Aachen: Stadt macht ernst: Drogenszene soll verschwinden

Aachen: Stadt macht ernst: Drogenszene soll verschwinden

Was die Anwohner, die sich in einer Bürgerinitiative zusammengefunden haben, schon seit vielen Jahren fordern und die (Noch-)Mehrheitsparteien Rot/Grün in einem Antrag Ende Mai in die Wege geleitet haben, scheint sich nun zu konkretisieren.

Die Stadtverwaltung wird in ihrer Antwort auf diesen Ratsantrag vorschlagen, die dortigen Szenen und Einrichtungen zu verlagern und zu entzerren. Angestrebter Zeitrahmen: etwa eineinhalb Jahren.

Man befinde sich dieserhalb in Gesprächen mit der Politik, dem Polizeipräsidenten und der Suchthilfe Aachen, Trägerin etwa des Café Relax, teilte Oberbürgermeister Jürgen Linden auf Anfrage mit.

Grundsatzdebatte

Wesentliche Komponenten könnten dabei eine Schließung des Drogenkonsumraums sein, bei dem die Zahl der Patienten, die ihn in Anspruch nehmen, erheblich abgenommen habe, und das Vorgehen nach dem Dortmunder Modell, nach dem illegale Prostitution durch massive Kontrollen entkriminalisiert worden ist. Linden: „Das stimmen wir in den nächsten Wochen ab.”

Angestrebt sie bislang aber lediglich ein Grundsatzbeschluss, basierend allerdings auf der Erkenntnis der politisch Verantwortlichen und verschiedener Fachstellen, die bestätigen, dass es am Kaiserplatz zu einer Überlast gekommen sei. „Die Grundsatzdebatte sollte nach Möglichkeit im Rat erfolgen.”

Noch nicht geklärt ist, wo die Einrichtungen wie das Kontakt-Café Relax oder die drogentherapeutische Ambulanz woanders untergebracht werden können. Dazu erwarte man noch Stellungnahmen der Suchthilfe Aachen.

SPD-Vorsitzender Karl Schultheis und Bürgermeisterin Hilde Scheidt hatten schon Ende Mai erklärt, dass die Grenzen der Belastung am Kaiserplatz und in dessen Umgebung überschritten wurden und eine dezentrale Lösung für die gesamte Städteregion gefordert.

Für Vernetzung

In die gleiche Richtung zielt ein Diskussionspapier, das daraufhin vom Arbeitskreis Straffälligenhilfe (AKS) vorgelegt worden war. Geschäftsführer Martin Czarnojan sprach sich darin für eine Vernetzung der vielfältigen Hilfeangebote in Stadt und Kreis Aachen aus.

Schwerstabhängige Klienten berichteten immer wieder, dass rund um den Kaiserplatz unterschiedliche kriminelle Organisationen das Drogengeschäft kontrollierten. Für sie sei es eine Belastung, dass sie notgedrungen ständig mit der Szene in Berührung kämen. „Der Treffpunkt fördert Kriminalität, Prostitution und Drogenhandel.”

Die Angebote zum Betreuten Wohnen und der Beratung müssten erheblich ausgeweitet werden. „Die meisten Besucher des Szenetreffs haben einen Bewährungshelfer, haben Führungsaufsicht, sind im betreuten Wohnen oder werden substituiert.”

Es sei wichtig, für sie einen Tagesaufenthalt an sieben Tagen der Woche zu schaffen, wo man gesunde Nahrung zu sich nehmen könne, Wäsche waschen, Körperpflege betreiben oder Spritzen tauschen könne. Dort sollte eine nicht einsehbare, aber kontrollierbare Freifläche vorhanden sein.

Carnojan: „Außerhalb des Tagesaufenthaltes sollte ein striktes Aufenthaltsverbot herrschen.” Die bestehende Ordnungspartnerschaft zwischen Polizei, Ordnungsamt und Suchthilfe solle ausgebaut werden.

In Hauseingängen

Czarnojan hält den Konsumraum - im Gegensatz zur Verwaltung - allerdings für notwendig, der in den Tagesaufenthalt integriert werden sollte: „Weniger Drogenkonsumenten setzen ihre Spritzen in Hauseingängen oder auf Kinderspielplätzen. Das Gesundheitsrisiko wird minimiert.”