Stadt Aachen legt Daten einer repräsentativen Studie zur Mobilität vor

Trend geht weg vom Auto : Die Aachener sind mobiler geworden

Die Stadt legt Daten einer repräsentativen Studie zur Mobilität vor. Demnach sind die Aachener mobiler geworden. Und das zunehmend nicht mit dem Auto.

Die Debatte um die Verkehrspolitik in Aachen wird nicht erst in der jüngsten Vergangenheit teils erbittert, teils heftig, auf jeden Fall aber sehr emotional geführt. Und das alles im Spannungsfeld zwischen Klimanotstand, drohenden Fahrverboten, CO2-Belastung sowie Radentscheid und Vorrangrouten. Doch spätestens seit Donnerstag wissen die städtischen Verkehrsplaner: „Die Aachener sind bereits vielfältig clever mobil und kombinieren ihre Verkehrsmittel je nach Zielort und Zweck. Und der Trend weg vom Auto im Stadtverkehr ist tatsächlich messbar. Mit Blick auf eine Verkehrswende gibt es aber noch Luft nach oben.“

Dieses Fazit zieht nämlich der Verkehrsentwicklungsplaner der Stadt, Armin Langweg, aus der bundesweiten Studie „Mobilität in Deutschland“, an der sich die Stadt im Jahr 2017 erstmals beteiligt und deren Ergebnisse Langweg am Donnerstag gemeinsam mit dem Abteilungsleiter Verkehrsplanung und Mobilität der Stadt, Uwe Müller, der Öffentlichkeit vorgestellt hat. Diese repräsentative Studie solle nun als sachliche Grundlage dienen für die Verkehrsdiskussionen – für laufende und künftige, erläutert Harald Beckers vom städtischen Presseamt.

Das hat sich die Stadt nach einem Beschluss des Mobilitätsausschusses von 2015 62.000 Euro kosten lassen. Dafür hat sie vertiefend zur bundesweiten Studie des Meinungsforschungsinstituts Infas 2353 Aachener und Aachenerinnen in 1194 Haushalten befragt (siehe: Infobox) und vergleicht die gewonnenen Daten mit einer eigenen Erhebung aus dem Jahr 2011 einerseits sowie mit den Ergebnissen von vergleichbaren Städten in der aktuellen Studie andererseits. Da schadet es aus Sicht der Stadt auch nicht, dass die Zahlen schon zwei Jahre alt sind.

„Infas hat die Studie zunächst deutschlandweit ausgewertet. In einem zweiten Schritt ist dann erst die Regionalstudie erstellt worden“, erklärt Uwe Müller, „und die liegt uns selbst erst wenige Wochen vor.“Haupterkenntnis: Die Aachenerinnen und Aachener sind mobiler geworden. Sie sind mit 3,5 Wegen pro Tag im Schnitt häufiger unterwegs als noch 2011, als sie pro Tag nur 3,14 Strecken zurücklegten. Da es aktuell auch mehr Aachener als 2011 insgesamt gebe, so Müller, habe sich die Gesamtzahl aller Wege (Weg zur Arbeit, zum Einkaufen, et cetera) von 770.000 auf 890.000 Wege pro Tag erhöht. Im Schnitt legen die Aachener pro Tag dabei 41,6 Kilometer zurück, die sie freilich auch über die Stadtgrenzen hinaus führen können.

Zurückgegangen ist im gleichen Zeitraum von 2011 bis 2017 hingegen der Anteil der Autonutzung an den zurückgelegten Wegen der Aachener – von 51,5 Prozent auf 46,2 Prozent bezogen auf Fahrer und Mitfahrer. Signifikant gestiegen sind nach der Befragung der Fußweganteil von 22,1 Prozent 2011 auf aktuell 29,8 Prozent. „Fast jeder dritte Weg ist ein Fußweg. Das ist ein Spitzenwert in Deutschland“, sagt Uwe Müller. Aachen sei halt eine Stadt der kurzen Wege mit einem hohen Bewohneranteil in der Innenstadt, in der man „gerne und viel zu Fuß geht“. Das zeige auch der hohe Zweidrittel-Anteil der Wege, die kürzer als fünf Kilometer sind, fügt Armin Langweg hinzu. Allerdings sind 51 Prozent aller Autofahrten kürzer als fünf Kilometer respektive wählen 34 Prozent aller Befragten für eine Strecke bis fünf Kilometer das Auto als Fahrer oder Mitfahrer. „Da geht noch was...“, bilanziert Langweg.

Foto: grafik

Der Anteil der mit dem Rad zurückgelegten Wegen indes stagniert bei elf Prozent, beim Öffentlichen Verkehr (ÖV) ist er sogar rückläufig – von 15,4 auf 13 Prozent. „Weil die Aachener Bevölkerung gewachsen ist, bedeutet das, dass wir in absoluten Zahlen heute mehr Fahrräder auf der Straße haben als 2011“, sagt Müller, „aber sicher haben wir da Nachholbedarf.“ Wie dieser Nachholbedarf aussehen kann, das sei ebenso wie die weiteren konkreten Konsequenzen aus diesen Zahlen Gegenstand der nun zu führenden politischen Diskussion, der Uwe Müller keinesfalls vorgreifen wollte.

Bei der Bewertung der rückläufigen ÖV-Zahlen hingegen wurden Langweg und Müller deutlich. „Der öffentliche Verkehr braucht mehr Geld, um die Kapazitäten zu steigern oder gar das System zu wechseln“, sagt Langweg und Müller fügt hinzu: „Allein mit Bussen stößt ein ÖPNV-System halt irgendwann an seine Grenzen.“ Und mit Blick auf die 2013 per Bürgerentscheid abgelehnte Campusbahn sagte er: „Die rückläufige Entwicklung ist vielleicht auch eine Konsequenz aus der damaligen Entscheidung.“

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