Städteregion Aachen: 421 Wohnungen mit 46,8 Millionen Euro gefördert

Rekord bei Wohnraumförderung : 46,8 Millionen Euro für 421 Wohnungen in der Städteregion bewilligt

Bezahlbare Mietwohnungen sind knapp. Mit Fördermitteln versucht das Land, das Angebot zu erhöhen. In der Städteregion fällt das auf fruchtbaren Boden: Im vergangenen Jahr hat das für die Bewilligung von Anträgen zuständige städteregionale Amt mit 46,8 Millionen Euro den Bau von 421 Wohneinheiten gefördert.

Das ist ein Plus von 8,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr und liegt deutlich über der landesweiten Steigerungsrate von 5,5 Prozent.

Wie drängend das Thema öffentlich geförderter Wohnungsbau ist, machen folgende Zahlen deutlich: Von den derzeit rund 20.000 preisgebundenen Wohnungen in der Städteregion – meist spricht man von Sozialwohnungen – fallen bis zum Jahr 2030 etwa 8000 aus der Preisbindung. Die Mieten für diese Wohnungen könnten dann steigen.

Selbst wenn bis dahin jährlich wie im vergangenen Jahr rund 400 neue geförderte Wohnungen mit Mietpreisbindung entstünden, ist dies nicht zu kompensieren. „Deshalb sind wir mit den Kommunen und dem Landesministerium im Gespräch über potenzielle Baugebiete, für die es noch gar keine Bebauungspläne gibt“, sagt Norbert Langohr, Leiter des städteregionalen Amtes für Bauaufsicht und Wohnraumförderung. „Dabei geht es immer darum, Mischgebiete mit höchstens 30 Prozent Sozialwohnungen zu entwickeln.“

Von sozialem Wohnungsbau spricht Städteregionsrat Tim Grüttemeier nicht gerne. Ihm ist der Begriff „öffentlich geförderter Wohnungsbau“ lieber. Denn, sagt er, nicht nur Menschen mit sehr geringem Einkommen haben Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein für eine preisgebundene Wohnung, sondern bereits Normalverdiener, Angehörige des Mittelstandes. „Viele wissen das aber nicht“, stellt Grüttemeier fest. „Da müssen wir viel mehr drüber aufklären.“ So habe etwa ein Paar mit zwei Kindern und einem Netto-Einkommen von durchschnittlich 2059 Euro im Monat – in bestimmten Fällen sogar 2882 Euro – Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein.

Den Anspruch auf eine geförderte, preisgünstige Wohnung zu haben, bedeutet aber noch nicht, eine solche auch zu finden. „Nicht nur, aber vor allem in Aachen ist das ein großes Problem“, sagt Dezernent Stefan Jücker. Der Großteil der Fördermittel fließt denn auch dorthin. Im vergangenen Jahr waren es gut 31,6 Millionen Euro, mit denen 298 Wohneinheiten gefördert wurden, darunter viele zur Vermietung an Studenten.

Jücker ist zuversichtlich, dass sich auch in diesem Jahr genügend Investoren für kleine, aber auch größere Projekte finden werden. Optimistisch stimmen ihn aktuell laufende Gespräche. Gestern erst ging es dabei um 30 neue Wohnungen in Aachen. Aber auch in den Altkreiskommunen tue sich einiges, ergänzt Norbert Langohr. In Würselen beiepielsweise stehe die Entwicklung eines ganz neuen Quartiers in der Innenstadt an, 100 geförderte Wohnungen seien dort möglich.

Solche Gespräche mit Kommunen und Investoren schon zu einem frühen Zeitpunkt zahlen sich aus. Wenn es genug recht konkrete Planungen samt Anträgen gibt, können Fördermittel, die von anderen Regionen in Nordrhein-Westfalen nicht abgerufen werden, zusätzlich in die Städteregion geholt werden. Im vergangenen Jahr waren das stolze 18 Millionen Euro, 45 Prozent mehr als der Städteregion zu Jahresbeginn zugewiesen worden war.

Jücker betont, dass der öffentlich geförderte Wohnungsbau hohen Standards genügen muss. Das gelte nicht nur für den Bau an sich und die Ausstattung, sondern auch das Wohnumfeld. „Für ein Mehrfamilienhaus auf der grünen Wiese ohne jegliche Infrastruktur und Anbindung an den Personennahverkehr eine Förderzusage zu bekommen, ist schwer.“ Ohnehin ist es nicht ganz leicht, sich in den diversen Förderprogrammen und -bestimmungen zurechtzufinden. „Aber da helfen wir gern“, betont Ursula Bauer, zuständige Fachfrau im städteregionalen Amt. „Jeder kann sich an uns wenden, egal ob es um die Modernisierung eines alten Hauses oder um den Bau eines Mehrfamilienhauses geht.“

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