Aachen: Stadt Aachen setzt auf Werbung aus einem Guss

Aachen : Stadt Aachen setzt auf Werbung aus einem Guss

In diesen Tagen verweisen Aachens Verwaltungsfachleute und Politiker gerne auf die Städte Münster oder Bielefeld. Dort könne man sehen, wie modernes Stadtmarketing funktioniert: Gut gebündelt und nicht aufgeteilt auf zehn verschiedene Stellen, wie es die Aachener derzeit noch zelebrieren.

Nicht nur Oberbürgermeister Marcel Philipp hält die Zeit für gekommen, über Jahrzehnte hinweg gewachsene Strukturen zu überdenken. Die Gelegenheit ist im Grunde günstig, denn Ende September geht Aachens oberster Touristikchef Werner Schlösser, Geschäftsführer des aachen tourist service (ats) sowie der Kur- und Badegesellschaft, in den Ruhestand. Die Grünen nehmen dies nun zum Anlass, eine Sondersitzung des städtischen Wirtschaftsausschusses zu beantragen, um über die Neuordnung des touristischen Sektors und des Stadtmarketings zu beraten.

Damit wollen sie eine Debatte vorantreiben, die seit längerem auch den OB umtreibt. Er hat vergangene Woche die Fraktionsspitzen zum Gespräch gebeten, in dem über die Bündelung aller Kräfte nachgedacht werden sollte, die für Aachen werben. Dazu gehören neben dem ats etwa auch der städtische Fachbereich Presse und Marketing, das Eurogress mit seinen Messen und Kongressen, die Hochschulen oder auch die Einzelhändler, die unter anderem mit ihrem Märkte- und Aktionskreis City (MAC) für die großen Spektakel Weihnachtsmarkt und September Special verantwortlich sind. Da trifft es sich gut, dass auch MAC-Geschäftsführer Manfred Piana Ende des Jahres in den Ruhestand geht und eine Neuordnung des gesamten Marketingbereichs denkbar macht.

Von der geplanten „Bündelung der Kräfte von Eurogress, ats, Einzelhandel und MAC“ ist bereits im schwarz-roten Koalitionsvertrag die Rede. Das Problem: In allen Fällen handelt es sich um eigenständige und funktionierende Institutionen, die schwerlich zur Zusammenarbeit und zur Aufgabe eigener Arbeitsbereiche gezwungen werden können. Überzeugungsarbeit muss also geleistet werden — und dafür könnte die Zeit bis zum Herbst allzu knapp sein.

Schlösser-Nachfolge

So wird der ats aller Voraussicht nach auch schon in seiner heutigen Vorstandssitzung die Ausschreibung für einen Schlösser-Nachfolger beschließen, wie ats-Vorsitzende Caroline Herff auf Anfrage mitteilt. Dass damit vorzeitig gewachsene Strukturen fortgeschrieben werden, glaubt OB Philipp jedoch nicht. In der Ausschreibung soll bereits deutlich gemacht werden, dass sich das touristische Marketing für Aachen im Umbruch befinde.

Denkbar sei etwa die Gründung eines städtischen Eigenbetriebs (Beispiel Münster) oder einer städtischen GmbH (Beispiel Bielefeld), unter deren Dach sich auch Vereine wie ats oder MAC als Gesellschafter einfinden könnten. Dort würden dann die Marketingstrategien erarbeitet, um Tagesbesucher, Touristen und Kongressteilnehmer auch weiterhin in möglichst großer Zahl nach Aachen zu lotsen. „Wir wollen das Marketing für Aachen nicht auseinanderfasern lassen“, sagt Philipp.

In der Vergangenheit sei es vor allem dem persönlichen Einsatz von Schlösser zu verdanken gewesen, dass die vielen handelnden Personen an einem Strang gezogen und für die Stadt geworben haben. Künftig wolle man dies auch „strukturell“ sicherstellen.

Effizienz und Schlagkraft sind gefragt. Beides aber sei gefährdet, wenn alles so weiterläuft wie bisher, sind zumindest OB Philipp sowie SPD und Grüne überzeugt, die zu den vehementesten Verfechtern einer Reform zählen. Nötig scheint die auch aus finanziellen Gründen. Der ats — von der Stadt mit jährlich rund 500 000 Euro bezuschusst — benötigt für die weitere Arbeit finanzkräftige Partner. Der MAC wäre schon wegen seines lukrativen Weihnachtsmarktes höchst willkommen.

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