Aachen: Stadt zieht beim Neuen Kurhaus die Notbremse

Aachen : Stadt zieht beim Neuen Kurhaus die Notbremse

Keine frohe Botschaft hatte Aachens Oberbürgermeister bei der kurzfristig anberaumten Pressekonferenz am Mittwoch zu verkünden: Das mit der Planung beauftragte Aachener Büro Höhler und Partner hat der Stadtverwaltung vor wenigen Tagen mitgeteilt, wie viel die Sanierung und der Umbau des Neuen Kurhauses kosten würde, wenn die Wunschliste der Stadt und aller potenziellen Mieter realisiert würde: 38,65 Millionen Euro.

Gerechnet hatte die Stadt bislang immer mit 25 Millionen Euro. „An dieser Stelle mussten wir erst einmal sagen: Stopp. Das ist keine Summe, bei der wir einfach weitermachen können wie geplant“, erklärt Oberbürgermeister Marcel Philipp. Die Verwaltung will die Zahlen des Planungsbüros eingehend prüfen und dann mit der Politik sowie den Mietern erneut in Verhandlung treten. „Wir sind natürlich nicht glücklich über diese Nachricht. Es ist allerdings gut, dass wir durch die gezielte Entwurfsplanung die Kosten des Projekts vor Baubeginn kennen und solche Entwicklungen nicht während der Bauabwicklung erleiden“, sagt Marcel Philipp.

Die Wiedereröffnung des neuen Kurhauses (oben links) verschiebt sich, weil die Sanierung (unten) deutlich teuer wird als geplant. Fest steht hingegen der Abriss des Lenné-Pavillons (oben rechts). Foto: Harald Krömer

Mehr als doppelt so teuer

FOTO: HARALD KRÖMER DATE: 08.11.2017 Umbau Altes Kurhaus.

Warum die Gebäudesanierung, die bei ersten Schätzungen 2012 noch um die 16 Millionen Euro lag, nun mehr als doppelt so teuer geworden ist? Das habe mehrere Gründe, wie Klaus Schavan, technischer Geschäftsführer des städtischen Gebäudemanagements, im Pressegespräch erläutert. Demnach handelt es sich bei der Kostenkalkulation, die Höhler und Partner vorgelegt haben („Wir haben zwei Wäschekörbe voll mit Unterlagen bekommen!“), um eine sogenannte verifizierte Kostenberechnung.

„Das heißt, dass die Planer bei ihren Kalkulationen viel besser über die Hintergründe informiert waren als wir vor fünf Jahren“, sagt Schavan. So seien die ersten Schätzungen entstanden, als das Kasino, das mittlerweile am Tivoli Quartier bezogen hat, noch in Betrieb war. „Zwischenzeitlich haben wir Probebohrungen gemacht, wissen um die Statik und auch um die Schadstoffbelastung in dem Gebäude“, erklärt Schavan. Man sei bei bisherigen Arbeiten „auf viele Überraschungen gestoßen“. Und er sei froh, dass man sich für eine gründliche Überprüfung entschieden habe. „Ich bin lieber gründlich als fahrlässig“, betont Schavan.

Asbest im Putz oder Probleme mit der Statik seien aber nicht der einzige Grund für die Kostenexplosion, erklärt Oberbürgermeister Marcel Philipp. Ein wesentlicher Punkt für die Mehrkosten seien auch die Anforderungen der potenziellen Mieter des Gebäudes. Viergeteilt soll nach den aktuellen Plänen die Nutzung des Kurhauses sein: Neben dem Kasino von Westspiel sollten hier ein Gastronom (Maison van den Boer) aus den Niederlanden sowie der Kölner Unterhaltungsbetrieb Explorado Räumlichkeiten bekommen. Explorado will im Kurhaus publikumswirksame Kunstpräsentationen zeigen. Eine mögliche vierte, noch nicht ganz festgelegte Nutzung im Keller des Kurhauses soll die Aachener Clubszene stärken.

„Wir erkennen in den Berechnungen, dass vor allem diese Nutzungsdichte mit den unterschiedlichen technischen Anforderungen die Sanierungskosten stark in die Höhe treibt“, sagt Schavan. Die Abstimmungen mit den Nutzern sowie die Abgrenzungen der Gebäudefunktionen und die Tatsache, dass jeder Gebäudeteil autark funktionieren solle, mache die Sache nicht nur teuer, sondern auch aufwendig. So müssten „zahlreiche detaillierte Vorabsprachen“ getroffen werden, was beispielsweise Öffnungszeiten und andere Dinge betreffe.

Wiedereröffnung verschiebt sich

Selbst wenn die Aachener Kommunalpolitiker damit einverstanden sein sollten, dass die Baukosten um weitere 13 Millionen Euro steigen: Daran, dass der Wiedereröffnungstermin im Frühjahr 2020 zu halten ist, ist nicht mehr zu denken. Die berechneten Bauvolumina seien nicht in der bisher angedachten Bauzeit umzusetzen.

Immerhin: „Das Gute im Schlechten ist, dass wir bisher kein Geld ausgegeben haben, das man nicht sowieso hätte ausgeben müssen“, sagt Schavan. Alle Arbeiten, die bislang gemacht worden seien, wären unter allen Umständen fällig gewesen — so zum Beispiel die Beseitigung des Asbests. Das betreffe auch die 1,9 Millionen Euro, die der Rat noch im Juli mit großer Mehrheit per Dringlichkeitsentscheidung bewilligt hatte. Nur die Fraktion der Grünen, die befürchtet, dass die Stadt auf hohen Kosten sitzen bleiben könnte, weil noch keine Mietverträge unterschrieben sind, hatte gegen diese Dringlichkeitsentscheidung gestimmt — und erst am Dienstag um einen Sachstandsbericht gebeten.

Welche Konsequenzen nun aus der Botschaft der Planer abgeleitet werden können, will die Stadt im engen Austausch mit der Politik und den potenziellen Nutzern des Hauses abstimmen. Auch sei eine andere Nutzung denkbar, räumt Oberbürgermeister Marcel Philipp auf der Pressekonferenz ein. Die Geschäfte des Kasinos am Tivoli liefen gut, der Zeitdruck für eine Rückkehr ins Kurhaus sei nicht mehr so groß.

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