Aachen: Stadt denkt in Sachen Personalgewinnung komplett um

Aachen : Stadt denkt in Sachen Personalgewinnung komplett um

Die Zahlen sprechen für sich: Bis zum Jahr 2035 werden von den derzeit etwa 5000 Mitarbeitern der Stadt Aachen bis zu 200 pro Jahr in Rente oder in den Ruhestand gehen. Die frei werdenden Stellen müssen wiederbesetzt werden, und nicht nur das.

Die Aufgaben einer Kommunalverwaltung wachsen, die Zahl der Mitarbeiter der Stadt Aachen wächst. Darum hat die Stadt sich nun eine neue Strategie zur Personalgewinnung und Personalanbindung gegeben. Mit einem Paket von insgesamt 200 Maßnahmen will man junge, gute Mitarbeiter finden — und diese auch halten. In der Sitzung des Personal- und Verwaltungsausschusses bekam die Verwaltung für ihr Vorhaben große Zustimmung.

Auch andere Großstädte suchen

„In unserem Stellenplan gibt es keine Stellen mehr, die wir nicht besetzen müssen“, betonte Markus Kremer, Personaldezernent der Stadt, bei der Vorstellung des Konzepts am Mittwoch. Nicht nur in den Bereichen Kinderbetreuung und Feuerwehr würden viele Kräfte fehlen, sondern auch in den technischen Berufen. „Und mit dem Probleme stehen wir ja nicht alleine da“, sagt Kremer.

Köln, Frankfurt oder Hamburg: Auch andere deutsche Großstädte seien auf der Suche nach Personal. Kremer schätzt, dass bundesweit rund 300.000 Stellen im öffentlichen Dienst zu besetzen sind.

In Aachen will man sich beispielsweise „wesentlich weiter für Quereinsteiger öffnen“, sagt Kremer. Wobei ein wichtiger Punkt sei, dass man nicht jeden suche, sondern „gute Leute, die zu uns passen, und die gute Arbeit leisten. Um das in die Wege zu leiten, habe man zwei Wege vorgezeichnet, erklärt Jutta Bacher vom Fachbereich Marketing.

Einmal gehe es darum, die Aufmerksamkeit von potentiellen Bewerbern zu bekommen, sie mit einer inhaltlich ansprechenden Stellenausschreibung zu überzeugen und dann über ein geeignetes Bewerbungsverfahren für die Stadt zu gewinnen. Dabei soll das „Amt für Traumjobs“, ein neues Karriereportal, helfen. Hier sollen nicht nur die offenen Stellen in der klassischen Verwaltung eingetragen werden, sondern auch die bei den Eigenbetrieben.

Jutta Bacher: „Die Vielfalt an Berufsbildern in der Stadt sind groß. Das weiß längst nicht jeder.“ Werbung machen für die Jobs bei der Verwaltung sollen übrigens die Verwaltungsmitarbeiter selbst: „Wenn die Kollegen mit Begeisterung von ihrer Arbeit berichten, dann ist das die beste Werbung für uns“, sagt Jutta Bacher.

Generell sei das externe Ausschreiben von Verwaltungsstellen nicht so eine Selbstverständlichkeit, wie es sich vielleicht im ersten Moment anhört: „Klassischerweise haben wir höher eingruppierte Stellen erst eimal intern besetzt“, sagt Markus Kremer. Manch einer mag sich an das Beamtenrücken noch erinnern, von dem die Stadt sich nun endgültig verabschieden will. „Für eine Stelle in der Entgeldgruppe 7 zieht vielleicht niemand hierher, für eine E11-Stelle schon eher“, so Kremer.

Weiterentwicklung für Mitarbeiter

Trotzdem soll es auch für die Mitarbeiter der Stadt genügend Weiterentwicklungsmöglichkeiten geben: „Ob im Forst, beim Stadtbetrieb oder anderswo: Es gibt Bereiche in der Verwaltung, in denen unsere Kollegen harte körperliche Arbeit leisten“, sagt Kremer. Auf diese Kollegen will man ab einem gewissen Alter zugehen und mit ihnen einen möglichen Wechsel in die Zentralverwaltung sprechen.

Und noch mehr: Damit Bewerber und frisch eingestellte Azubis — davon soll es bald übrigens bis zu 50 Prozent mehr geben — ein gutes Bild von der Stadt bekommen, wird die Abteilung, mit der sie anfangs viel zu tun haben werden, in ein neues Gebäude einziehen. Cornelia Hassiepen, Abteilungsleiterin Personalentwicklung und -einsatz und ihr Team werden ab diesem Herbst die Räume in der Aureliusstraße 30 beziehen, wo derzeit noch das Generalvikariat untergebracht ist. „Wir wollen für Bewerber einen repräsentativen ersten Eindruck von der Stadtverwaltung vermitteln“, erklärt Hassiepen.

Neben diesen weichen Faktoren geht es bei der Personalgewinnung auch um harte Fakten: Unbefristete Einstellungen, Entfristung von befristeten Verträgen und Zuschläge für IT-Spezialisten und Feuerwehrleute. „Natürlich stehen wir da auch in einer Konkurrenz zu anderen Kommunen und Unternehmen in der Region“, sagt Kremer, der sich aber sicher ist: Konkurrenz belebt das Geschäft.

Auch, dass diese vielen neuen Mitarbeiter die Stadt Geld kosten werden, ist laut Markus Kremer kein Argument gegen die neue Personalstrategie — zumindest nicht in der finanziellen Situation, in der sich die Stadt gerade befindet. „2025 wird man uns danach messen, ob wir Aachen zu einer attraktiven Stadt gemacht haben. Nicht danach, ob wir ein paar Millionen Euro gespat haben.“

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