Stadt setzt auf weitere Maßnahmen zur Luftreinhaltung

Weitere Maßnahmen geplant : Leichtes Aufatmen: Die Luft in Aachen wird sauberer

Aufatmen kann die Stadt bildlich gesehen noch nicht. Und ihre Einwohner können es wörtlich auch noch nicht. Aber immerhin: Erstaunlicherweise ist die Luftbelastung mit giftigen Stickoxiden im Laufe dieses Jahres deutlich gesunken.

Das zumindest zeigt die Tabelle mit den Messwerten von rund zwei Dutzend städtischen Messstationen, die übers Stadtgebiet verteilt sind. Die Auflistung wird monatlich aktualisiert. Insbesondere an den kritischen „Hotspots“, also den Stellen mit den höchsten und in den vergangenen Jahren weit über den EU-Regeln liegenden Werten, sieht es – nimmt man die Vergleichswerte des Vorjahres – aktuell ein ganzes Stück besser aus.

Rückgang um fast 20 Prozent

Beispiel Römerstraße: Die dortige Messstation – die wie alle anderen nur eine kleine weiße Dose mit Teströhrchen im Inneren ist – registrierte im Juli 2018 noch einen Wert von 58 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, im August waren es 54 und im September 57 Mikrogramm. Das ist krass, liegt der Grenzwert doch bei 40. Und nimmt man das jüngste Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster zum Maßstab, wären hier Dieselfahrverbote absolut unumgänglich. Die Richter hatte den Aachener Luftreinhalteplan für rechtswidrig erklärt. Fahrverbote hatte sie jedoch nicht als Automatismus in ihr Urteil geschrieben. Gleichwohl, so das OVG, seien 44 Mikrogramm Stickoxid pro Kubikmeter Luft das höchste der Gefühle, wenn es darum geht, um Fahrverbote herum zu kommen.

Diese Marke wird an der Römerstraße zwar auch heute noch teils überschritten. Aber nicht mehr in dem Maße wie zuvor. Teils liegen sie sogar schon unter besagter Grenze. Im Juli dieses Jahres waren es noch 48 Mikrogramm, im August 42 und im September 47. Diese Werte liegen um fast 20 Prozent unter denen des Vorjahres.

Einen Abwärtstrend gibt es auch an der Monheimsallee, die von der Stadt als sehr kritisch eingestuft wird. In den Sommermonaten 2018 lauteten die Werte: 52, 47 und 54. 2019 wurden im Juli, August und September 49, 47 und 44 Mikrogramm gemessen. Interessant dürfte sein, wie sich das tendenziell fortgesetzt hat. Denn Ende September wurden just dort Sofortmaßnahmen ergriffen. So etwa wurde die Grünphase für Linksabbieger in die Jülicher Straße – sie blockierten bei Rückstaus auch regelmäßig eine Geradeausspur – um vier Sekunden verlängert. Messwerte aus dem Oktober liegen jedoch erst Ende November vor.

Vier Stellen über 40 Mikrogramm

So könnte man die Reihe fortsetzen. Insgesamt wurde im September noch an zwei Stellen der Wert von 44 Mikrogramm überschritten. Nämlich an der Römerstraße und an der Jülicher Straße, wo die Messdose im Bereich der Einmündung Hein-Janssen-Straße hängt. Zum gleichen Zeitpunkt 2018 wurde diese Grenze noch an sieben Stellen überschritten: Römerstraße, Peterstraße, Monheimsallee, Jülicher Straße, Roermonder Straße, Von-Coels-Straße/Ecke Prager Ring und Adalbertsteinweg (Höhe Haus 274). Nimmt man den eigentlichen EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm zum Maßstab, so gab es im September 2018 insgesamt acht Überschreitungen, 2019 sind es noch deren vier.

Über den Berg ist die Stadt damit noch nicht. Aber jetzt werden auch noch weitere Maßnahmen in Sachen bessere Luft umgesetzt. Dazu gehört die Einführung von Tempo 30 innerhalb des Alleenrings (> Seite 17) oder auch die Einrichtung einer Umwelttrasse für Busse und Fahrradfahrer auf dem unteren Adalbertsteinweg.

Auch beim Thema Elektrobus geht es nach etlichen Verzögerungen nun zumindest ein bisschen voran. Kein Wunder, dass angesichts der aktuellen Werte die Stimmung in der Stadtverwaltung nicht gerade schlecht ist: „Die jüngste Entwicklung der Werte stimmt uns zuversichtlich und bestärkt uns in der Überzeugung, dass wir in Aachen mit den bereits ergriffenen Maßnahmen im Rahmen der Luftreinhaltung auf dem richtigen Weg sind“, sagt Harald Beckers vom Presseamt. Die weiteren Maßnahmen würden „sicherlich zusätzlich dazu beitragen, die Werte weiter zu senken“. Der Blick dürfte sich also weiterhin gespannt auf die monatlichen Messwerte richten.

Die aktuellen und zurückliegenden Werte der städtischen Messstellen findet man auf der städtischen Homepage (www.aachen.de) unter dem Stichwort „Aktuelle NO2-Messungen“.