Städteregion Aachen: Neujahrsempfang der Kreishandwerkerschaft

Neujahrsempfang der Kreishandwerkerschaft : Gesellschaftliche Verantwortung übernommen

Der Neujahrsempfang der Kreishandwerkerschaft im Städteregionshaus beziehungsweise bis 2009 im Kreishaus ist eine jahrzehntealte Tradition. An dieser hält auch der neue Städteregionsrat Tim Grüttemeier fest.

„Das Handwerk hat eine hohe wirtschaftliche und soziale Bedeutung für die Region“, betonte Grüttemeier mit Blick darauf, dass die Handwerksunternehmen in der Region mehr als 3,4 Milliarden Euro Umsatz jährlich machen, in den Betrieben fast 35.000 Menschen arbeiten und etwa 2500 junge Leute ausgebildet werden, darunter viele Flüchtlinge.

„Bei allen Herausforderungen, die die Zukunft bringt: Das Handwerk boomt, die Auftragsbücher sind voll“, stellte Grüttemeier fest. Dazu trage auch die Städteregion bei. Fast die Hälfte aller großen Aufträge ab 100.000 Euro seien im vergangenen Jahr regional vergeben worden. Bei den vielen dezentral vergebenen Aufträgen sei der Anteil noch höher. „Bis 2022 werden mindestens sieben Kindertageseinrichtungen gebaut mit einem Gesamtvolumen von 22 Millionen Euro, in den Straßenbau fließen etwa 15 Millionen Euro“, erläuterte Grüttemeier. Hinzu kämen vielen kleinere Aufträge. Aber: „Zum Teil haben wir Probleme, Betriebe zu finden, die für uns arbeiten. Nicht weil sie nicht wollen, sondern weil die Leute fehlen“, sagte Grüttemeier.

Herausforderungen wie den Fachkräftemangel will die Städteregion Hand in Hand mit der Kreishandwerkerschaft bearbeiten, versicherte der Städteregionsrat seinen Gästen mit Kreishandwerksmeister Herbert May an der Spitze. In der dualen Ausbildung würden derzeit mit 10.262 Schülerinnen und Schülern so wenig junge Leute wie noch nie an den Berufskollegs unterrichtet. Die Städteregion unterstütze die Betriebe über ihr Bildungsbüro bei der Werbung um junge Leute.

So sei ein Online-Buchungsportal für Berufserkundungstage eingerichtet worden, die alle Achtklässler absolvieren müssen. Das Handwerk, lobte Grüttemeier, schaue nicht nur nach den Besten, sondern gebe auch Jugendlichen eine Chance, die in der Praxis besser seien, als ihre Schulnoten verrieten. Auch bei der Integration von Flüchtlingen übernehme das Handwerk gesellschaftliche Verantwortung und sorge für Zusammenhalt und Integration: „Danke dafür und weiter so!“

Das Handwerk ist laut Grüttemeier einerseits Traditionsbewahrer, andererseits aber auch „starker Innovationstreiber“. Beispiele dafür seien die Bereiche (Elektro)Mobilität und Digitalisierung. An letzterer arbeiteten Städteregion und Handwerk gemeinsam. „Wir können die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft hier und jetzt stellen“, sagte Grüttemeier. „Lassen Sie uns die Herausforderungen mit Zuversicht und Vertrauen gemeinschaftlich anpacken.“

Das hörten die Vertreter der Kreishandwerkerschaft gerne. Sie boten dem neuen Städteregionsrat wie seinem Vorgänger im Amt und zuvor den Landräten ihrerseits eine vertrauensvolle Zusammenarbeit an. Er begrüßte, dass die Städteregion eine Million Euro für die Gründung einer digitalen Werkstatt für kleine und mittlere Betriebe zur Verfügung stellt. „Ich hoffe, dass das von unserer Seite auch angenommen wird.“ Erforderlich sei aber auch, dass neue Berufsinhalte schnell in die Lehrpläne der Kollegs Eingang finden, mahnte May an.

Zudem warb er dafür, die Städteregion möge ein Auge darauf haben, dass die Berufsschulstandorte trotz des Rückgangs der Schülerzahlen gehalten werden. Sorgen bereitet laut May den Lebensmittelbetrieben, dass die Kontrolleure der Städteregion bei Kontrollen in manchen Fällen zu wenig Fingerspitzengefühl zeigen. Die Fülle an baulichen Auflagen, die zum Teil in alten Geschäftshäusern gar nicht oder nur mit erheblichem Aufwand, auch finanziellem, umzusetzen sei, trage dazu bei, dass Betriebe Probleme haben, Nachfolger zu finden.

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