Stadt Aachen will Kampagne gegen Steinwüsten in Vorgärten starten

Aus dem städtischen Umweltausschuss : Blühende Gärten statt öder Steinwüsten

Allzu viele Steine statt Vorgärten sind Umweltschützern schon seit langem quasi ein Dorn im Auge: Sie fordern, die Anlagen im Sinne der Umwelt verstärkt zu begrünen. Die Stadt will jetzt eine entsprechende Kampagne starten und neue Anreize schaffen, um im Wortsinne wieder mehr Leben in die Straßen zu bringen.

Nicht nur bei den Aachener Grünen stößt das nackte Grau(en) in Gestalt von durch Stein und Schotter geprägten Vorgärten in zunehmendem Maße auf Unmut: Jüngst hatte die Ratsfraktion daher angeregt, weitgehend versiegelte Flächen zugunsten blühender – und damit auch insektenfreundlicher – Anlagen vor Privathäusern notfalls zu untersagen.

Dies allerdings sei schon deshalb nicht möglich, weil entsprechende gesetzliche Rahmenbedingungen schlicht nicht vorhanden seien, erläuterte Elmar Wieczorek, Leiter des zuständigen städtischen Fachbereichs, jetzt im Ratsausschuss für Umwelt und Klimaschutz.

Umso mehr positive Resonanz gab es seitens aller Parteien daher auf den Vorschlag, die Bewusstseinsbildung in Sachen „Biodiversität“ umgehend voranzutreiben. Zumal sich inzwischen herumgesprochen habe, dass besagte Steinwüsten wegen wild wuchernder Pflanzen (früher meist Unkraut genannt) keineswegs den vielfach gewünschten Effekt zeitigten, weil sie bei der Pflege letztlich eher mehr als weniger Arbeit verursachen.

Daher will die Verwaltung im kommenden Jahr eine große Kampagne inklusive Fotowettbewerb und anschließender Ausstellung starten, um über Möglichkeiten zu informieren, besagte Vorgärten im Wortsinne zu neuer Blüte zu bringen. So könnten grüne Inseln mit Kräutern und Blumen geschaffen werden, indem Kiesel und Schotter mit Sand bedeckt und geeignetes Saatgut ausgestreut werde. Geprüft werden soll zudem, wie sich über Fördergelder Anreize schaffen lassen, Steine und Kies (wieder) aus den Vorgärten zu verbannen. Denn allenfalls mit Blick auf Neubauprojekte sei ein regelrechtes Verbot der unerwünschten Versiegelung im Rahmen der sogenannten Bauleitplanung möglich, erklärte Wieczorek.

Lärmmessungen liegen bereits vor

Wenig idyllisch mutet die Situation direkt vor zahlreichen Haustüren unterdessen auch im Hinblick auf die Lärmentwicklung in vielen Bereichen der Stadt an. Aus den jüngsten Erhebungen zwecks Reduzierung der Geräuschkulissen an stark befahrenen Straßen geht unter anderem hervor, dass rund 13.000 Aachener tagsüber, nachts sogar rund 13.800 Menschen mehr als 70 beziehungsweise 60 Dezibel ausgesetzt sind. Auf rund 57 Prozent der städtischen Gesamtfläche sind hohe, teils massive Lärmbelastungen ermittelt worden. 70 Dezibel entsprechen etwa dem Geräusch eines Staubsaugers und gelten damit dauerhaft bereits als gesundheitlich problematisch.

Allerdings fußt die Erhebung bislang lediglich auf Messungen. Deshalb soll die aktuelle „Lärmkarte“ in Kürze auch auf der städtischen Homepage präsentiert werden. Anschließend will man die Bürger per Online-Befragung bitten, Auskunft über ganz persönliche Störfaktoren zu geben. Im Netz sind die Mess­ergebnisse auch für die Stadt Aachen bereits detailliert abrufbar unter www.umgebungslaerm.nrw.de.

Das Beteiligungsverfahren soll im Frühjahr 2020 abgeschlossen werden. Noch vor Jahresende soll den politischen Gremien ein Aktionsplan zur Beschlussfassung vorgelegt werden.

(mh)
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