Aachen: Stadt und Land uneins über die Haarener Luftqualität

Aachen : Stadt und Land uneins über die Haarener Luftqualität

Weiter können die Einschätzungen kaum auseinander liegen: Während die städtische Umweltverwaltung die Alt-Haarener-Straße aus lufthygienischer Sicht als kaum noch problematisch ansieht, kommt das Landesumweltamt aufgrund eigener Berechnungen zu einer gegenteiligen Erkenntnis.

Eine Messstation könnte zeigen, wer Recht hat. Und so halten auch die Haarener Bezirksvertreter an ihrer Forderung fest, einen solchen Messpunkt einzurichten — trotz gegenteiliger Empfehlung der städtischen Umweltverwaltung.

Klaus Meiners, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Umwelt, hat in der Bezirksvertretung nochmals seine Sicht der Dinge dargelegt. Demnach würden die Modellrechnungen des Landesamts für den „baulich, verkehrlich und stadtklimatisch hochkomplexen Teilraum“ ein „falsches Bild“ ergeben.

Seiner Meinung nach könne man sowohl bei der Feinstaub- als auch bei der Stickstoffdioxidbelastung davon ausgehen, dass die EU-Grenzwerte an der Alt-Haarener Straße inzwischen eingehalten, wenn nicht gar unterschritten werden. Zurückzuführen sei dies auf eine seit 2006 bis heute „nachweislich geringere Verkehrsbelastung“ der Durchgangsstraße. Auch gebe es „belegbar positive Wirkungen“ durch Kaltluftzuflüsse aus Haarbach- und Wurmtal.

Völlig verblüffend sind solche Aussagen nicht nur für Umweltverbände und die Grünen, die genauere Luftmessungen verlangen und auch Haaren schnellstmöglich mit in die künftige Umweltzone einbeziehen wollen, sondern auch für das Landesumweltamt.

„Belastungs-Hotspot“

In einem Schreiben machte die Landesbehörde jetzt nochmals deutlich, dass sie die Alt-Haarener-Straße weiterhin als „kritisch belastet“ ansieht, in dem die EU-Grenzwerte eben nicht sicher eingehalten werden. Von einem „Minderungseffekt“, den die Stadt für die Schadstoffbelastung unterstellt, könne aus Sicht der Landesbehörde keine Rede sein. Im Gegenteil: Sie stuft die Alt-Haarener-Straße weiterhin als „Belastungs-Hotspot“ ein.

Nicht zum ersten Mal liegen Stadt- und Landesbehörden damit in ihrer Einschätzung zur Luftqualität in Aachen überkreuz. Immer wieder kamen sie in den zurückliegenden Jahren im Ringen um die Umweltzone zu unterschiedlichen Ergebnissen. „Irritationen in der Bürgerschaft und im politischen Raum“, die auch die städtische Umweltverwaltung registriert hat, sind da eigentlich keine Überraschung.

Gleichwohl hält Meiners eine Messstation in Haaren für „nicht zielführend“. Auch sei die Alt-Haarener-Straße nicht stärker belastet als etwa die Trierer Straße in Brand, die Von-Coels-Straße in Eilendorf oder die Roermonder Straße in Laurensberg. „Es ist ein gesamtstädtisches Problem“, betonte Meiners in der Haarener Bezirksvertretung. Und daher müsse auch weiterhin der Verkehr insgesamt gemindert werden. Auch Haaren werde im übrigen durch die „Optimierung der Busflotte“ profitieren, die bekanntlich ebenfalls im neuen Luftreinhalteplan vorgesehen ist.

Wirklich zufriedenstellen ließen sich die Bezirksvertreter durch Meiners‘ Erklärungen nicht. Und so stützen auch CDU und SPD weiterhin die Forderung der Grünen nach einem Messpunkt an der Alt-Haarener-Straße. Eigene Messtechnik besitze die Stadt nicht, erläuterte Meiners, wenn aber das Landesamt für Umwelt in Haaren messen wolle, „begrüßen wir das“, so Meiners.

So soll er nun diesen Wunsch der Bezirksvertreter ans Land weiterreichen. Die Forderung der Umweltverbände und Grünen, auch Haaren in die künftige Umweltzone einzubeziehen, fand hingegen keine Mehrheit. Sie soll bekanntlich im kommenden Februar eingeführt werden und ab Außenring gelten. Kommentar: Seite 17

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