Aachen: Stadtarchiv fegt den Staub weg

Aachen : Stadtarchiv fegt den Staub weg

Vonwegen verstaubt: Von einem „Aufbruch in eine neue Ära” spricht Kulturbetriebsleiter Olaf Müller. Zuvor aber ist eine schweißtreibende Plackerei angesagt: Im Sommer nächsten Jahres zieht das Stadtarchiv in das ehemalige Rheinnadel-Gebäude am Reichsweg um.

Und das bedeutet, dass Papiere, Urkunden und Akten transportiert werden müssen, die es aneinandergereiht auf eine Länge von mehr als sieben Kilometer bringen.

Auf mindestens 65.000 Euro werden die Umzugskosten geschätzt. Zuvor wird noch der Bau für gut 5,2 Millionen Euro auf Vordermann gebracht. Eine Investition, die sich lohnen wird, wie Politik und Verwaltung überzeugt sind.

Der Umzug sei seit Jahrzehnten überfällig, erklärte Hermann-Josef Pilgram (Grüne) im Kulturausschuss. Die Pläne für die Route Charlemagne hätten einen „heilsamen” Prozess ermöglicht, fügte Ausschussvorsitzende Margarethe Schmeer (CDU) hinzu.

Denn das sogenannte Grashaus am Fischmarkt, in dem große Teile des Stadtarchivs zurzeit untergebracht sind, soll künftig Anlaufpunkt der kulturhistorischen Route Charlemagne werden.

Das Raumangebot im Grashaus war für das Archiv längst ungenügend, so dass seit langem eine Alternative gesucht wurde. Fündig wurde die Stadt am Reichsweg, wo spätestens im Herbst 2010 das komplette „Gedächtnis der Stadt” einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll.

Sobald der Umzug bewältigt ist, will das Team um Thomas Kraus, Leiter des Stadtarchivs, mit einem neuen Veranstaltungskonzept auf sich aufmerksam machen.

Gedacht ist unter anderem an Themenabende, Vorträge, Filmvorführungen, Lesungen, Führungen und Ausstellungen, die das Interesse an der Stadthistorie wecken sollen.

Zu diesem Zweck will das Archiv mit dem Geschichtsverein, der RWTH, Schulen, Stadtteilbüros, Kulturvereinen und weiteren Kooperationspartnern zusammenarbeiten. Man suche die Anbindung an das Stadtviertel, wolle sich aber grundsätzlich auch für alle Bürger öffnen.

Das „ambitionierte und publikumsfreundliche Programm”, wie Olaf Müller es nennt, mache eine „Prüfung des Personalbedarfs” nötig. Denn nicht nur das geplante Programm binde Kraft, auch neue Gesetze stellen neue Anforderungen an das aktuell zehnköpfige Team.

So gehen auch die Bestände der Standesämter in die Kommunalarchive über und müssen für die Forschung bereitgestellt werden.

Ob es zusätzliches, von Kraus gewünschtes Personal geben wird, ließen die Kulturpolitiker offen. Für die Neuausrichtung des Stadtarchivs am neuen Standort gab es aber einhelliges Lob.

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