorf in Kontakt wegen eines Betreuungsgeldes oder bemüht sich um Kooperationspartner. Da ist sie auch fündig geworden und arbeitet jetzt mit einem Sanitätshaus und einer Apotheke zusammen, um direkt Leistung aus einer Hand anbieten zu können.

Philipp bietet Hilfe an

Hilfe möchte auch Philipp anbieten, um den Betrieb zu stützen: „Die Gesellschaft wird immer älter, und es gibt immer mehr alte Menschen, die betreut werden müssen. Dieses Berufsfeld ist aber noch viel zu sehr von Schwarzarbeit dominiert, da haben wir als Stadt natürlich ein Interesse daran solch einen Betrieb wie die Seniorenhilfe zu unterstützen”.