Städteregion Aachen: Trotz Brexit nicht mehr Einbürgerungen

Zahl der Einbürgerungen seit dem Brexit kaum gestiegen : 2018 erhielten 21 Briten in der Städteregion einen deutschen Pass

Keine Angst vor dem Brexit und seinen Folgen? In der Städteregion Aachen ist die Zahl der Einbürgerungen von britischen Staatsangehörigen nicht signifikant gestiegen. Im vergangenen Jahr erhielten 21 Briten einen deutschen Pass. Zwölf von ihnen lebten in der Stadt Aachen. Diese Zahlen nennt Detlef Funken, Pressesprecher der Städteregion, auf Anfrage.

Zum Vergleich: 2017 lag die Zahl der Einbürgerungen in der Städteregion bei 20. Von diesen 20 eingebürgerten Briten lebten 17 in Aachen. Für das Jahr 2016 verzeichnet das Ausländeramt der Städteregion 13 Einbürgerungen, davon acht in Aachen.

Damit ist die Zahl der Briten in der Städteregion, die Deutsche werden wollten, mehr oder weniger konstant geblieben – ganz im Gegensatz zum deutschlandweiten und europäischen Trend. Denn angesichts des drohenden Brexits bemühen sich seit dem EU-Referendum der Briten vom Sommer 2016 immer mehr britische Staatsbürger, die im Ausland leben, um den Pass eines anderen EU-Staats. In den beiden Jahren 2016 und 2017 erwarben insgesamt 10.358 Britinnen und Briten die deutsche Staatsangehörigkeit – mehr als doppelt so viele wie im gesamten Zeitraum von 2000 bis 2015. Da waren es „nur“ 5092. Diese Zahlen hat das Statistische Bundesamt veröffentlicht. 

Aktuell leben laut Funken 543 Menschen mit britischem Pass in der Städteregion. Wollten sie die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen, müssten sie, wie alle anderen Bewerber, bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Sie müssen ein unbefristetes Aufenthaltsrecht in Deutschland nachweisen und seit mindestens acht Jahren „gewöhnlich und rechtmäßig“ in Deutschland leben. Sie müssen für ihren Lebensunterhalt sorgen können, ohne Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld in Anspruch zu nehmen. Sie müssen ausreichende Deutschkenntnisse vorweisen und den Einbürgerungstest über die deutsche Rechts- und Gesellschaftsordnung bestehen. Wer Deutscher werden will, darf außerdem nicht wegen einer Straftat verurteilt sein und muss sich zum deutschen Grundgesetz bekennen.

Insgesamt, so verlautet aus dem Ausländeramt, liegt die Zahl der Einbürgerungen in der Städteregion seit Jahren bei knapp 1000 jährlich. Und daran hat offenbar das Gezerre um den EU-Austritt der Briten und die Unwägbarkeiten, die mit dem Brexit verbunden sind, nichts geändert.

Grundsätzlich, sagt Funken, weise man in der Städteregion stets positiv auf die Möglichkeit einer Einbürgerung hin. Eine offensive Werbekampagne um Briten vor dem Brexit, wie die eine oder andere deutsche Kommune sie gefahren hat, gibt es in Stadt und Altkreis Aachen aber nicht.

Wer als Brite Deutscher wird, kann bisher neben dem neuen deutschen auch den britischen Pass behalten. Dieses Privileg der doppelten Staatsbürgerschaft ist aber an die EU-Mitgliedschaft des Herkunftslandes geknüpft, wie auch die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung betont. Nach dem Brexit allerdings wäre Großbritannien aber kein EU-Land mehr.

Wie es mit der doppelten Staatsangehörigkeit dann weitergehen könnte, ist einer von vielen Punkten im Brexit-Abkommen, das Theresa May mit den EU-Mitgliedsstaaten ausgehandelt hat. In wenigen Tagen soll das britische Parlament darüber entscheiden. Denn der Stichtag für den Austritt, der 29. März, steht unmittelbar bevor.

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