Aachen: Stadt gibt auf: Englische Schule zieht in das Knappschaftsgebäude

Aachen: Stadt gibt auf: Englische Schule zieht in das Knappschaftsgebäude

„Wir haben ernsthaft überlegt, ob wir noch in Aachen bleiben. Hier haben wir nämlich keine richtige Bibliothek, kein voll eingerichtetes Labor, alles ist so provisorisch“, klagt Mariette Horton, Prinzipal (Leiterin) der St. George‘s Englisch International School, bisher unscheinbar untergebracht an der Michaelsberg-straße in Burtscheid, in der ehemaligen Clara-Fey-Schule.

Seit Jahren ist die Privatschule auf der Suche nach einem neuen Domizil, weil sie aus allen Nähten platzt. „Es geht nicht mehr.“ Nun ist man fündig geworden. Die anerkannte ausländische Ergänzungsschule zieht in die Monheimsallee, in das Gebäude, in dem bis Ende Juni die Knappschaft untergebracht ist. Horton: „So versteckt wir hier sind, so prominent ist die neue Lage.“ 1400 Quadratmeter umfasst der alte Standort, 3000 hat der neue. Anfang Juli beginnt der Umbau, am 10. September findet ein Tag der offenen Tür statt. Der Zeitplan ist knapp: „Das wird spannend.“

Präsentieren sich stolz vor den englischen Flagge vom Trödelmarkt: Schuldirektor Mark Stimpson und Prinzipal Marietta Horton.

In zwei Instanzen

Um das Gebäude nahe dem Spielcasino hatte es in der Vergangenheit ein heftiges Tauziehen zwischen der Stadt, die ein Vorkaufsrecht geltend machen wollte, und der Eigentümergemeinschaft gegeben, die durch den Rechtsanwalt und CDU-Politiker Rolf Einmahl vertreten wird. Die Stadt wollte einen wesentlich niedrigeren Preis zahlen, unterlag aber in zwei Instanzen vor Gericht und ist jetzt aus dem Rennen. Pressesprecher Hans Poth: „Wir haben die Berufung zurückgezogen.“ Er freue sich aber, dass die St. George‘s School, die einen Zehn-Jahres-Vertrag unterschrieben hat, eine neue Bleibe in Aachen gefunden habe.

Die erste von drei dieser internationalen Schulen wurde 1985 in Köln eröffnet, dort werden inzwischen 850 Jungen und Mädchen unterrichtet. An der Dependance in Duisburg gibt es 650 Schüler. Vor sechs Jahren wurde der Standort Aachen eröffnet, hier werden knapp 100 Kinder englisch ausgebildet, die Bandbreite reicht vom Kindergarten bis zum Abitur. Nach dem Umzug hofft man, die Schülerzahl zu verdoppeln. Die Schule habe einen familiären Charakter, passende Umgangsformen stehen hoch im Kurs, so Horton weiter.

20 Lehrer unterrichten die Kindern in kleinen Klassen, zur Vermittlung von Werten wie Respekt und Höflichkeit passt auch die einheitliche Kleidung, die völlig unstrittig sei: „Ohne die Schulkleidung können wir uns die Schule gar nicht vorstellen. Dadurch sind alle Kinder gleich und gibt es viele Probleme nicht, die deutsche Schulen mit der Integration haben.“ Eine Stunde pro Tag wird Deutsch unterrichtet, von Muttersprachlern, alle anderen Lehrer kommen von der Insel.

Die Eltern müssen stattliche Schulgebühren bezahlen, die von 8595 Euro jährlich für die „Nursey School“ bis 11 865 Euro von den Klassen 7 bis 13 zur Erlangung des A-Levels reichen, mit dem die Absolventen überall studieren können. Man bekomme halt keine Subventionen, liege mit diesem Schulgeld aber noch deutlich unter den Beiträgen an anderen internationalen Schulen. Selbstständige, Wissenschaftler und Mitarbeiter großer Unternehmen schicken ihre Kinder auf die englische Schule, aber auch Familien, denen es schwerfalle, die enormen Summen aufzubringen. „Wir gehen verantwortungsvoll mit den Schulgeldern um“ sagt Marietta Horton deshalb, vergebe auch Stipendien.

Von der Stadt fühlt sich die Schulleiterin — nach anfänglicher Begeisterung — eher stiefmütterlich behandelt, so sei man nicht einmal in einem Verzeichnis aller Schule vertreten. „Viele wissen gar nicht, dass es uns gibt.“ Das sei in Köln und Duisburg anders: „Die Städte werben mit uns, weil sie dadurch eine Mehrwert haben.“