Aachen: Stärken abseits von Zeugnissen und Abschlüssen fördern

Aachen: Stärken abseits von Zeugnissen und Abschlüssen fördern

Als Anahid Younessi im Jahr 1990 den Iran Richtung Deutschland verließ, stand ihr eine schwere Zeit bevor. In ihrer alten Heimat hatte sie ein Diplom in Literatur abgelegt. In ihrer neuen Heimat sollte dieses nicht mehr viel wert sein, als Lehrerin würde die heute 56-jährige nie wieder arbeiten.

Ähnliche Erfahrungen haben viele der elf Teilnehmer des Seminars „Meine Stärken - meine Zukunft” gemacht, dass jetzt im Martin-Luther-Zentrum für Familien abgeschlossen wurde. Hier assistierte Anahid Younessi dem Psychologen Thomas Akmann. Teamwork und Kommunikation spielten bei den zehn Modulen eine wichtige Rolle, und wurden mit einem gemeinsamen Wandbild abgeschlossen.

Zuvor jedoch war es vor allem darum gegangen, seine ganz individuellen Stärken herauszufinden. Diese bringt nach Überzeugung von Thomas Akmann ein jeder auch abseits von Zeugnissen, Abschlüssen und Zertifikaten mit. Schwierig ist nur, sie zu erkennen.

Gold wert

Im Berufsalltag Gold wert sein kann etwa die hohe Belastbarkeit, die man als Mutter von vier Kindern mitbringt. Oder aber das Organisationstalent, das etwa der Präsident eines Karnevalsvereins besitzt. Hat man sich bereits in extremen Stresssituationen bewiesen, etwa als Helfer bei einem Autounfall, kann sich selbst dies nach Überzeugung des Job Coachs im Bewerbungsgespräch als hilfreiche Referenz erweisen.

Thomas Akmann: „Wer seine Persönlichkeit im Bewerbungsgespräch kommuniziert, schafft Resonanz. Resonanz schafft Sympathie. Und hat man die Sympathie, hat man den Job.” Im Martin-Luther-Haus wurde dies ein Einzel- wie in Gruppengesprächen trainiert.

Bestes Beispiel für Akmanns Theorie war seine Assistentin Anahid Younessi. Über Jahre unterstützte sie Migranten aus ihrem Umfeld bei Behördengängen und der Bewältigung des Alltags. Bis die Sachbearbeiterin im Arbeitsamt ihr schließlich ein Studium der Sozialen Arbeit vorschlug. Akzentfreies Deutsch spricht Younessi auch heute nicht. Dafür arbeitet sie als Honorarkraft unter anderem für den Kinderschutzbund. „Die Deutschen brauchen meine Erfahrungen. Und das macht mich sehr zufrieden.”

Ob solcher Erfolg auch den Teilnehmern des von den Gesellschaftern unterstützen Seminars beschert sein wird, bleibt abzuwarten. Thomas Akman aber ist sicher: „Die Sensibilität wurde geweckt.”

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