Aachen: Stadtbibliothek zeigt unveröffentlichte Briefe von Gertrud von le Fort

Aachen : Stadtbibliothek zeigt unveröffentlichte Briefe von Gertrud von le Fort

Ein bisschen muss es so gewesen sein, als hätte Ursel Schmidt-Cohnen, Vorsitzende des Vereins der Benutzer, Freunde und Förderer der Stadtbibliothek Aachen, einen kleinen Schatz ausgegraben.

In einem uralten, zerfledderten und total verschimmelten Buch von Gerhart Hauptmann fand sie einige Briefe, nicht geknickt, ohne Briefumschlag, die sie sofort identifizieren konnte: Es handelte sich um Briefe der bekannten deutschen Schriftstellerin Gertrud von le Fort (1876-1971), die sie am Ende des Zweiten Weltkriegs an eine Aachener Bürgerin schrieb.

Diese Briefe werden in der bis 28. November laufenden Ausstellung „Kriegsende in Aachen — unveröffentlichte Briefe von Gertrud von le Fort“ in der zweiten Etage der Stadtbibliothek Aachen ausgestellt.

Gertrud von le Fort, die insbesondere durch ihre Bücher „Das Schweißtuch der Veronika“ oder „Die Magdeburgische Hochzeit“ bekannt wurde, hat ein bewegtes Leben geführt. Sie erlebte die Kaiserzeit, den Ersten Weltkrieg, den Aufstieg und Untergang der Weimarer Republik, den Nationalsozialismus, den Zweiten Weltkrieg und die Nachkriegszeit. Hermann Hesse schlug sie neben Martin Buber 1949 für den Literaturnobelpreis vor.

Die 13 Briefe und die Postkarte der Schriftstellerin, die nun zu Ausstellungsstücken geworden sind, waren an Minna Goebgens gerichtet. Die Aachenerin hatte es während des Krieges nach Bad Hindelang im Allgäu verschlagen. Zu diesem Zeitpunkt lebte Gertrud von le Fort bereits seit einiger Zeit in Oberstdorf, wo sie auch starb.

„Es ist fast ein Wunder,“, so Schmidt-Cohnen, „dass die Briefe die Nachkriegszeit überlebt haben.“ Es sei nicht ganz ungewöhnlich, dass Mitglieder des Fördervereins oder Mitarbeiter der Stadtbibliothek in alten Büchern, insbesondere in Schenkungen, Dinge wie jetzt die Briefe der Schriftstellerin finden. Nicht jedes Mal entsteht daraus jedoch eine Ausstellung.

„Man muss dafür ein Auge haben“, meint Manfred Sawallich, Leiter der Stadtbibliothek. „Es ist so klasse, dass solche Sachen von Ihnen entdeckt werden“, sagt er zu dem Fund von Ursel Schmidt-Cohnen. Besonders faszinierend findet Schmidt-Cohnen an Gertrud von le Fort, „dass sie immer die Realität gesehen hat und ihren Prinzipien immer treu geblieben ist“. So wandte sie sich beispielsweise in ihren historischen Abhandlungen gegen den Nationalsozialismus und lebte als praktizierende Katholikin auch während des Dritten Reiches.

Die Ausstellung zeigt allerdings nicht nur die Briefe der Schriftstellerin, sondern auch Familienfotos, verschiedene Textausgaben ihrer berühmtesten Werke, Fotos des zerstörten Aachens und schließlich auch Teile aus ihrer Aphorismensammlung, die beweisen, dass Gertrud von le Fort auch heute noch Aktualität besitzt.

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