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Aachen: Starke Hilfe für Menschen, die vor Gericht aussagen müssen

Aachen : Starke Hilfe für Menschen, die vor Gericht aussagen müssen

Wenn Zeugen oder Opfer vor Gericht erscheinen müssen, dann standen sie in der Vergangenheit mit ihren Ängsten und Sorgen oft alleine da. Seit Anfang des vergangenen Jahres haben sie nun einen Rechtsanspruch auf eine psychosoziale Prozessbegleitung. In Aachen haben sich die Beratungsstellen ABK Neustart (Nachfolgeorganisation der Straffälligenhilfe Aachen) und Rückhalt (ehemals Frauennotruf Aachen) zusammengeschlossen, um in einem Verbund die entsprechenden Grundlagen zu schaffen.

Mit einem Kooperationsvertrag wollen sie ihre Zusammenarbeit auch für die Zukunft bekräftigen. Im sogenannten Aachener Verbund stehen inzwischen insgesamt vier Prozessbegleiterinnen zur Verfügung, die sich in einer entsprechenden Fortbildung an der Uni Düsseldorf intensiv für die neuen Aufgaben qualifiziert haben.

Gerade bei ABK Neustart hat sich der Aufgabenkatalog entsprechend erweitert. Zwar sei „Täterarbeit“ immer auch „Opferarbeit“, wie Martin Czarnojan, Fachbereichsleiter bei ABK Neustart, betont, aber dieser fokussierte Blick auf das Opfer sei neu. Inzwischen wurden bereits erste Erfahrungen in der Prozessbegleitung gesammelt. Laut Czarnojan kommt sie bei den Opfern sehr gut an. „Sie sind sehr dankbar und betonen, dass sie ohne diese Unterstützung nicht zurechtgekommen wären“, erzählt er.

Vor allem besonders schutzbedürftige und minderjährige Opfer, aber auch Zeugen können einen Antrag auf eine solche Prozessbegleitung stellen, wenn sie sich der anstehenden Gerichtsverhandlung nicht gewachsen fühlen. Der zuständige Richter entscheidet über die Bewilligung. In Aachen kamen diese neuen Prozessbegleiter im vergangenen Jahr in 34 Fällen zum Einsatz, einige Prozesse laufen noch.

Laut Agnes Zilligen, von Rückhalt ist die psychosoziale Prozessbetreuung in Aachen auf einem guten Weg. Das sei landesweit nicht unbedingt der Fall. Die Beiordnung der Prozessbegleiter sei in ganz NRW eher schleppend angelaufen, sagt das Ministerium der Justiz des Landes NRW. Und das trotz des neuen Rechtsanspruchs.

Dabei kann die Prozessbegleitung gerade für Opfer sexueller Gewalt eine große Hilfe sein, weiß Agnes Zilligen aus Erfahrung. So können sie sich beispielsweise vorab mit dem Gerichtssaal im Justizzentrum vertraut machen und Ängste abbauen. Und sie können auf einen Ansprechpartner bauen, der ihre Sorgen ernst nimmt und der sich mit den Gepflogenheiten bei Gericht auskennt.

Der Gesetzgeber will so die „individuelle Belastung des Opfers reduzieren und die Aussagekraft der Zeugen“ fördern. Gerade Opfer und Zeugen müssen vor Gericht ihre traumatischen Erfahrungen oft noch einmal durchleben, und der dadurch entstehende Schaden soll möglichst gering gehalten werden.

Im Aachener Verbund der psychosozialen Prozessbegleiter sind vier Frauen gelistet, die auf verschiedene Bereiche spezialisiert sind. Monika Bulin und Nina Körner sind Mitarbeiterinnen von Rückhalt und Claudia Brötsch ist Mitarbeiterin der Beratungsstelle ABK Neustart. Verena Steinbusch steht als vierte Prozessbegleiterin zur Verfügung.

Auch landesweit sind es überwiegend Frauen, die diese neue Aufgabe übernehmen. Von den 137 Prozessbegleitern in NRW sind nur 27 männlich.