Aachen: Stadt sieht keine Chance auf Schadenersatz von Kraemer

Aachen : Stadt sieht keine Chance auf Schadenersatz von Kraemer

Die Stadt Aachen wird am Mittwoch aller Voraussicht nach endgültig ein unrühmliches Kapitel in Sachen Tivoli-Neubau schließen und auf Schadenersatzforderungen gegen den früheren Alemannia-Geschäftsführer Frithjof Kraemer verzichten.

In nichtöffentlicher Sitzung soll der Rat einem Vergleich zustimmen, der Kraemer aus der Verantwortung für den Schaden entlässt, der der Stadt im Zuge der Umschuldung der Stadionkredite im Jahr 2012 entstanden ist.

Man darf davon ausgehen, dass die allermeisten Ratsmitglieder nur widerwillig und mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch dem Vorschlag der Verwaltung folgen werden. Denn viele sind bis heute davon überzeugt, seinerzeit von Kraemer betrogen und über die wahre finanzielle Lage von Alemannia Aachen getäuscht worden zu sein.

Die Wahrheit verschwiegen?

Nur aufgrund unvollständiger oder manipulierter Unterlagen habe die Stadt damals Darlehen in Höhe von 18,85 Millionen Euro übernommen, um damit dem längst klammen Drittligisten das sportliche Über- und Weiterleben zu ermöglichen. Insbesondere konnten die Kreditkosten für das gut 40 Millionen Euro teure Stadion, die sich für die Alemannia als untragbar erwiesen haben, um die Hälfte auf jährlich zwei Millionen Euro gesenkt werden.

Nur kurz nach der Umschuldung stellte sich jedoch heraus, dass die Lage am Tivoli weitaus dramatischer war und die Alemannia endgültig der Insolvenz entgegen taumelte. Die Folgen sind bekannt: Heute besitzt die Stadt ein Stadion, das von einem Regionalligisten bespielt wird, der gerade mal eine Miete von 120.000 Euro jährlich aufbringen kann. Der damals übernommene Kredit kann von der Alemannia nicht bedient werden, die Stadt trägt zudem die jährlichen Stadionbetriebskosten von rund zwei Millionen Euro.

Für all das wollte die Stadt Kraemer zur Rechenschaft ziehen, bei dem sie Schadenersatzansprüche in bislang unbekannter Höhe geltend machen wollte. Doch nun ist der Rechtsbeistand der Stadt zur Erkenntnis gekommen, dass die Erfolgsaussichten im Falle einer Klage offenbar denkbar schlecht sind. Zudem sei bei Frithjof auch kaum noch etwas zu holen.

Jeder weitere Rechtsstreit würde allenfalls die Taschen der Anwälte füllen, nicht aber den Schaden der Stadt mindern. So wird dem Rat am Mittwoch empfohlen, einem Vergleich zuzustimmen, wonach Kraemer lediglich noch die Kosten in fünfstelliger Höhe für ein Rechtsgutachten übernehmen würde.

Der einstige Alemannia-Geschäftsführer scheint damit endgültig mit einem hellblauen Auge aus der Angelegenheit herauszukommen. Er selbst hat die Beschuldigung, die Stadt im Verfahren zur Umschuldung der Stadionkredite getäuscht zu haben, vehement zurückgewiesen.

Abgeschlossen ist für ihn bereits der strafrechtliche Teil der Geschichte, in dem ihm wegen Insolvenzverschleppung, Betrugs und Untreue der Prozess gemacht wurde. Ende Juni wurde er zu einer Bewährungsstrafe von 18 Monaten und einer Geldstrafe in Höhe von 50.000 Euro verurteilt. Schuldhaftes Verhalten gegen die Stadt wurde damals seitens der Staatsanwaltschaft weder festgestellt noch ermittelt. Es dürfte der Stadt daher schwer fallen, nun durch eigene Ermittlungen zu einem anderen Ergebnis zu kommen.

Der geplante Verzicht auf eine Klage hat bereits im Finanzausschuss für viel Unmut unter den Politikern aller Fraktionen geführt. Und auch in der Ratssitzung dürfte es hinter verschlossenen Türen noch einmal hoch hergehen.

Denn am Ende steht das zutiefst unbefriedigende Ergebnis, dass niemand für einen zweistelligen Millionenschaden an die Hammelbeine genommen werden kann. Und nimmt man die Bürgschaft des Landes für einen Großteil eines weiteren Kredits in Höhe von 18,85 Millionen Euro hinzu, wird klar, dass der Tivoli-Neubau, der einstmals ausschließlich von der Alemannia geschultert werden sollte, nunmehr zum ganz überwiegenden Teil mit öffentlichen Mitteln finanziert wurde.

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