Aachen: Stadtsportbund: „Vereine müssen die Zeichen der Zeit erkennen“

Aachen: Stadtsportbund: „Vereine müssen die Zeichen der Zeit erkennen“

Die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Vereinen klappe im Primarbereich eigentlich ganz gut. Aber organisierter Sport im Ganztag sei doch eine recht schwierige Angelegenheit. Vor allem mit Blick auf die Sekundarstufe I appellieren Ingrid Schäfer und Judith Blau vom Stadtsportbund (SSB): „Die Vereine müssen die Zeichen der Zeit erkennen und sich verändern, sonst gehen neben Kindern und Jugendlichen auch junge Ehrenamtler verloren.“

Ingrid Schäfer, SSB-Ansprechpartnerin „Sport im Ganztag“, kann in der Stadt jedoch noch keinen drastischen Mitgliederschwund erkennen: „Im Alter zwischen 7 und 18 Jahren verzeichnen die Vereine rund 17.000 Mitglieder. Für Aachen ist das in Ordnung.“

Der SSB hat mittlerweile mit 21 Vereinen und Lehrkräften ohne Vereinsbindung Verträge ausgehandelt. Daraus resultieren 90 Angebote für den Nachmittag in der Primarstufe, 47 kommen aus den Vereinen, 43 vom SSB. Spitzenreiter bei den Kindern in der Offenen Ganztagsschule sind neben Ballsportarten und Tanz auch Leichtathletik und Schwimmen. „Jede OGS hat wenigstens ein Bewegungsangebot, aber nicht unbedingt von einem Verein aus dem Sozialraum“, sagt Schäfer.

Ein großes Problem sei jedoch, qualifizierte Leute zu finden, die in der Zeit zwischen 14 und 16 Uhr in den Schulen die Sportangebote leiten können. „Die Strukturen in der Primarstufe sind aber gelegt, das Netzwerk funktioniert und der Umgang der Beteiligten ist partnerschaftlich“, unterstreicht Koordinatorin Schäfer. Mittlerweile wüssten aber auch die Schulverantwortlichen, welche Angebote die Sportvereine in dem Ortsteil machen. Schäfer: „Das war nicht immer so.“

Komplizierter werde es in der Sekundarstufe I. Hier müsse noch ein Netzwerk aufgebaut werden. „Die Belastung für die Kinder ab zehn Jahren ist schon heftig“, sagen Schäfer und Blau unisono.

„Schulunterricht bis 17 oder gar 18 Uhr, dann noch Vereinstraining. Das ist schwierig.“ Aber damit müsse der organisierte Sport nun mal leben.

Umso wichtiger sei es für die Vereine, diese Entwicklung in den Schulen als eine zentrale Herausforderung zu sehen. Die über den SSB geförderte Zusammenarbeit zwischen Schulen und Vereinen biete die Chance, noch mehr Kindern und Jugendlichen Sportangebote näher zubringen und sie auf den Weg in ein aktives und gesundes Leben mit Sport zu begleiten.

Bedenken müssten die Vereine auch, dass ihre Hallenzeiten bis 16 Uhr wegfallen können, wenn eine Schule zur Ganztagsschule wird. Umso wichtiger sei es deshalb, so Schäfer, dass die Vereine selbst den Sport am Nachmittag anbieten: „So liegen zumindest die zeitliche Abstimmung und Koordination und die gewünschten Belegzeiten für die eigenen Vereinsangebote in einer organisatorischen Hand.“ Aufeinander zugehen müssten aber alle Beteiligten, also Schulen und Vereine, betont Diplom-Sportwissenschaftlerin Judith Blau, die beim SSB das landesweite Programm „NRW bewegt sein Kinder“ betreut.

Ein weites zu beackerndes Feld sei auch die Talentförderung. „Das ist ein großes Thema. Aber zunächst geht es erst einmal darum, dass sich die Kinder bewegen, danach um die Förderung“, sagt Schäfer.

Die Zeiten, in denen Kinder nachmittags auf der Straße oder im Wald gespielt und dann im Verein trainiert hätten, seien vorbei. Schäfer: „Das müssen auch die Älteren in den Vereinen erkennen und mal Ämter abgeben, jüngere Leute in die Vorstandsarbeit einbinden und neue Projekte anbieten. Darin liegt die große Chance.“

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